Google schuldet Medien Milliarden – Streit mit deutscher Presse
Medieninhalte werden häufig über Google gefunden, daran verdient der US-Konzern Geld. Doch an den Umsätzen wird die Presse in Deutschland nicht beteiligt. Dagegen gibt es Widerstand.
Medien, besonders der Printjournalismus, stehen unter Druck, der immer größer wird. Wegbrechende Einnahmen, sinkende Printleserschaft und die Schwierigkeit, das eigene Printangebot ins Digitale zu übertragen, zählen zu den Kernherausforderungen.
Und während die Finanzierungsnot immer größer wird, wird – gerade in Zeiten von Social Media – auch der Zugang zu unabhängiger, geprüfter Information immer wichtiger.
Journalistische Inhalte auf Google: Mehr Vertrauen, Aktualität und Vollständigkeit
Journalistische Inhalte werden online häufig direkt über Google gefunden, wenn Nutzer nach Informationen zu einem bestimmten Thema suchen. Das führt dazu, dass journalistische Inhalte abhängig vom Algorithmus der Suchmaschinen sind – es kommt darauf an, mit den eigenen Inhalten so weit oben wie möglich in der Suchleiste zu landen.
Eine repräsentative Studie ist jetzt zu dem Ergebnis gekommen, dass 73 Prozent der beteiligten Nutzer Google-Ergebnisse mit journalistischen Inhalten bevorzugen. Weiter tragen sie zu Aktualität, Vertrauen und Vollständigkeit bei Suchergebnissen bei. „Im Schnitt erhöhen journalistische Medien den Wert von Google um 24 Prozent“, so die Studie. Sie wurde im Auftrag von Corint Media durch Verhaltensökonomen von Fehr Advice durchgeführt.
Google als Schlüsselplattform: Journalistische Inhalte dominieren die Informationssuche im Netz
Corint Media ist ein europäisches Unternehmen der privaten Medienindustrie. Es vertritt die Urheber- und Leistungsschutzrechte nahezu aller deutschen und mehrerer internationaler privater Fernseh- und Radiosender sowie von zahlreichen Presseverlegern.
Fehlen dagegen journalistische Angebote in den Suchergebnissen, nehmen Nutzer diese als weniger vollständig, aktuell, vertrauenswürdig und qualitativ hochwertig wahr.
Milliardenprofite ohne faire Beteiligung: Google verdient mit Medieninhalten, zahlt aber kaum
Denn hierbei geht es nicht nur um Informationsangebote, sondern es geht um Geld. Google verdient an den journalistischen Inhalten in Deutschland rund 3,2 Milliarden Euro im Jahr. Das Problem: Der Internet-Gigant beteiligt die Medienanbieter nicht an diesen Umsätzen. Würde Google die Medienschaffenden an den Umsätzen beteiligen, wie es beispielsweise bei Youtube der Fall ist, stünden ihnen laut der Studie rund 1,3 Milliarden Euro für die Nutzung ihrer Inhalte zu.
„Es geht hier nicht nur um wirtschaftliche Fairness, sondern um die Zukunft journalistischer Vielfalt und demokratischer Meinungsbildung“, betont Professor Ernst Fehr, Ökonom und Verwaltungsratspräsident von Fehr Advice. Google müsse journalistische Inhalte fair entlohnen, da ansonsten ein „zentrales Element der demokratischen Infrastruktur gefährdet wird“. Die Geschäftsführerin von Corint Media, Christine Jury-Fischer, betont, dass dieses Ungleichgewicht „ein massives Problem für die Finanzierung unserer Medienordnung“ darstelle und man die Gesetzeslage hierzu anpassen müsse.
Streit zwischen Presse und Suchmaschine Google
Corint Media forderte bereits 2022 für die Sender und Verlage, die das Unternehmen vertritt, 420 Millionen Euro von Google. Der US-Konzern bot dagegen 3,2 Millionen Euro an. 2023 einigten sich beide dann auf eine mehrjährige Interimsvereinbarung, nach der jährlich eine Summe von 3,2 Millionen Euro bezahlt werden soll.
Corint Media beharrte dagegen auf einer höheren Summe, Google verwies im Umkehrschluss darauf, dass es mit vielen Verlagen bereits individuelle Abkommen getroffen habe. Der Streit um eine angemessene Beteiligung von Medien an der Nutzung ihrer Inhalte könnte durch die neuen Ergebnisse an Fahrt gewinnen.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare