Altersvorsorge: Frauen droht doppelte Versorgungslücke
Ein Altersvorsorge-Report der Deutschen Bank und DWS zeigt, warum Frauen im Alter oft mit einer erheblichen Finanzlücke rechnen müssen. Gute Beratung ist daher besonders wichtig.
Für Frauen sind die Ergebnisse des Altersvorsorge-Reports der Deutschen Bank und DWS besonders alarmierend. Denn ihnen droht im Alter eine doppelte Vorsorgelücke. Denn einerseits erhalten Frauen in Deutschland deutlich weniger Rente als Männer. Und andererseits sorgen sie auch seltener und zurückhaltender privat für den Lebensabend vor.
Die Studienautoren führen vor allem strukturelle Gründe für diesen Befund an, die tief in der Gesellschaft verankert seien. So arbeiten Frauen (49 Prozent) deutlich häufiger in Teilzeit als Männer (12 Prozent). Außerdem gehen Frauen häufiger und länger in Elternzeit. Das führt zusammen mit dem Gender Pay Gap, also der Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern, die 2025 bei 16 Prozent lag, zu erheblich geringeren Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung.
Frauen fühlen sich bei der privaten Altersvorsorge oft überfordert
Die Konsequenz daraus ist klar: Frauen erhalten niedrigere Renten als Männer. Nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung erhielten sie Ende 2023 eine durchschnittliche gesetzliche Rente von 1394 Euro im Monat, während Männer 1809 Euro erhielten – eine Differenz von mehr als 400 Euro.

Frauen müssten also besonders fleißig privat für das Alter vorsorgen. Allein, sie tun es nicht. Zwar fürchten laut Umfrage 67 Prozent der befragten Frauen, im Alter auf Sozialleistungen angewiesen zu sein (bei den Männern sind es nur 55 Prozent). Aber dieses Wissen führt viel zu selten zu konkretem Handeln. Es sind vor allem drei Gründe, die Frauen von der privaten Vorsorge abhalten. Zum einen Angst und Überforderung. 59 Prozent der Frauen gaben an, beim Thema Altersvorsorge Angst zu empfinden (Männer: 48 Prozent). Für 71 Prozent sind die Produkte zu kompliziert, und 67 Prozent fühlen sich überfordert.
Frauen haben häufig Angst, ihr Geld falsch anzulegen
Zweitens: mangelndes Selbstbewusstsein. Nur 21 Prozent der Frauen fühlen sich bei Finanzprodukten gut informiert (Männer: 41 Prozent). Daraus resultiert die große Sorge, Fehler zu machen (71 Prozent; Männer: 60 Prozent). Und drittens: gefühlte Unerschwinglichkeit: 68 Prozent der Frauen glauben, sich eine private Altersvorsorge nicht leisten zu können (Männer: 59 Prozent).
Das Gesamtergebnis ist ernüchternd: Nur 49 Prozent der Frauen haben eine private Altersvorsorge abgeschlossen, bei den Männern sind es immerhin 57 Prozent. Und Frauen legen ihr Geld sicherheitsorientierter an als Männer, was die Situation zusätzlich verschärft. Nur 19 Prozent der Frauen investieren in renditestarke ETFs (Männer: 35 Prozent), nur 16 Prozent investieren in Aktien oder Aktiensparpläne (Männer: 34 Prozent).
Frauen wünschen sich mehr Unterstützung bei Finanzentscheidungen
Ein wichtiger Hebel, diese Zahlen zu verbessern, ist nach Aussage der Studienautoren Beratung. 78 Prozent der Frauen sehen eine gute Beratung als entscheidend für einen Abschluss an. 57 Prozent der Frauen wünschen sich mehr Unterstützung bei Finanzentscheidungen. Aber 62 Prozent der Frauen haben noch nie ein solches Gespräch geführt. Auf der anderen Seite haben 57 Prozent der Frauen, die eine Beratung in Anspruch genommen haben, danach ein Vorsorgeprodukt abgeschlossen.
„Unsere Aufgabe ist es, den Zugang so niedrigschwellig wie möglich zu gestalten“, sagt Johannes Rieth, Filialdirektor der Deutschen Bank in Heilbronn. „Wir können Frauen auf diese Weise ermutigen, ihre finanzielle Zukunft aktiv in die eigenen Händen zu nehmen“, sagt Rieth.
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