Zikade bedroht Ernte: Zuckerrübenbauern fordern Notfallzulassung für Insektizide
Die Hälfte der deutschen Anbaufläche von Südzucker-Landwirten ist bereits von einer Zikade befallen, die Krankheiten in der Zuckerrübe auslöst. Die Bauern fordern daher eine Notfallzulassung für Insektizide.
Etwa die Hälfte der deutschen Zuckerrüben-Anbaufläche bei Südzucker ist inzwischen von der Schilfglasflügel-Zikade befallen. 70.000 von insgesamt 75.000 betroffenen Hektar in Deutschland entfallen bereits auf Landwirte, die Europas größten Zuckerhersteller beliefern, berichtete Reiner Schechter, Leiter des Geschäftsbereichs Zucker des SDax-Konzerns.
Zuckerrübenanbauer in Ilsfeld-Auenstein: Notfallzulassung für Insektizide gefordert
Bei der Winterversammlung des Verbands baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer in Auenstein forderten daher alle Redner einhellig von der Bundesregierung eine Notfallzulassung für Insektizide gegen die Zikade. Diese müsse spätestens Mitte Mai vorliegen, da dann die Tiere auszufliegen beginnen.
„Es hängt am guten Willen der Politik“, sagte Johann Maier für das Kuratorium, in dem Landwirte zusammen mit den Zuckerherstellern und Pflanzenschutzproduzenten Gegenmaßnahmen erarbeitet haben. „Wir brauchen sechs Wochen ab Flugbeginn.“
Schilfglasflügel-Zikade schadet Zuckerrüben – weitere Feldfrüchte befallen
Das Kuratorium habe eine Notfallzulassung für verschiedene Produkte und für 150.000 Hektar in Deutschland beantragt, berichtete er. Die Zikade verursacht bei der Zuckerrübe ein Welken der Blätter und gummiartige Rüben mit niedrigem Zuckergehalt. Mittlerweile hat das Tier aber auch schon Kartoffeln, Rote Bete, Zwiebeln, Weißkohl, Paprika und einige weitere Feldfrüchte befallen.
Bauernpräsident Joachim Rukwied warnte daher vor massiven Einbußen selbst bei Grundnahrungsmitteln. „Es gibt Regionen, wo keine Spätkartoffel mehr angebaut werden kann“, sagte er. „Letztendlich ist es eine Riesengefahr für die Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln.“ Züchtungen resistenter Sorten könnten langfristig helfen, die Lage etwas entspannen. Aber „ohne chemischen Pflanzenschutz geht es nicht“.

Der Bauernpräsident forderte einen grundsätzlichen Politikwechsel. „Deutschland ist in der Krise. Das ist ein Stück weit ein Ergebnis der Ampel“, meinte er. Auch in Europa seien es „fünf verlorene Jahre“ gewesen. „Europa wird scheitern, wenn wir eine Politik der grünen Insel betreiben und man Wettbewerbsfähigkeit außer Acht lässt.“
Bauernpräsident Rukwied: Bauern protestieren falls nötig wieder
Die Politik müsse sich frei machen von Dogmen. „Klimakrise – ich kann das Wort nicht mehr hören“, sagte Rukwied. „Wer immer nur an Krise denkt, hat keine Kraft mehr. Wir müssen offensiv nach vorne gehen.“ Der aus seiner Sicht nötige Politikwechsel beinhalte auch die Themen Sicherheit und Migration: „Es hilft nichts, über fiktive Brandmauern zu reden. Ich erwarte künftig mehr Ehrlichkeit.“
Im vergangenen Jahr hätten die Landwirte in Deutschland und Brüssel bereits viel mit ihren Protesten erreicht. „Wenn’s sein muss, machen wir’s wieder.“
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