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Trotz Gewinneinbruchs: Würth-Gruppe mit Ergebnis zufrieden

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Wie erwartet ist das Betriebsergebnis der Würth-Gruppe 2024 deutlich niedriger ausgefallen als noch im Jahr zuvor. Die Verantwortlichen sind mit dem Ergebnis dennoch zufrieden. 


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Die Würth-Gruppe hat das von vielen Herausforderungen geprägte Geschäftsjahr 2024 mit einem Umsatz von 20,2 Milliarden Euro abgeschlossen: Damit blieben die Hohenloher auf dem Niveau des Vorjahres, als das weltweit führende Unternehmen für Montage- und Befestigungsmaterial mit 20,4 Milliarden Euro einen Rekord erzielt hatte, wie der Konzern am Mittwoch bei der Vorstellung seiner endgültigen Jahreszahlen mitteilte.

Würth-Gruppe trotz Gewinneinbruchs mit Ergebnis zufrieden

Es war erst das dritte Mal in der Geschichte, dass der Konzern einen Umsatzrückgang hinnehmen musste, betonte Ralf Schaich, in der Konzernführung für den Bereich Finanzen verantwortlich. Dennoch liege die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate seit Unternehmensgründung „nach wie vor bei rund 20 Prozent“. Der Gewinn brach aber wie angekündigt ein und lag deutlich unter dem Vorjahresniveau von 1,455 Milliarden Euro.

Allerdings sind die 940 Millionen Euro, die unterm Strich blieben, immer noch der vierthöchste Wert in der Konzerngeschichte. „Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage und die damit einhergehenden Rahmenbedingungen für das vergangene Geschäftsjahr, ist es erfreulich, dass wir dieses Ergebnis erzielen konnten“, sagte Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung. Zumal die Gründe für den Rückgang bekannt sind.

Würth-Gruppe hat 2024 über 1,2 Milliarden Euro investiert 

Neben Kostensteigerungen wirkte sich auch die schwache Konjunktur in der verarbeitenden Industrie auf den Geschäftsverlauf des Konzerns aus. Das Ergebnis wurde durch hohe Investitionen und die daraus resultierenden Abschreibungen zusätzlich belastet, hieß es am Mittwoch. Die Investitionen seien aber für das künftige Wachstum der Würth-Gruppe bedeutend. So hat der Konzern nach eigenen Angaben 1,2 Milliarden Euro überwiegend in die IT-Infrastruktur, Lagerkapazitäten sowie in Produktionsgebäude, technische Anlagen und Maschinen investiert.

In Deutschland erwirtschafteten die Hohenloher knapp acht Milliarden Euro, was einen Rückgang von 3,9 Prozent im Vergleich zu 2023 bedeutet. „Nach zehn Jahren Wachstumskurs musste der wichtigste Einzelmarkt der Würth-Gruppe 2024 erstmals wieder einen Umsatz unter dem Vorjahr ausweisen“, sagte Schaich. Mit einem Umsatzanteil von 39 Prozent ist und bleibt Deutschland der größte sowie wichtigste Einzelmarkt des Konzerns. Im Ausland verzeichneten die Gesellschaften im Vergleich zum Vorjahr ein leichtes Plus von 1,2 Prozent.

Würth-Bilanz für das Geschäftsjahr 2024: Zahl der Mitarbeiter in der Gruppe steigt auf knapp 88.400

Bei der Bilanzpressekonferenz hoben die Verantwortlichen am Mittwoch Südeuropa hervor, der zweitwichtigste Markt des Konzerns, wo das Unternehmen um 3,8 Prozent auf über 3,1 Milliarden Euro zulegte. Südeuropa trage inzwischen einen Anteil von 15,5 Prozent zum Gesamtumsatz des Konzerns bei. Im Kerngeschäft entwickelten sich die Handwerksdivisionen der Würth-Linie mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau zufriedenstellend, getragen durch das Wachstum der Divisionen Auto (+3,3 Prozent) und Holz (+2,0). Bei den Allied Companies trugen der Elektrogroßhandel mit +8,1 Prozent, begünstigt durch Zukäufe in Polen und Italien, sowie die Gesellschaften der Chemie-Branche (+11,7 Prozent) zum Umsatzwachstum bei.

Bei der Zahl der Mitarbeiter hat der Konzern zugelegt: Akquisitionsbedingt - also durch Zukäufe von Unternehmen, für die der Konzern 2024 rund eine halbe Milliarde Euro ausgab - habe die Würth-Gruppe 1346 Mitarbeiter hinzugewonnen und beschäftigte zum Jahresende 88.393 Menschen. Die meisten davon, rund 44.900 Mitarbeiter, seien im Vertrieb tätig. „Wir halten an unserem Personal fest, auch in den aktuell schwierigen Zeiten“, sagte Friedmann, der besonnenes Handeln in der gegenwärtigen Wirtschaftslage als oberste Pflicht versteht.

Würth-Gruppe wächst im Ausland: Frühindikator lässt auf positive Entwicklung in 2025 hoffen

Der schwachen Konjunkturprognosen zum Trotz blicken die Hohenloher optimistisch auf das bereits angelaufene Geschäftsjahr. „Wir sehen die gute Entwicklung der Gesellschaften im Bereich Chemie, die im ersten Quartal 2025 an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen konnten, als Lichtblick für 2025“, sagte Friedmann. Im ersten Quartal sei die Würth-Gruppe um vier Prozent gewachsen, das mache Hoffnung für den weiteren Verlauf.

Zudem verzeichne die eiSos-Gruppe, einer der größten europäischen Hersteller von passiven elektronischen und elektromechanischen Bauelementen, in Asien und Nordamerika steigende Auftragseingänge. „Sie zählt zu den Frühzyklikern der Würth-Gruppe und ist daher häufig ein Indikator für die weitere Entwicklung“, sagte Friedmann. In den ersten drei Monaten des Jahres sei der Auftragseingang überdurchschnittlich angestiegen. „Das stimmt uns zuversichtlich, dass der europäische Markt nachzieht.“

Angesichts der geopolitischen Herausforderungen, aber auch der anhaltend schwachen Konjunktur in Europa und speziell in Deutschland sowie mit Blick auf einen aufziehenden Handelskrieg machte Friedmann indes keinen Hehl daraus, dass Würth mitten „in der schwierigsten Phase in der Geschichte“ stecke und 2025 noch herausfordernder  werden dürfte als 2024. Mit Blick auf 80 Jahre Würth-Gruppe sagte er aber: „Würth kann Krise.“

Nach der nun abgeschlossenen Regierungsbildung erwartet Robert Friedmann, dass die neue Regierung nun „schnell in die Umsetzung“ komme. Vor allem die 500 Milliarden Euro aus dem bereits beschlossenen Konjunkturpaket müssten nun zügig in Wirtschaftskreislauf gebracht werden, sagte der Sprecher der Konzernführung. „Wir haben großes Vertrauen in die wirtschaftspolitische Kompetenz von Friedrich Merz und die Einsicht, dass alle diese Maßnahmen nur wirken können, wenn die Bürokratie spürbar abgebaut wird.“

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