Würth, EBM-Papst und Recaro: So bereiten sich Unternehmen auf US-Zölle vor
Wenn US-Präsident Donald Trump an seiner Ankündigung festhält, dann werden Einfuhren aus der EU ab 1. August mit weiteren Zöllen belegt. Wie Unternehmen aus dem Raum Heilbronn reagieren.
Noch gut zweieinhalb Wochen sind Zeit, bis die neuen US-Zölle auf Waren aus der EU erhoben werden sollen. Präsident Donald Trump hat 30 Prozent Zölle ab dem 1. August angekündigt und gleich die Drohung hinterhergeschoben: Sollte die EU mit Gegenzöllen reagieren, werde man die US-Zölle sofort dementsprechend erhöhen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Donald Trump es sich in letzter Minute noch anders überlegt und alles anders kommt, als es bisher geplant ist. Trotzdem bereiten sich Unternehmen auf die angekündigten Zölle vor – auch in der Region Heilbronn.
Hohenloher Ventilatorenhersteller EBM-Papst reagiert auf US-Zölle
Der Ventilatorenhersteller EBM-Papst aus Mulfingen erklärt auf Anfrage, man warte „die laufenden Verhandlungen ab, bevor wir weitere Schritte bewerten“, so ein Sprecher. Parallel dazu bereite man sich auf „verschiedene Szenarien vor, um flexibel und handlungsfähig zu bleiben“. Man halte es für geboten, nicht auf „jede politische Äußerung und jeden Social-Media-Post vorschnell zu reagieren.
EBM-Papst betreibt in den USA Standorte in Connecticut und Tennessee mit rund 500 Mitarbeitern. Seit 2017 setzt das Unternehmen verstärkt auf die „local-for-local Strategie“, also möglichst viel vor Ort zu produzieren, um Lieferketten zu stärken und „resilienter in Bezug auf Geopolitik“ zu werden. Aktuell liegt die Lokalisierungsquote in den USA bei rund 50 Prozent. „Inwieweit wir auch ein drittes Werk in den USA errichten oder unser zweites Werk in Tennessee erweitern, hängt maßgeblich von der Entwicklung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – insbesondere in den USA – ab“, erklärt ein Sprecher.
Recaro und Würth bereiten sich auf Zoll-Szenario vor
Auf die Strategie „in der Region für die Region“ setzt auch Recaro aus Schwäbisch Hall. Seit 25 Jahren betreibt das Unternehmen einen Standort in den USA. In Bezug auf die Zölle müsse man in der globalen Beschaffungsstrategie „möglicherweise Maßnahmen ergreifen“, so eine Sprecherin. „Die Tarifpause zwischen den USA und China hat nur geringe Auswirkungen auf Recaro, da die Metallzölle unverändert bleiben.“ Dem Unternehmen gelinge es, die Auswirkungen durch Rückerstattungsprogramme und Anpassungen in der Lieferkette zu mindern. Im April hat Recaro eine Arbeitsgruppe „Globale Zölle“ ins Leben gerufen, die das Thema beobachtet und bewertet.
Der Würth-Konzern beobachtet die Entwicklungen in den USA genau. Das Unternehmen beschäftigt dort rund 4.500 Mitarbeiter, der Umsatzanteil des US-Marktes liegt 11 Prozent. Man bereite sich „im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten aktiv auf verschiedene Szenarien vor“, erklärt ein Sprecher. Die direkten Auswirkungen für Würth seien derzeit zwar „begrenzt“, man rechne aber mit „spürbaren Belastungen für die Weltwirtschaft, sollten die angekündigten Zölle in Kraft treten“.
Regionale Unternehmen im Raum Heilbronn hoffen auf Zoll-Einigung
Gespräche zwischen der EU und den USA laufen aktuell auf Hochtouren, um die Zölle doch noch zu verhindern oder zumindest abzumildern. Zwar hat Donald Trump der EU eine Einigung in Aussicht gestellt, einfach dürften die Gespräche aber nicht werden. Doch bei den Unternehmen scheint die vage Hoffnung zu bestehen, dass der US-Präsident seine Botschaft eventuell doch nicht wahr machen könnte – was ein Segen für den globalen Handel wäre.
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