Was ist eigentlich künstliche Intelligenz?
Eine Veranstaltung auf dem b39 Campus in Obersulm erklärt den Wettbewerbsvorteil, den Unternehmen durch den Einsatz von KI erhalten können. Fachkräfte, welche mit künstlicher Intelligenz umgehen können, sind auf dem Arbeitsmarkt begehrt.

Wie macht man seinen Mitarbeitern KI zugänglich? Rund 70 Privatpersonen, Unternehmer und Firmenvertreter informierten sich am vergangenen Donnerstagvormittag bei Professor Nicolaj Stache, Forschungsprofessor für künstliche Intelligenz an der Hochschule Heilbronn, und Johanna Pabst, Projektleiterin bei der hfcon GmbH, über den zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz im weiteren Umfeld von Unternehmen.
Der Moderator Hannes Goth wies darauf hin, dass dieser Vortrag eine der ersten Präsenzveranstaltungen auf dem Gelände des Innovations- und Technologiezentrums "b39" sei, denn der Obersulmer Industriekamerahersteller IDS Imaging Development hat seinen Stammsitz erst im Jahr 2020 um das Forum mit dem Namen "b39 Campus" erweitert, in dem jetzt regelmäßig Schulungen und Veranstaltungen stattfinden.
Maschinelles Lernen
"Wenn es um künstliche Intelligenz geht, dann gibt es oft Verwirrung um den Begriff selbst", sagt Nicolaj Stache. "Künstliche Intelligenz ist eigentlich ein Obergriff für die allgemeine Imitation menschlicher Intelligenz durch Computer. Maschinelles Lernen hingegen ist eine Realisierungsmöglichkeit für künstliche Intelligenz, indem Wissen aus Erfahrung künstlich generiert wird", erklärt Stache weiter. Beim maschinellen Lernen präsentiere man einem Computer Daten und der Rechner sei dann in der Lage, nach Beendigung dieser Lernphase zu verallgemeinern und selbstständig Schlussfolgerungen zu ziehen.
Während beim maschinellen Lernen ein Programmierer eingreifen muss, um Anpassungen vorzunehmen, entscheiden beim sogenannten "Deep Learning" die Algorithmen selbst. Im Detail verwendet "Deep Learning" ein künstlich erzeugtes neuronales Netzwerk, um Muster zu erkennen. Diese Schlussfolgerungen oder erkannten Gesetzmäßigkeiten können dann Unternehmen dabei helfen, Produkte zu optimieren, aber auch neue Geschäftsfelder zu erschließen. Zum Beispiel soll es künftig möglich sein, dass Versicherungen unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz deutlich schneller Auffälligkeiten feststellen und Versicherungsbetrug aufdecken können, oder in der Medizin sollen Wearables wie Smartwatches noch genauere automatisierte Diagnosen liefern.
Vorteile im Wettbewerb
Deutliche Wettbewerbsvorteile für die Industrie durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz sehen Nicolaj Stache und Johanna Pabst unter anderem bei der Optimierung von Produktionsprozessen und der Automatisierung. So könne eine bessere Auslastung von Industriemaschinen erreicht oder durch das Auswerten von Nutzungsverhalten erkannt werden, wann eine Reparatur anstehe. Große Fortschritte hat künstliche Intelligenz auch bei der Erkennung und Auswertung von Bilddaten gemacht. Während im Jahr 2010 noch rund 28 Prozent der Bildauswertungen mit Hilfe künstlicher Intelligenz fehlerhaft waren, sind es heute nur noch rund zwei Prozent, wie von Stache und Pabst aufgezeigt wurde. "Heute stehen uns in allen Bereichen deutlich mehr Daten zur Verfügung, die auch angewandt werden können. Das ist einer der Gründe, warum der Hype um die KI momentan immer größer wird", sagt Johanna Pabst.
Fachkräftemangel
Die in einer anschließenden Diskussionsrunde zur Sprache gebrachten Themen machten wiederholt deutlich, dass es für Unternehmen derzeit schwierig ist, geeignete Fachkräfte zu finden, die mit der Einrichtung und dem Umgang von Systemen mit künstlicher Intelligenz vertraut sind. Hier bietet die Hochschule Heilbronn mit ihrem interdisziplinären Zentrum für maschinelles Lernen eine Anlaufstelle für ortsansässige interessierte Unternehmen. Die Firmen werden bei Bedarf über erste Beratungen zur Verwendung von künstlichen Intelligenzen bis hin zur finalen Implementierung entsprechender Systeme begleitet.
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