Unterländer IG-Metall-Chef Michael Unser hört auf
Paukenschlag in der regionalen Wirtschaft. Der Unterländer IG-Metall-Chef Michael Unser hört auf. Was zu seinem Entschluss geführt hat.

Bei der Delegiertenversammlung am 5. Juni muss sich die Geschäftsstelle Heilbronn-Neckarsulm einen neuen ersten Bevollmächtigten suchen. Der Unterländer IG-Metall-Chef Michael Unser informierte die Mitarbeiter, Mitglieder und Funktionäre am Mittwochnachmittag über seinen Entschluss, nicht mehr zur Wiederwahl anzutreten.
"Diese Entscheidung fällt mir nicht leicht", betont Unser im exklusiven Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Doch aus gesundheitlichen Gründen habe er beschlossen, den stressigen Job des regionalen IG-Metall-Chefs aufzugeben. "Ich habe unglaublich viel Herzblut reingesteckt", sagt der 57-Jährige. Er habe lange mit sich gehadert, "aber letztlich geht die Gesundheit vor". Bereits vor eineinhalb Jahren hatte er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Auch das Coronavirus machte dem Heidelberger zu schaffen. Sein Arzt habe ihm daher dringend geraten, kürzer zu treten.
Regionaler IG-Metall-Chef Unser: Halbe Sachen mache ich nicht
Doch halbe Sachen kommen für den Vollblutgewerkschafter nicht in Frage. "Ich bin ein Hansdampf in allen Gassen, deswegen war für mich klar: Entweder ganz oder gar nicht." Letztlich habe die Vernunft über die Leidenschaft gesiegt. "Ich kann das, was ich selbst von mir in diesem Job verlange, nicht mehr garantieren", räumt Unser ein. Und ein Arbeitstag von 8 bis 17 Uhr komme für ihn nicht in Frage. Als Gewerkschaftschef müsse man viele Abendtermine wahrnehmen und sofort da sein, wenn es in einem Betrieb knirscht. 60, 70 Arbeitsstunden pro Woche seien da keine Seltenheit, freie Wochenenden umso mehr.
"Ich strebe einen geordneten Übergang an", betont Unser. Bis zur Delegiertenversammlung am 5. Juni, bei der sein Nachfolger gewählt werden soll, will er seinen Job mit dem bisherigen Engagement machen und möglichst viele offene Baustelle schließen. Wie es dann konkret weitergeht, lässt der Gewerkschafter offen. "Wenn es gewünscht wird, werde ich den Übergang eine gewisse Zeit lang begleiten", sagt er.
Gewerkschafter Unser: Mehr Zeit für Familie, Gitarre und Oldtimer
Künftig wird der "unverbesserliche Optimist", wie er sich selbst nennt, mehr Zeit für die Familie und seine Hobbys haben. Unser, der mit seiner Familie in Schönbrunn-Moosbrunn im Rhein-Neckar-Kreis lebt, hat zwei Söhne und ist seit kurzem Opa. Auch seiner Gitarre und seinem Oldtimer wird sich der leidenschaftliche Verbrenner-Fan intensiver als bisher widmen. Und Sport soll wieder eine größere Rolle spielen im Leben des früheren Marathonläufers und Triathleten. "Langweilig wird mir ganz sicher nicht", sagt Unser, der sich auch ehrenamtlich engagieren möchte.
Seinen Kollegen der Geschäftsstelle in Neckarsulm und seinem Nachfolger hinterlässt Michael Unser ein gut bestelltes Feld. Ende 2023 hatte die IG Metall Heilbronn-Neckarsulm 30.644 Mitglieder, das sind 1,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Ein Trend, den auch andere Gewerkschaften im vergangenen Jahr verzeichnet haben. Die Zahl der betriebsangehörigen IG-Metall-Mitglieder ist 2023 sogar um 1,4 Prozent oder 2003 Männer und Frauen gestiegen. Damit zeigen sich Michael Unser und sein Stellvertreter Oliver Kuhnle zufrieden.
IG-Metall: Unser ist ein erfahrener Tarifkämpfer
Michael Unser kam im Oktober 2007 aus Heidelberg, wo er stellvertretender Werkleiter bei der Firma TI Automotive war, als Gewerkschaftssekretär zur Unterländer IG Metall. Von 2012 bis 2015 war er zweiter Bevollmächtigter nach Rudolf Luz, seit 1. März 2015 führt er als erster Bevollmächtigter die Geschäftsstelle Heilbronn-Neckarsulm. Unser hat unzählige Tarifrunden für die IG Metall bestritten, häufig auch als Mitglied der Tarifkommission. Zudem hat er sich nicht nur in den Betrieben, sondern auch in Aufsichtsräten für die Interessen der Beschäftigten eingesetzt. Aktuell ist Unser Aufsichtsratsmitglied bei Thyssenkrupp Automotive Body Solutions.
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