Recaro nimmt neue Produktionslinie in Schwäbisch Hall in Betrieb
Flugzeugsitzehersteller Recaro investiert am Stammsitz vier Millionen Euro in eine moderne Endmontage. Dabei wurde besonders auf angenehme Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter und effiziente Abläufe geachtet.

Während viele Unternehmen angesichts anhaltender Krisen Investitionen zurückstellen, hat Recaro Aircraft Seating an seinen Plänen festgehalten. Am Donnerstagnachmittag weihte der Flugzeugsitzehersteller am Stammsitz Schwäbisch Hall mit rund 100 Gästen seine neuorganisierte Endmontage ein.
Für Geschäftsführer und Gesellschafter Mark Hiller ist das ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland. "Wir wollten die Produktion unbedingt hier am Standort halten", sagte Hiller.
Trotz tiefer Krise hielt Recaro an den Plänen fest
Er erinnerte daran, dass die Entscheidung für das Projekt in der größten Krise der Luftfahrt getroffen wurde. Trotz eines massiven Umsatzeinbruchs und Verlusten in der Corona-Krise hielt das Familienunternehmen an seinen Umbau- und Optimierungsplänen fest. Dass das Projekt erfolgreich umgesetzt wurde, sei auch das Verdienst der 1100 Mitarbeiter in Schwäbisch Hall. "Alle waren bereit, die Extrameile zu gehen", sagte Hiller. Die Investitionskosten bezifferte er mit mehr als vier Millionen Euro.
Komplexe Montage in Handarbeit
Knapp 11.000 Quadratmeter Produktionsfläche wurden in den zurückliegenden 15 Monaten modernisiert, wie Werkleiterin Mirjam Bruhns berichtete. "Den ersten Planungs-Workshop hatten wir aber schon 2017", sagte sie. Auf mehr als 350 Metern Fördertechnik montieren die Recaro-Mitarbeiter von nun an Sitze für die Business Class und die Premium Economy Class, die zwischen Business und Economy Class angesiedelt ist. Die deutlich weniger komplexen Economy-Sitze fertigt Recaro an seinen ausländischen Standorten.
Die Montage der Sitze erfolgt in Handarbeit, vor allem für die Business Class ist viel Know-how nötig. Unzählige Kabelbäume werden in ihnen verbaut, dazu kommen Motoren für die Verstellung der Lehnen sowie Unterhaltungselektronik. Einige Montagebereiche sind auf Wunsch der Kunden mit Sichtfenstern vom Rest der Halle abgetrennt, damit die Besonderheiten des Sitzes nicht vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangen.
Technik in der Luft, mehr Platz am Boden
Beim Rundgang wird deutlich, dass die Infrastruktur in der Montagehalle komplett neugestaltet wurde. Technik wie etwa Druckluft und Medien wurden drei Meter nach oben auf Technikstege verlegt, um mehr Platz und Flexibilität am Boden zu schaffen. "Wir haben 65 Kilometer Kabel verlegt", berichtet Timo Koeberer vom Recaro Facility Management.
Die komplette Beleuchtung wurde auf LED mit tageslichtabhängiger Steuerung umgestellt. "Dadurch sparen wir 60 bis 65 Prozent Energie und 80.000 Euro pro Jahr ein", sagt Koeberer. Die Arbeitshöhe in der Montage lässt sich flexibel einstellen, je nachdem, ob der Mitarbeiter gerade am Sitzboden oder an der Kopfstütze arbeitet. Die Taktzeiten liegen je nach Sitzart zwischen 30 und 90 Minuten.
15.000 Sitzreihen werden pro Jahr produziert
An jeweils drei Bändern werden Business-Class-Sitze und Premium-Economy-Sitzreihen montiert. Insgesamt können in Schwäbisch Hall pro Jahr rund 15.000 Zweier-, Dreier- oder Viererreihen sowie einzelne Business-Class-Sitze für die Kunden montiert werden.
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