Preis für optimierte Produktionssteuerung bei Audi
Eine Steuerungssoftware ermittelt per Knopfdruck aus 1,93 Billionen Möglichkeiten die optimale Produktionsreihenfolge. Die Fachwelt ist begeistert von der verbesserten Perlenkette.

Aus 56.000 Teilen von 1200 Lieferanten aus aller Welt entstehen im Neckarsulmer Audi-Werk pro Jahr rund 270.000 Fahrzeuge, von dem keines einem anderen exakt gleicht. Als Logistiker, der die daraus resultierenden komplexen Abläufe steuern muss, kann man deswegen entweder Albträume bekommen oder man kann sich etwas einfallen lassen. Die Neckarsulmer haben den zweiten Weg gewählt und eine Steuerungssoftware geschrieben, die per Knopfdruck aus 1,93 Billionen Möglichkeiten die optimale Produktionsreihenfolge ermittelt.
Wiebke Kelterborn, die diesen Algorithmus entwickelt hat (wir berichteten), wurde dafür von der "Automobilwoche" diesen Sommer in die Reihe der 50 wichtigsten Frauen in der Autobranche aufgenommen. Ihre Software nutzt die Informationen über bestellte Autos und berücksichtigt dabei den daraus resultierenden Aufwand für die Mitarbeiter an allen Arbeitsplätzen, um sie optimal auszulasten.
Kelterborns Chef Dieter Braun, der als Logistikleiter die Geschicke des Standorts Neckarsulm maßgeblich mitbestimmt und vorangetrieben hat, darf sich jetzt mit Werkleiter Helmut Stettner über den Automotive Lean Production Award in der Kategorie Hersteller freuen, mit dem die Fachzeitschrift "Automobil Produktion" jährlich besonders effiziente Fertigungen auszeichnet.
Digitalisierung
"Wir freuen uns über die Auszeichnung, die unsere stabilen und schlanken Prozesse bestätigt", sagt Stettner. Für Braun ist die auslastungsoptimierte Perlenkette sogar eine Neudefinition der schlanken Produktion. "Indem wir die Lean-Prinzipien des Audi-Produktionssystems und die Chancen der Digitalisierung kombinieren, gelingt uns der nächste Produktivitätssprung", sagt er. "Big Data und die Vernetzung von Daten sind dabei Schlüsselfaktoren."
Die Jury ist voll des Lobes für dieses Thema: "Von den vielen Lösungen für mehr Effizienz im Audi-Werk Neckarsulm ist die Methodik der Perlenkette das Highlight", sagt etwa Werner Geiger von der Beratungsfirma Agamus und verweist auf die messbaren Verbesserungen nicht nur in der Produktivität, sondern auch in der Qualität und der Mitarbeiterzufriedenheit.
Dieter Braun ist aber nicht nur bei der Jury als konzeptionsstarker Manager aufgefallen, sondern auch im Konzern, deswegen mischt sich in Neckarsulm die Freude über die Auszeichnung mit Trauer, denn zur Verleihung des Preises Ende November wird Braun nicht mehr am Standort sein. Er wechselt nach Ingolstadt in die Baureihenorganisation, nach der sich Audi zurzeit neu organisiert. Betriebsratschef Rolf Klotz bedauert den Wechsel ebenfalls: "Dieter Braun hat neben seinen großen Leistungen in der Logistik auch immer Verantwortung für unser Werk übernommen."
Aderlass
Braun ist neben dem früheren Werkleiter Fred Schulze, der heute als Baureihenleiter die großen Q-Modelle über den gesamten Lebenszyklus hinweg verantwortet, und Steffen Potrafke, dem langjährigen Chef der A6/A7-Produktion, bereits der dritte Neckarsulmer, der in führender Position in die Baureihenstruktur wechselt.
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