Porsche gewährt tiefen Einblick in seine Zukunft
Der Sportwagenbauer erwartet deutlich mehr Gewinn und plant mehr Elektroautos. Wann erfolgt der Börsengang?

Porsche will hoch hinaus. Das sieht man schon von weitem, wenn man an den Stammsitz des Autobauers in Stuttgart-Zuffenhausen fährt. Unweigerlich stellt sich der Betrachter der Skulptur die Frage: Wie sind die Fahrzeuge nur nach oben gekommen? Drei Sportwagen sind auf in den Himmel ragenden Stelen angebracht, ganz so, als wollten sie durchstarten in luftige Höhe.
Durchgestartet ist der Sportwagenhersteller enorm in den vergangenen zehn Jahren. 2011 haben die Schwaben 118.000 Autos verkauft, 2021 waren es mehr als doppelt so viele, rund 302.000 Fahrzeuge. Und es sollen noch mehr werden, wie Porsche-Chef Oliver Blume im digitalen Pressegespräch betont.
2022: Sieben Milliarden Euro Gewinn erwartet
Um die Faszination der VW-Tochter zu erklären, bemüht Blume ein berühmtes Zitat des Firmengründers Ferdinand Porsche: "Wir bauen Autos, die keiner braucht, aber die jeder haben will." Porsche ist Mythos. Und im VW-Konzern neben Audi jene Marke, die das meiste Geld in die Kasse spült.
Im vergangenen Jahr lag die Umsatzrendite bei 16 Prozent, damit sind die Stuttgarter einer der profitabelsten Hersteller weltweit. "Für das laufende Jahr peilen wir eine Umsatzrendite von 17 bis 18 Prozent an", sagt Finanzvorstand Lutz Meschke. Das entspräche bei einem angestrebten Wachstum von 33 auf 38 bis 39 Milliarden Euro Umsatz einem operativen Ergebnis für 2022 von rund sieben Milliarden Euro. 2021 waren es vier Milliarden Euro.
Börsengang um Elektrifizierung zu finanzieren
Der tiefe Einblick in die Finanzzahlen kommt sicher nicht von ungefähr. Auch wenn Blume und Meschke am Montag gebetsmühlenartig betonen, dass die Entscheidung in der Konzernzentrale in Wolfsburg getroffen wird und nichts feststehen würde: Aus Unternehmenskreisen sickert mehr und mehr durch, dass der Börsengang noch in diesem Jahr erfolgen soll. Geplant ist unseren Informationen zufolge bislang eine Notierung im vierten Quartal. Mit dem Erlös will Porsche unter anderem seine Elektrifizierungs-Strategie finanzieren.
Umsatzrendite von 20 Prozent angepeilt
Wie lukrativ das Investment in den Autobauer sein könnte, lässt sich am Ausblick für die nächsten Jahre ablesen. So soll der Umsatz um jährlich durchschnittlich sieben bis acht Prozent wachsen. Die Marge soll 17 bis 19 Prozent erreichen. "Langfristig streben wir eine operative Rendite vor Zinsen und Steuern in Höhe von 20 Prozent des Umsatzes an", sagt Meschke.
Synergien des VW-Konzerns nutzen

Die positiven Aussichten beruhen auf mehreren Annahmen. Zum einen geht man bei Porsche davon aus, den Absatz weiter steigern zu können, wenngleich "Stückzahlen nicht unsere treibende Größe sind", so Blume. Bis in zwei Jahren erwartet der Vorstandsvorsitzende, dass die Margen von E-Autos auf denen von Verbrennermodellen liegen werden. Langfristig sollen die lokal emissionsfreien sogar mehr erwirtschaften als Autos mit Benzinmotoren.
Dafür will man die Synergien im Konzern noch viel stärker als bislang nutzen. So basiert der vollelektrische Geländewagen Macan auf der neuen Plattform PPE (Premium Platform Electric), die Porsche zusammen mit Audi entwickelt. Auf den Markt soll der Elektro-Macan 2024 kommen, Audis Pendant hört auf den Namen Q6 E-Tron.
Luxuriöser Elektro-Geländewagen geplant
Etwa ein bis zwei Jahre später soll es auch einen größeren Elektro-Geländewagen von Porsche geben. "Damit werden wir unsere Position im automobilen Luxussegment weiter ausbauen. Wir zielen vor allem auf die margenstärkeren Segmente ab und wollen so neue Absatzchancen erschließen", sagt Vorstandschef Blume. "Mitte des Jahrzehnts wollen wir auch unseren Mittelmotor-Sportwagen 718 ausschließlich vollelektrisch anbieten." Bis 2030 erwartet man bei Porsche, dass mindestens 80 Prozent des jährlichen Absatzes auf vollelektrische Fahrzeuge entfällt.
Motorsport
Beim Thema Formel 1 hält sich Oliver Blume nach wie vor bedeckt. "Wir schauen uns das mit Interesse an", sagt der Porsche-Chef. Dem Vernehmen nach ist ein Einstieg in die Königsklasse des Motorsports ab 2026 bereits beschlossene Sache. Dafür will sich Porsche mit dem Weltmeister-Team von Red Bull zusammentun.
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