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Nach dem Tiefpunkt geht es wieder bergauf mit der Konjunktur

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LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer sieht Deutschland für eine Rezession gut gerüstet. Die Inflation soll ihren Höchstwert im Februar erreichen und sich danach abschwächen.

Eine Rezession steht Deutschland gleichwohl bevor. Um 1,5 Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt 2023 schrumpfen, prognostiziert LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer.
Eine Rezession steht Deutschland gleichwohl bevor. Um 1,5 Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt 2023 schrumpfen, prognostiziert LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer.  Foto: Sven Hoppe/dpa

Wenn 2022 das Jahr der Zeitenwende war, dann wird 2023 das Jahr der Wendezeit. Das glaubt zumindest Moritz Kraemer, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Bei seinem Kapitalmarktausblick für das kommende Jahr hat Kraemer am Mittwoch überraschende Botschaften im Gepäck. Die vielleicht wichtigste lautet: „Ich bin optimistisch, dass wir die Herausforderungen in Deutschland stemmen können“, sagte Kraemer. Der starke deutsche Mittelstand, die große Agilität in den Unternehmen, die gut funktionierende Tarifpartnerschaft und das moderate Verschuldungsniveau nennt der Ökonom als zentrale Stärken, die uns in den nächsten schwierigen Monaten helfen werden.


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USA schrammt an Rezession vorbei

Eine Rezession steht Deutschland gleichwohl bevor. Um 1,5 Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt 2023 den LBBW-Experten zufolge schrumpfen. Die USA dagegen werden an der Rezession vorbeischrammen, prophezeit Kraemer. Für die Weltwirtschaft rechnet das Institut sogar mit einem deutlichen Plus von 2,1 Prozent.

Moritz Kraemer, Chefvolkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).
Moritz Kraemer, Chefvolkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).  Foto: Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild

Teuerung Entspannung sieht die LBBW an der Inflationsfront. Zwar werde die Teuerungsrate im Februar 2023 mit voraussichtlich 12 Prozent den höchsten Wert in der Geschichte der Bundesrepublik erreichen. Doch danach erwarten die Analysten einen Rückgang der Inflationsrate, die sie im Jahresdurchschnitt bei 8,7 Prozent sehen. Als Gründe für die sinkende Inflation nennt Kraemer die zu erwartende Entspannung bei den Energiepreisen und den Lieferketten sowie die Rezession. „Die Nachfrage geht zurück“, sagt der Chefvolkswirt.

Wenn weniger gekauft werde, sinkt in der Folge die Teuerung. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) werde mit weiteren Zinserhöhungen dafür sorgen, dass sie mittelfristig wieder ihr Inflationsziel von zwei Prozent erreiche, sagt Kraemer voraus. Er rechnet mit zwei weiteren Zinsschritten im Januar und im März auf 3,5 Prozent. „Dann ist Schluss.“

Die Globalisierung lässt sich nicht zurückdrehen

Gar nichts hält der Volkswirt von Stimmen, die die Globalisierung zurückdrehen wollen. Deutschland sei als Exportnation sehr stark vom internationalen Handel abhängig, insbesondere von den USA und China. Es sei richtig, die Abhängigkeit von China zu reduzieren. Aber die Forderung, den Handel zu stoppen und Produktion zurück nach Deutschland zu holen, sei naiv. „Wir haben nicht die Arbeitskräfte dazu“, sagt Kraemer. „Wir sind dazu verdammt, weiter auf der Globalisierungswelle zu reiten.“


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Die Börsen werden sich erholen

An den Börsen rechnet die LBBW damit, dass der Tiefpunkt im Frühjahr 2023 erreicht sein wird. „Danach dürfte es eine Erhöhung der Aktienkurse bis zum Jahresende geben“, sagt Kraemer voraus. Den Deutschen Aktienindex Dax sieht er zum Jahresende bei 15.500 Punkten. Auch Anleihen seien aufgrund der steigenden Zinsen wieder attraktiv. Die Immobilienpreise werden den Experten zufolge sinken, aber nicht einbrechen. Dazu sei die Nachfrage nach wie vor sehr hoch. Kraemer erwartet deshalb eine „moderate Korrektur“.
 

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