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Heilbronn

Möbelhäuser: "Der Markt ist noch nicht völlig besetzt"

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XXXLutz, die zweitgrößte Möbelhauskette Deutschlands, investiert derzeit einen zweistelligen Millionenbetrag in Heilbronn. XXXLutz-Deutschland-Chef Alois Kobler sieht noch Platz für weitere Expansion.

Von Heiko Fritze
 Foto: Berger

Knapp 1000 Auszubildende hat Deutschlands zweitgrößter Möbelhändler XXXLutz in diesem Jahr eingestellt. Zu einem Start-Event trafen sie sich bei Mudau im Odenwald. Wir sprachen dort mit Alois Kobler, Leiter des Deutschland-Geschäfts des österreichischen Unternehmens.

 

Herr Kobler, wie hat sich das Geschäft bei XXXLutz 2017/18 in Deutschland entwickelt?

Alois Kobler: Die Branche lag 2017 bei circa 0,5 Prozent im Plus und wir haben deutlich besser als der Branchenschnitt − flächenbereinigt − abgeschnitten. In der Gruppe erzielten wir 4,2 Milliarden Euro.

 

Wie läuft Ihre Expansionsstrategie?

Kobler: Die Strategie läuft sehr nach Plan. Wir werden weiter Möbelhäuser bauen und eröffnen. Wir haben dieses Jahr noch fünf Eröffnungen vor uns. Ganz neu ist Wolfratshausen bei München. Außerdem investieren wir in den Totalumbau unserer Häuser in Passau, Heilbronn, Wolfsburg und Hennef.

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Kaufen Sie wirklich jedes Möbelhaus, das auf den Markt kommt?

Kobler: Nein, jedes würden wir nicht kaufen. Aber alle, die zu uns passen: von der Struktur, von der Region. Es muss eine Ergänzung sein zu unserem bestehenden Netz. Wir sind in Süddeutschland schon länger stärker unterwegs. Die jüngsten Übernahmen sind aber hauptsächlich im Norden und im Großraum Ruhrgebiet passiert. Da wollen wir auch weiterhin wachsen. Wenn uns dort ein interessantes Unternehmen angeboten wird, werden wir es übernehmen und weiterführen unter der Klammer XXXLutz.

 

Wie wichtig ist das Online-Segment?

Kobler: Unser Online-Umsatzanteil liegt im hohen einstelligen Prozentbereich. Online funktioniert im Möbelhandel im Einstiegssegment gut, aber sobald man sich über eine gewisse Qualitätsstufe informieren will, kommt man ins Möbelhaus. Unsere Stärke ist, dass wir ein flächendeckendes Netz haben. Der Kunde schließt den Kaufvertrag im Möbelhaus ab, wenn er die Ware dort getestet hat. Wir bauen auch gerade bei Erfurt ein Online-Logistikzentrum mit über 200.000 Quadratmetern Fläche.

 

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Kobler: Konkurrenz durch Online-Anbieter spüren wir nicht wirklich. Der Onlinehandel ist wichtig, der macht auch nicht wenig Umsatz, aber er wird für unsere Branche eher die Werbeplattform der Zukunft. Wenn man einen Onlineshop installiert und parallel flächendeckend vor Ort ist, ist es für den Kunden das Beste. Immer häufiger ist es so, dass sich der Kunde online informiert und dann trotzdem stationär kauft. Da sind wir führend und wollen führend bleiben.

 

Ist das Flächenwachstum an der Grenze angekommen?

Kobler: Es wird sicher eine gewisse Verdrängung geben, aber grundsätzlich gibt es immer wieder Möglichkeiten und Standorte, wo es Sinn macht, auf die grüne Wiese zu bauen. Wir prüfen immer und schauen uns Regionen an. Der deutsche Markt ist noch nicht völlig besetzt. Aus unserer Sicht gibt es sehr wohl mittlere und große Städte, wo es sicher einen XXXLutz verträgt.

 

Zum Standort Heilbronn: Sie erweitern, ein Wettbewerber baut schräg gegenüber. Beißt sich das nicht?

Kobler: Heilbronn ist für uns eines der sehr guten Häuser. Unsere Investitionen bei Bierstorfer rechnen sich, weil sich der Standort rechnet. Dass ein Wettbewerber eröffnet, ist gut so, weil er zusätzliche Frequenz bringt. Wir haben kein Problem damit. Es haben beide Platz aufgrund des interessanten Standorts. Weil die Häuser gegenüber stehen, können sie beide davon profitieren.

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Wie ist bislang das aktuelle Geschäftsjahr gelaufen?

Kobler: Sensationeller Start, Sommerloch und jetzt wieder gut unterwegs. Wir sind mit einem blauen Auge weggekommen: Wir liegen dank des starken Frühlings nicht unter Plan. Wir haben nur ein ganz leichtes Plus. Doch wir sind da die große Ausnahme in der Branche.

 

Wie viel investieren Sie dieses Jahr?

Kobler: Bei den großen Umbauten nehmen wir immer einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag in die Hand. Zusammen kommen wir auf weit mehr als einen zweistelligen Millionenbetrag. Wir zählen die Summen nicht zusammen, aber alleine für Erfurt sind wir inzwischen weit über 100 Millionen Euro.

 

Zur Person

 Foto: Fritze, Heiko

Alois Kobler (55) absolvierte eine Tischlerlehre. 1990 startete er bei XXXLutz als Küchenverkäufer in Mattighofen in Öberösterreich. Seine Führungslaufbahn brachte ihn bis zum Hausleiter in Eugendorf bei Salzburg und Braunschweig. 2005 wurde Kobler (Foto: Heiko Fritze) Gebietsverkaufsleiter bei der in jenem Jahr übernommenen Handelskette Mann Mobilia. Seit 2009 ist er verantwortlicher Geschäftsführer XXXLutz Deutschland. Sein Dienstsitz ist Würzburg.

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