Gerüstet für die neue Möbelhaus-Konkurrenz

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XXXLutz Bierstorfer investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in die Erweiterung seines Hauses an der Heilbronner Möbelmeile.

Von Bärbel Kistner
Im rückwärtigen Bereich an der Albert-Schäffler-Straße entsteht ein Anbau auf fünf Ebenen mit 9000 Quadratmetern zusätzlicher Verkaufsfläche. Fotos: Mario Berger
Im rückwärtigen Bereich an der Albert-Schäffler-Straße entsteht ein Anbau auf fünf Ebenen mit 9000 Quadratmetern zusätzlicher Verkaufsfläche. Fotos: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Großbaustelle an der Heilbronner Möbelmeile: Platzhirsch XXXLutz Bierstorfer erweitert derzeit seine Verkaufsfläche um 9000 auf 42.000 Quadratmeter und bleibt in Heilbronn damit die Nummer eins. Der in Sichtweite an der Neckartalstraße entstehende Neubau von Möbel Rieger hat eine Verkaufsfläche von 36.500 Quadratmetern bei einer Investitionssumme von 65 Millionen Euro.

Dass sich das Möbelangebot in Heilbronn mit Rieger erheblich erweitert, sieht man bei Bierstorfer indes gelassen. Die unmittelbare Nachbarschaft dreier großer Möbelhäuser kennt der Heilbronner Hausleiter Levente Fazakas aus Freiburg, alle seien mit der gemeinsamen Lage zufrieden. "Die Heilbronner Möbelmeile wird an Attraktivität gewinnen", ist sich auch XXXLutz-Sprecher Volker Michels sicher. Die räumliche Nähe biete dem Kunden künftig noch mehr Auswahl − das Gros der Möbelkäufer besuche vor der Kaufentscheidung nicht nur ein Geschäft.

Komplexer Umbau

Einen zweistelligen Millionenbetrag investiert XXXLutz in den Heilbronner Standort − seit 2005 gehört Bierstorfer zu der österreichischen Unternehmensgruppe mit inzwischen 45 Häusern alleine in Deutschland. Jüngst hat XXXLutz auch die Anteile am Möbeldiscounter Poco übernommen. Die Heilbronner Filiale liegt ebenfalls an der Möbelmeile. "Poco bleibt eigenständig mit seiner bisherigen Linie", betont Michels.

Die sieben Bierstorfer-Etagen verwandeln sich durch den komplexen Umbau in ein neues Möbelhaus. Durch den Anbau auf der Rückseite an der Albert-Schäffler-Straße ist künftig ein Rundlauf durchs Gebäude möglich. Das biete eine einfachere Wegeführung für den Kunden. Ein Lichthof mit Glaskuppel bringt Sonnenschein ins Innere.

Restaurant im obersten Stockwerk

Die Sortimente will man durch die zusätzliche Verkaufsfläche erweitern. Beleuchtung, Klimaanlagen, Fußböden: Haustechnik wie Ausstattung werden im Zuge der Sanierung erneuert. Der letzte große Umbau, damals noch unter der Regie der Familie Bierstorfer, liegt 15 Jahre zurück. Damals wurde für zwölf Millionen Euro unter anderem die Glaskuppel angebaut.

Unter dem bisherigen Parkdeck von XXXLutz Bierstorfer entlang der Saarlandstraße entsteht eine Tiefgarage. Die Zahl der Stellplätze verdoppelt sich auf 630.
Unter dem bisherigen Parkdeck von XXXLutz Bierstorfer entlang der Saarlandstraße entsteht eine Tiefgarage. Die Zahl der Stellplätze verdoppelt sich auf 630.  Foto: Berger, Mario

Nicht nur die Etagen für die Möbelpräsentation werden jetzt auf den neuesten Stand gebracht. Auch in der Gastronomie im obersten Stockwerk bleibt nichts wie es war. Die größte Änderung: Aus dem Selbstbedienungslokal wird ein Restaurant mit Bedienung an den Tischen.

Gastronomie sei aus einem Möbelhaus inzwischen nicht mehr wegzudenken, heißt es bei den Verantwortlichen: Für die Kunden ist Einkehren Bestandteil des Einkaufs, fürs Unternehmen ist ein Restaurant ein wichtiger Frequenzbringer. 200 Sitzplätze hat das neue Bierstorfer-Lokal mit Dachterrasse.

35 Mitarbeiter arbeiten in der Gastronomie, 300 sind es im Möbelhaus insgesamt. Bislang habe sich niemand vom Konkurrenten nebenan abwerben lassen. "Wir haben viele langjährige, treue Mitarbeiter", sagt Hausleiter Fazakas. Weiterbildungsangebote, Geburtstagsurlaub, Perspektiven für Auszubildende und Führungsnachwuchs: Das Unternehmen investiere in sein Personal, erklärt Sprecher Michels. Allerdings spürt Bierstorfer den boomenden Arbeitsmarkt bei Neueinstellungen: Vor allem Fachkräfte für Möbelmontage sind gesucht.

 

Möbelhändler im Internet

Die Möbelbranche in Deutschland setzte 2017 nach Angaben des Branchenverbands BVDM 33,6 Milliarden Euro um. Der Anteil des Onlinehandels wächst, liegt aber noch unter zehn Prozent. "Online funktioniert derzeit nur bei unteren Preislagen", sagt XXXLutz-Sprecher Volker Michels.

Seit fünf Jahren betreibt der Möbelhändler einen Onlineshop mit 60.000 Artikeln. Davon würden auch die Möbelhäuser profitieren. Allerdings gibt es auch andere Szenarien: Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts ECC bedroht das Möbel-Onlinegeschäft die stationären Händler. Von 30.000 Möbelhäusern könnte längerfristig ein Drittel schließen.

Bei XXXLutz stehen die Zeichen dagegen nach wie vor auf Expansion. Durch die Übernahme von Poco mit seinen 120 Filialen und 1,6 Milliarden Euro Jahresumsatz hat XXXLutz den Abstand auf Marktführer Ikea (knapp 5 Milliarden Jahresumsatz in Deutschland) weiter verringert. Die XXXLutz-Gruppe zählt mit einem Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro zu den größten Möbelhändlern der Welt mit insgesamt 256 Einrichtungshäusern und 22.000 Mitarbeitern.

 

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