Metaller wünschen sich bessere Chancen im Wettbewerb mit Osteuropa
Die Autoindustrie in Baden-Württemberg hat weiterhin schwer zu kämpfen mit Fachkräftemangel, Transfomationssorgen und nun auch noch mit der drohenden Verlagerung nach Osteuropa. Die IG Metall sucht nach Lösungsansätzen.
Nach dem erfolgreichen Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie beschäftigt sich die IG Metall im Land wieder mit der Transformation in der Automobilindustrie und im Kfz-Handwerk. Bei der Jahrespressekonferenz am Freitag in Stuttgart wurde deutlich, wie viel auf dem Spiel steht.
Wenn es schon für die Großen kritisch wird
480 000 Arbeitsplätze hat der "Autocluster Baden-Württemberg, der größte weltweit", sagt Frank Sell, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Bosch. Die meisten davon haben rund 1000 auch kleinere Zulieferer. Achim Dietrich, in gleicher Funktion bei ZF Friedrichshafen, meint: "Wenn selbst ZF an den Punkt kommt, wo es kritisch wird, dann kann man sich vorstellen, wie es bei anderen aussieht."
Es sind die immer gleichen Themen: Transformation zum E-Antrieb, Verlagerung Richtung Osteuropa, Qualifizierung, Fachkräftemangel. "Wir brauchen weiterhin Industriearbeitsplätze", sagt Sell. In vielen Regionen sei der Arbeitsmarkt aber leergefegt. "Wenn Aufgaben dann nicht erledigt werden können, ziehen die Aufträge woanders hin."
Auch die Gewerkschafter wünschen sich schlankere Prozesse
IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger findet zwar: "Die Zusammenarbeit mit der Landesregierung ist gut bis sehr gut." So ein gutes Zeugnis wollen die Betriebsratschefs der Zulieferer ZF, Mahle und Bosch der Politik insgesamt aber nicht ausstellen. Neue Standorte in Osteuropa würden mit Millionen der EU gefördert, während die Unternehmen in Deutschland mit Widrigkeiten auf allen Ebenen zu kämpfen hätten. "Verschlankung" ist angesagt, findet auch Zitzelsberger.
Um Lösungsansätze für die drohende Verlagerung zu finden, veranstaltet die IG Metall Baden-Württemberg unter dem Titel "Go East? Perspektiven der Automobilzulieferer in Baden-Württemberg" am 13. Februar eine Konferenz.
Weitere Tarifrunden und keine Antwort auf die Personalfrage
Mit der Metall-Tarifrunde im vergangenen Jahr sei der Spagat gelungen, einerseits die Erwartungen der Mitglieder zu erfüllen, andererseits die gesamtwirtschaftliche Stabilität nicht zu gefährden, so Zitzelsberger. Weitere Tarifrunden stehen an. Die Verhandlungen in Metallbau und Feinwerktechnik laufen gerade.
Zu der an diesem Tag noch gar nicht gestellten Frage, wer Nachfolger des IG-Metall-Vorsitzenden Jörg Hofmann wird, sagt Zitzelsberger: "Hier gilt, dass potenzielle Kandidaten am besten die Klappe halten."
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