Lidl startet sein eigenes Bezahlsystem
Der Discounter der Schwarz-Gruppe erweitert seine App um ein eigenes Bezahlsystem. Bislang wurde die Anwendung im deutschsprachigen Raum mehr als zehn Millionen Mal heruntergeladen. Zu Google Pay und Apple Pay gibt es aber einen wesentlichen Unterschied.

Dass sie kommen könnte, war schon seit Herbst klar - als der Discounter Lidl in Spanien mit der Bezahlfunktion in seiner App in eine Testphase ging. Nach einem weiteren Probelauf in Polen wird es nun ernst: An diesem Freitag startet die Discountsparte der Schwarz-Gruppe in Deutschland mit Lidl Pay und tritt damit gegen die Übermacht der etablierten Bezahldienste von Apple, Google und dem chinesischen Konzern Alibaba an.
Voraussetzung ist die App Lidl Plus
"Lidl Pay" heißt die Funktion, die allerdings nur jene nutzen können, die auf ihrem Smartphone die App Lidl Plus installiert haben. Obwohl ein Unternehmenssprecher nicht preisgeben möchte, wie viele Downloads es seit dem deutschen Start im September gegeben hat, weist der App-Store bei Google mehr als zehn Millionen Downloads für den deutschsprachigen Bereich aus - und da ist die Schweiz noch nicht einmal enthalten. Dort geht die App erst Ende Mai an den Start, einige Tage nach dem Auftakt in Ungarn. Mit diesen beiden Märkten ist sie dann in 22 Ländern verfügbar.
Abgerechnet wird per Lastschrift
Zu den aktuellen Prospekten, Gutscheinaktionen und gespeicherten Kassenbons kommt nun also auch das Bezahlen per Smartphone hinzu. Abgerechnet wird dabei per Lastschrift über das Girokonto - anders als in Spanien und Polen, wo dies auch mit Kreditkarte möglich ist. Daher müssen Nutzer ihre Bankverbindung und ihre Adresse hinterlegen und eine Pin vergeben. Zum Start gibt es einen Coupon über fünf Euro, der beim nächsten Einkauf ab 30 Euro eingelöst werden kann.
Schon in den vergangenen Wochen, als Berichte über Probeläufe in Pilotfilialen durchsickerten, gab es aber auch kritische Stimmen zur verwendeten Technik. "Finanztransaktionen, die nicht in Echtzeit ablaufen, fühlen sich für mich schlicht altbacken an. Da zahle ich lieber weiterhin mit meiner Smartwatch", schreibt etwa ein Technik-Journalist. Das Problem: Während Apple und Google in den Handys mit ihren Betriebssystemen auf den NFC-Chip zugreifen können, ist das Lidl schlicht nicht möglich. Daher muss der Kunde immer per QR-Code seine Zahlung bestätigen. Das ähnelt damit eher den konventionellen Bezahl-Apps von Banken oder der App von Payback, die unter anderem bei Rewe oder DM eingesetzt werden kann. Lidl ist aber die erste deutsche Supermarktkette, die in ihrer App dieses Angebot einbaut.
Die Deutschen zahlen seltener bar
Dass das Programm künstliche Intelligenz nutzt, ergibt sich übrigens aus den weiteren Erläuterungen der offiziellen Pressemitteilung. Demnach würden den Kunden zum Beispiel nun personalisierte Inhalte auf Basis ihres bisherigen Einkaufsverhaltens angezeigt. Dabei handele es sich im ersten Schritt um bis zu 40 Produktempfehlungen, die zweimal wöchentlich aktualisiert werden.
Die Chancen, dass die App-Nutzer auch die Bezahlfunktion nutzen werden, dürften recht gut sein: Laut einer GfK-Umfrage ist der Anteil der Deutschen, die ihre Einkäufe in der Regel kontaktlos zahlen, im vergangenen Jahr auf 58 Prozent gestiegen. Das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr.
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