Wirtschaftswachstum 2022: Baden-Württemberg wird zum Konjunkturmotor
Eine Studie der LBBW sieht Baden-Württemberg beim Wirtschaftswachstum 2022 bundesweit vorn. Dennoch steht es vor gewaltigen Herausforderungen, die Politik und Wirtschaft gemeinsam meistern müssen. Sachsen mausert sich zum bundesweiten Zentrum für Elektro-Autos.

Baden-Württemberg steckt mitten in einer gewaltigen Transformation. Dennoch wird sich das Land nach Prognosen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) im kommenden Jahr zur Konjunkturlokomotive Deutschlands aufschwingen. Während die Bundesrepublik 2022 beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) um fünf Prozent zulegen wird, sagen die Experten dem Südwesten ein Plus von 5,5 Prozent voraus. Auf dem zweiten Platz folgt Bayern mit 5,4 Prozent. Von den zwölf Bundesländern, die LBBW Research unter die Lupe genommen hat, schneidet Sachsen-Anhalt mit einem Wachstum von 3,7 Prozent am schlechtesten ab.
Der Süden ist export- und strukturstark
Als Hauptgründe für die Stärke Baden-Württembergs und Bayern nennen die Forscher die "Export- und Strukturstärke sowie die Fortschritte bei der Digitalisierung", die vor allem durch die starke Industrie vorangetrieben werde.
Der Südwesten zeichnet sich auch durch besondere Innovationskraft aus. So liegt Baden-Württemberg beim europäischen Innovationsindex 2020 mit 81 Punkten klar auf Platz eins vor Bayern mit 61,7 Punkten. Schlusslichter sind hier Sachsen-Anhalt mit 28,1 und Mecklenburg-Vorpommern mit 28,7 Punkten. Deutschland liegt mit 53,4 Punkten deutlich vor der Europäischen Union mit 36,1 Zählern.
Baden-Württemberg muss vier große Herausforderungen bewältigen
Trotz dieses guten Abschneidens Baden-Württembergs sehen die LBBW-Experten auch Probleme. Das Land stehe vor "vier großen Disruptionen, die es zu meistern gilt": Die Digitalisierung der Volkswirtschaft, insbesondere der öffentlichen Verwaltung; die Dekarbonisierung mit der damit einhergehenden Wende hin zur Elektro-Mobilität und zu erneuerbaren Energien; die demografische Entwicklung mit dem damit einhergehenden Fachkräftemangel; und "die Neujustierung und Re-Lokalisierung der globalen Wertschöpfungsketten und China als immer aggressiveren Wettbewerber insbesondere beim Thema Industrie 4.0". Angesichts dieser Aufgaben fordern die Forscher Politik und Unternehmen auf, "verstärkte Anstrengungen zu unternehmen, die Vielzahl an Herausforderungen, die für die Sicherung von Arbeitsplätzen und des Standorts notwendig sind, zu stemmen".
Lieferengpässe und Fachkräftemangel sind die Bremsklötze für das Wachstum
Natürlich leidet auch die Wirtschaft im Südwesten unter den Problemen, die das ganze Land belasten: Lieferengpässe und Fachkräftemangel sind hier die größten Hemmschuhe für das Wachstum. Bei den Lieferschwierigkeiten für Halbleiter erwarten die Experten frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2022 eine Besserung. Andere derzeit knappe Materialien und Rohstoffe sollen dagegen schon früher wieder verfügbar sein. Vor diesem Hintergrund und der vollen Auftragsbücher im verarbeitenden Gewerbe erwarten die LBBW-Experten ein solides Wachstum im nächsten Jahr. Das nicht prognostizierbare Infektionsgeschehen und die Gefahr durch weitere Coronavirus-Varianten sorgten allerdings für Ungewissheit.
Sachsen profitiert von der Elektro-Mobilität
Sachsen sehen die Forscher übrigens als Gewinner des Trends zur E-Mobilität. Vor allem durch das VW-Werk in Zwickau, aber auch durch die anderen Auto-Standorte Leipzig und Dresden "entwickelt sich Sachsen zum E-Auto-Produktionsstandort Nr. 1 in Deutschlands", heißt es in der Studie.

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