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Traditionsunternehmen Illig insolvent: Firma aus Heilbronn setzt auf Eigenverwaltung

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Seit der Corona-Pandemie kämpft der Maschinenbauer Illig mit Schwierigkeiten. Nun hat das Unternehmen beim Amtsgericht Heilbronn Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Dadurch will der Maschinenbauer die Sanierung schaffen und einen Investor finden.

Der Maschinenbauer Illig beschäftigt in Heilbronn rund 515 Mitarbeiter. Diese stehen angesichts der Restrukturierung des Unternehmens vor unruhigen Zeiten.
Foto: Illig
Der Maschinenbauer Illig beschäftigt in Heilbronn rund 515 Mitarbeiter. Diese stehen angesichts der Restrukturierung des Unternehmens vor unruhigen Zeiten. Foto: Illig  Foto: nicht angegeben

Zuletzt hatte der Heilbronner Maschinenbauer Illig einen Investor gesucht – nun will das Unternehmen mit einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung seine Schwierigkeiten überwinden. Man habe beim Amtsgericht Heilbronn diese Form des Insolvenzverfahrens beantragt und am Dienstag eine Genehmigung erhalten, sagte ein Sprecher auf Anfrage der Heilbronner Stimme.

Maschinenbauer Illig setzt auf Eigenverwaltung bei Insolvenz: Heilbronner Mitarbeiter bereits informiert

Die Mitarbeiter am Stammsitz in Heilbronn-Sontheim wurden am Dienstag über die Entwicklung informiert. Die im vergangenen Jahr begonnene Investorensuche soll fortgesetzt werden, auch gehe der Geschäftsbetrieb mit dem bisherigen Management sowie externen Sanierungsexperten weiter, teilte das Unternehmen mit. Was die nun anstehende Restrukturierung für die rund 600 Mitarbeiter bedeute, sei noch nicht absehbar, hieß es.

Schlechte Konjunktur und Branchenschwäche: Illig nennt Ursachen für Insolvenz

Der Sprecher nannte neben der aktuell schwierigen konjunkturellen Lage die Investitionszurückhaltung potenzieller Illig-Kunden. Das Traditionsunternehmen entwickelt und produziert Thermoform- und Verpackungslösungen sowie Werkzeugsysteme für Karton, Papier und Kunststoff. Viele Kunden kommen aus der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie. "Illig hätte massiv in Technologie und Innovationen investieren müssen, ohne diese Investitionen am Markt kompensieren zu können", sagte der Sprecher. Daher habe das Management mit CEO Carsten Strenger und Technikvorstand Jürgen Lochner nun handeln müssen.

Heilbronner Traditionsunternehmen Illig insolvent: Sanierungsexperten aus Stuttgart sollen helfen

Als Sanierungsexperten haben die Geschäftsführer Jochen Sedlitz und sein Team von der Stuttgarter Kanzlei Grub Brugger an Bord geholt. Für die Illig-Kunden werde der anstehende Restrukturierungsprozess zu keinen Einschränkungen führen, versicherte der Sprecher. Das Unternehmen werde seine Aufträge und Servicearbeit in gewohnter Art und Weise erfüllen. Auch der Besuch wichtiger Messen wie der ChinaPlas und NPE in den USA sei nicht gefährdet.

Ende 2023 hatte Illig bekannt gegeben, einen Investor zu suchen, um die künftige Entwicklung des Unternehmens finanziell auf solide Beine zu stellen. "Mehrere strategische Partner wie auch Finanzinvestoren haben Interesse bekundet und erste Angebote abgegeben", sagte der Sprecher. Angesichts der schwierigen Markt- und Konjunkturlage sei es aber bisher nicht zu einem Abschluss gekommen. Durch das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung sieht das Management bessere Voraussetzungen, den Investorenprozess erfolgreich abzuschließen, da er nun durch Instrumente der gerichtlichen Sanierung unterstützt werde.

"Illig ist grundsätzlich sehr gut aufgestellt", betonte der Sprecher. Mit mehr als 10.000 in Betrieb genommenen Maschinen weltweit sei Illig eine der größten Firmen im Bereich Maschinenbau für Verpackungen und Thermoformen. Und mit dem modernen Werk in Rumänien sei man in der Lage, sehr schnell auf wieder ansteigende Nachfrage zu reagieren, hieß es.

Achterbahnfahrt in den zurückliegenden Jahren: Schwierigkeiten bei Illig seit der Pandemie

Illig hat schwierige Jahre hinter sich. 2019 musste das Unternehmen im Zuge der Corona-Pandemie und der öffentlichen Diskussion um Kunststoff deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen und rutschte in die Verlustzone. Am Stammsitz in Heilbronn-Sontheim wurden rund 150 Arbeitsplätze abgebaut. Illig hatte sich damals stark auf Maschinen zur Herstellung von Joghurtbechern und Kaffeekapseln fokussiert.

2022 ging es für den Maschinenbauer wieder aufwärts, der Umsatz stieg von 92,2 Millionen Euro auf rund 110 Millionen Euro. Auch dank neuer Technologien und Produkte schaffte Illig die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Und auch 2023 sah es Strenger zufolge lange gut aus. "Bis Mai hatten wir einen guten Auftragseingang, danach fing der Markt an zu schwächeln", sagt der Geschäftsführer mit Verweis auf die schlechte Entwicklung im Maschinenbau.

Zum Heilbronner Traditionsunternehmen Illig

Das Unternehmen wurde 1946 von Adolf Illig in Heilbronn gegründet. Heute gehört Illig zu den weltweit führenden Anbietern von Thermoform- und Verpackungssystemen sowie Werkzeugsystemen für Karton, Papier und Kunststoff. Die Sontheimer liefern ihre Maschinen in mehr als 100 Länder. Illig beschäftigt am Stammsitz in Sontheim 515 Mitarbeiter. Dazu kommen rund 30 Beschäftigte in Rumänien und 50 im weltweiten Vertrieb und Service. Die Geschäftsführung hat für dieses Jahr eine neue Verpackungstechnologie für Nicht-Kunststoff-Verpackungen angekündigt und diese bereits mit Patenten abgesichert.

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