Homeoffice, Shared Desks? Die Zukunft der Arbeit wird noch diskutiert
Unternehmen aus Heilbronn-Franken sehen in den während der Corona-Pandemie etablierten Arbeitsformen Vor- und Nachteile. Wir haben einige befragt, wie sie künftig die Arbeit organisieren wollen. Die Herangehensweise der Firmen ist durchaus unterschiedlich.

Auch nach dem Auslaufen der Homeoffice-Pflicht gibt es wenige Firmen, die die Uhren wieder komplett zurückdrehen wollen. Es hätte sicherlich unerwünschte Nebenwirkungen, warnen Verantwortliche hinter vorgehaltener Hand. Das Homeoffice ermöglicht neue Arbeitsverhältnisse. So werden in manchen Unternehmen Teams aus Mitarbeitern zusammengestellt, die über ganz Deutschland oder gar europaweit verteilt sind. Für Absolventen, die in der Corona-Zeit selbst für Praktika nur online eingestellt wurden, ist es die Normalität.
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EBM-Papst
"Wir haben Mitarbeiter aus Stuttgart oder Würzburg, die die neuen Möglichkeiten natürlich gerne nutzen", erzählt Hauke Hannig, Sprecher des Ventilatorenherstellers EBM-Papst aus Mulfingen. Es sei wichtig, sich somit auch als moderner Arbeitgeber zu präsentieren. Mit Beginn der Corona-Pandemie gab es bei EBM-Papst eine Betriebsvereinbarung, nach der in Absprache mit dem Vorgesetzten bis zu 80 Prozent mobil gearbeitet werden darf. "Die Quote ist derzeit noch sehr hoch", sagt Hannig.
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Ziehl-Abegg
Ein Mitarbeiter des benachbarten Ventilatorenbauers Ziehl-Abegg in Künzelsau informierte die Stimme in diesen Tagen, Abteilungen würden vollständig wieder in die Büros zurückgeholt. "Das mag ein Einzelfall gewesen sein", räumt Vorstandschef Peter Fenkl ein. "Doch grundsätzlich drängen wir darauf, dass das Homeoffice weiterhin genutzt wird. Wir wollen ja nicht, dass bei diesen Inzidenzen viele Kollegen gleichzeitig ausfallen." Aber zugleich gebe es auch vonseiten der Mitarbeiter teilweise den Wunsch, wieder öfters ins Büro zu kommen. Eine Betriebsvereinbarung oder konkrete Vorgaben der Geschäftsführung gibt es bei Ziehl-Abegg dazu nicht.
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Würth
Beim Schraubenhändler Würth in Künzelsau gilt mit dem Wegfall der gesetzlichen Vorgaben eigentlich die Betriebsvereinbarung, die Geschäftsleitung und Betriebsrat im vergangenen Jahr verabschiedet haben. Sie gesteht jedem Mitarbeiter zwei Mobile-Office-Tage pro Woche zu. "Bis 15. Mai hat jedoch das individuelle Sicherheitsbedürfnis unserer Mitarbeitenden Priorität", erklärt Sprecherin Sigrid Schneider. In dieser Übergangsphase besteht die Möglichkeit, in Absprache mit der Führungskraft weiter verstärkt im Homeoffice zu arbeiten. Zudem sind die Würth-Mitarbeiter angehalten, sich zweimal pro Woche einem Corona-Test zu unterziehen.
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Audi
Auch der Autobauer Audi empfiehlt, betriebsbedingte Personenkontakte weiterhin zu vermeiden. Mitarbeiter, die mobil von zu Hause arbeiten können, sollten das also weiterhin tun, wenn keine wichtigen Gründe dagegen sprechen, teilt eine Sprecherin in Neckarsulm mit.
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Schwarz-Gruppe
Die Schwarz-Gruppe hat sich weder für ihre Zentrale noch für die Töchter Kaufland, Lidl, Prezero und Schwarz IT bereits endgültig festgelegt. "Mobiles Arbeiten war bereits vor Corona ein Bestandteil der Arbeitswelt in der Schwarz Gruppe und wird auch nach Wiederaufnahme des Regelbetriebs ein wichtiges Element der Unternehmenskultur bleiben", teilt eine Sprecherin mit. "Im Recruiting-Prozess sehen wir die Flexibilisierung unserer Arbeitsbedingungen unter anderem als Chance, unser Einzugsgebiet potenzieller neuer Mitarbeiter zu erweitern." Bei Neubauten würden ohnehin schon seit Jahren Arbeitsplatzkonzepte wie Desk Sharing integriert, dass also nicht alle Mitarbeiter einen eigenen Schreibtisch haben. Dies sei auch beim Schwarz-Projekt-Campus in Bad Friedrichshall geplant. "Die Entwicklungen in punkto New Work und mobilem Arbeiten werden wir auch in Zukunft genau beobachten und unsere Konzepte weiterentwickeln", so die Sprecherin. Aktuell läuft das allmähliche Zurückholen der Belegschaft aus dem Homeoffice.
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