Hausmesse bei Schrade steht im Zeichen der Energiekrise
Lieferprobleme, Preise und Fachkräftemangel waren zentrale Themen beim Sanitär- und Stahl-Großhändler aus Neckarsulm. Die Auslastung der Kunden unterscheidet sich inzwischen - je nach Branche.

Zwei Jahre hatten sie corona-bedingt aussetzen müssen, Nun trafen sich mehr als 2000 Besucher und die Mitarbeiter des Sanitär- und Stahl-Großhändlers Schrade wieder zur traditionellen Hausmesse - in der 73. Auflage. "Die Freude, sich wieder treffen zu können, war riesengroß. Die Messestimmung war sehr positiv", berichtet Schrade-Geschäftsführer Ralf von Briel.
Mehrere drückende Probleme
Das Neckarsulmer Unternehmen mit 210 Mitarbeitern ist seit 2008 Teil der Ludwigsburger Lotter-Gruppe, wo von Briel ebenfalls Geschäftsführer ist. Doch trotz der guten Stimmung gibt es viele drückende Probleme, die sowohl den Großhändler als auch seine Kunden beschäftigen.
Da ist zunächst und vor allem die Energiekrise. Das Sanitärhandwerk ist derzeit vollkommen ausgelastet. Kurzfristige Einbauten von Alternativen zur Gasheizung seien nicht mehr möglich, berichtet von Briel. "Wenn Hausbesitzer heute bestellen, bekommen Sie die neue Heizung, Photovoltaikanlage oder Wärmepumpe erst im kommenden Sommer geliefert", macht er klar. Ebenso sehe es bei Pelletsheizungen, Kaminen und Kachelöfen aus. Engpässe gebe es zum einen seitens der Hersteller, zum anderen in den Betrieben selbst - Stichwort Fachkräftemangel. Hinzu komme die pure Masse der aktuellen Anfragen.
Noch keine Delle in der Baubranche zu spüren
Die Debatte überlagert derzeit sogar die Inflationssorgen. Eine Delle in der Baubranche, die von Schrade mit Baustahl beliefert wird, sei allerdings noch nicht zu spüren, berichtet der Geschäftsführer. "Die laufenden Projekte werden ja alle weitergeführt." Jedoch mehrten sich auch im Unternehmen die Meldungen, dass Bauwillige von ihrem Vorhaben zurücktreten. "Wir müssen abwarten, inwiefern es auch bei Renovierungsprojekten runtergeht", meint Co-Geschäftsführer Arnd Seufer. "Die Bücher unserer Handwerks-Kunden sind jedenfalls noch immer gut gefüllt." Vor allem Schlosser und Metallbetriebe meldeten eine sehr gute Auslastung, Haustechnik- und Sanitärhandwerker gut bis sehr gut. Am Bau ergebe sich derzeit schon ein gemischtes Bild, erzählt er.
Hoffen auf gewisse Beruhigung beim Preisanstieg
Das Neckarsulmer Unternehmen selbst habe bei der aktuellen Teuerung keine Wahl, erklärt Ralf von Briel: "Wir verfügen als Handelshaus nicht über den Spielraum, die Preise nicht weiterzugeben." Dabei befürchte er, dass die Endkunden bald kein Verständnis mehr für deutlich höhere Kosten haben. "Ich rechne aber mit einer gewissen Beruhigung der Entwicklung, weil in vielen Bereichen die Mengen wieder verfügbar sind."
Schrade selbst hat im vergangenen Jahr mehr als 100 Millionen Euro Umsatz erzielt. Neben dem Stammsitz Neckarsulm betreibt das Unternehmen Standorte in Heilbronn, Sinsheim, Öhringen, Wiesloch und seit vergangenem Jahr in Leingarten. Die Lotter-Gruppe kommt mit 45 Standorten und 1900 Mitarbeitern mittlerweile auf mehr als 800 Millionen Euro Umsatz.
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