Galeria schließt 52 Warenhäuser: Standort Heilbronn bleibt
Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof schließt 52 seiner noch verbliebenen 129 Warenhäuser. Der Heilbronner Standort in der Fleiner Straße zählt nicht dazu.

Um 14.59 Uhr traf bei der Verdi-Gewerkschaftssekretärin Caroline Kirchhoff die freudige Nachricht ein. "Heilbronn bleibt", schrieb ein Kollege und verkündete damit die erhoffte Botschaft, die am Montag, 13. März, aus der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung des Galeria-Kaufhof-Karstadt-Konzerns durchsickerte. Damit zählt die Galeria-Karstadt- Kaufhof-Filiale in der Heilbronner Fleiner Straße zu den zwölf Standorten in Baden-Württemberg, die erhalten bleiben.
"Wir freuen uns sehr, dass die gemeinsamen Gespräche zur Zukunft der Filiale in Heilbronn zu einem positiven Ergebnis geführt haben und sie nach langer Ungewissheit nun erhalten bleibt", zeigte sich Harry Mergel in einer ersten Stellungnahme erleichtert. "Für die Innenstadt ist Galeria-Karstadt-Kaufhof ein wichtiges und auch gut angenommenes Einkaufsziel für Kunden aus der gesamten Region", betont der Heilbronner Oberbürgermeister.
Sechs Filialen im Südwesten betroffen
Von der Schließungswelle sind in Baden-Württemberg sechs Filialen betroffen. So machen zum 31. Januar 2024 die Geschäfte am Heidelberger Bismarckplatz, in Esslingen, Leonberg, Pforzheim, Reutlingen und in der Stuttgarter Eberhardstraße dicht, wie das Unternehmen mitteilte. Bundesweit schließen 52 der zuletzt noch 129 Filialen in zwei Etappen. Die ersten Schließungen werden demnach bis Ende Juni 2023 abgewickelt , die letzten Filialen schließen Ende Januar 2023.
"Ich sehe natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Entwicklungen", unterstreicht Caroline Kirchhoff. "Schließlich muss man sich auch angesichts der insgesamt sinkenden Marktmacht fragen, wie lange der Standort erhalten bleibt", sagt die Gewerkschaftssekretärin, die den Bezirk Heilbronn-Neckar-Franken vertritt. Sie sei auch angesichts der Entwicklung der vergangenen Jahre skeptisch: "Ich glaube nicht, dass Benko ein echtes Interesse am Erhalt der Warenhäuser hat", urteilt sie.
Ende Oktober 2022 hatte der österreichische Milliardär René Benko für den Warenhauskonzern den zweiten Insolvenzantrag im Schutzschirmverfahren innerhalb von zweieinhalb Jahren gestellt. Als Grund für die bedrohliche Lage des Unternehmens nannte Konzernchef Miguel Müllenbach damals die explodierenden Energiepreise und die Konsumflaute in Deutschland. Für den 27. März ist die Gläubigerversammlung in Essen terminiert. Lehnt sie den Insolvenzplan ab, droht dem Unternehmen das sofortige Aus.
Personalabbau befürchtet
"Wir fürchten auch, dass an den Standorten, die erhalten bleiben, Personal abgebaut wird", sagt Kirchhoff. Knapp 120 Beschäftigte, seien derzeit noch in der Heilbronner Filiale tätig. Hinzu kommen die Mitarbeiter im Restaurant.
Während in Heilbronn Erleichterung vorherrscht, ist die Stimmung in anderen Städten düster. Schließlich werden Tausende Beschäftigte ihren Arbeitsplatz und zahlreiche Innenstädte einen wichtigen Anziehungspunkt in ihren Einkaufsstraßen verlieren. "Das ist zweifellos heute für uns alle ein schwerer Tag", sagte der Galeria-Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz am Montag bei der Veröffentlichung der Schließungsliste. Das Unternehmen habe intensiv um jeden einzelnen Standort gerungen.
Nach Angaben des Gesamtbetriebsrats werden im Zuge der Insolvenzverfahrens "weit über 5000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verlieren". Es würden nicht nur Stellen in den Schließungsfilialen wegfallen. Geplant seien auch Flächenreduzierungen und ein Personalabbau in den verbleibenden Häusern und in den Zentralfunktionen.
"Ein rabenschwarzer Tag"
Das Unternehmen selbst sprach von mehr als 4000 Betroffenen. Sie sollen das Angebot erhalten, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, um sich für eine neue Stelle weiter zu qualifizieren. "Dies ist ein rabenschwarzer Tag", erklärte der Gesamtbetriebsrat. Dass es soweit gekommen sei, liege nicht nur an der Corona-Pandemie und den Folgen des Ukraine-Krieges, sondern auch an hausgemachten Fehlern. Das Management stehe jetzt in der Verantwortung, der verbleibenden Belegschaft eine längerfristige berufliche Zukunft zu garantieren.
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