Heilbronner Galeria-Kaufhof-Filiale bleibt erhalten: Hat das Warenhaus eine echte Zukunft?
Für Galeria geht es in Heilbronn weiter, die große Frage ist aber, wie lange. Zwei Stimme-Redakteure argumentieren zur Zukunftsperspektive der noch geöffneten Warenhaus-Filialen.

Pro
Von Thomas Zimmermann
Die Heilbronner Galeria-Kaufhof-Filiale bleibt bestehen - bis auf Weiteres. Von großer Feierstimmung ist in der Fleiner Straße dennoch nichts zu spüren. Das liegt in erster Linie daran, dass Eigentürmern und Investoren seit Jahren ein klares Konzept für die Warenhauskette fehlt, die als Symbol des deutschen Wirtschaftswunders gilt. Von einer Vision ganz zu schweigen. Deshalb fürchten viele Händler und Mitarbeiter, dass das Ende der restlichen Galeria-Standorte nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben ist.
Dabei haben Warenhäuser durchaus eine Zukunft. Noch immer bieten sie ein breites Warensortiment unter einem Dach, mit ordentlicher Beratung, oft einem guten Restaurant und einer passablen Aufenthaltsqualität. An diesen Faktoren gilt es in den 77 bestehenden Häusern mit voller Kraft zu arbeiten. Der Besuch in den Filialen muss wieder zum Einkaufserlebnis mit Überraschungseffekten werden.
Es braucht Investitionen in die bestehenden Standorte
Dazu bedarf es aber einer deutlich stärkeren Nachfrageorientierung, die durchaus lokal unterschiedlich sein kann. Zusätzlich muss es eine klare Kundenansprache und Kundenpflege, einen modernen Online-Bestellservice sowie einen Umfeldservice mit Café, Restaurant und Ruhezonen geben, die zum Verweilen einladen. Und es bedarf vor allem Investitionen in die bestehenden Standorte.
Die Häuser von Galeria, die in den vergangenen Jahren renoviert wurden, haben heute eine ordentliche Umsatzentwicklung. Das gilt gerade für Premiumhäuser wie das Kadewe in Berlin. Das zeigt, dass vor allem zahlungskräftige Kundschaft das Warenhaus weiterhin schätzt und den Einkauf vor Ort der Anonymität der Online-Bestellung auch in Zukunft vorziehen wird. Allerdings nur dann, wenn Angebot und Umfeld stimmen.
Contra
Von Jürgen Paul
77 bleiben, 52 sterben. Dieses Ergebnis zur Zukunft der 129 deutschen Galeria-Standorte taugt schwerlich als Argument für den Erfolg des Warenhauses. So verständlich die Freude der Mitarbeiter, Kunden und Stadtoberen an den Galeria-Standorten, die wie in Heilbronn fortgeführt werden, auch ist - in wenigen Jahren wird das Thema wieder auf den Tisch kommen.
Denn das Konzept des klassischen Warenhauses hat sich überlebt. Lange vorbei sind die Zeiten, als sich die Massen an den Wühltischen um Sonderangebote balgten. Heute machen Schnäppchenjäger ihre Beute im Internet. Auch das Versprechen des Vollsortimenters lösen die Warenhäuser schon lange nicht mehr ein. Vielmehr wurden über die Jahre immer mehr Bereiche wie etwa Unterhaltungselektronik oder Lebensmittel eingestampft, die heute vermisst werden. Kräftig gespart wurde auch am Personal, weshalb fachkundige Beratung längst nicht mehr garantiert ist.
Für viele gibt es kaum noch Grund, ein Warenhaus zu besuchen
Mit anderen Worten: Es gibt für viele Verbraucher nicht mehr allzu viele Gründe, ein Warenhaus zu besuchen. Es kommt nicht von ungefähr, dass von den einst stolzen Anbietern Hertie, Horten, Karstadt und Kaufhof nur noch Galeria als Notzusammenschluss von Karstadt und Kaufhof am Markt ist. Ein überzeugendes Konzept konnten weder der aktuelle Eigentümer René Benko noch seine Vorgänger präsentieren.
Doch weil sich die riesigen, oft in die Jahre gekommenen Häuser schlecht verkaufen oder vermieten lassen, werden sie weitergeführt, solange es geht. Eine echte Zukunftsperspektive haben die Galeria-Standorte aber nur, wenn mit kreativen Ideen und hoher Investitionsbereitschaft neue Nutzungskonzepte umgesetzt werden. Davon ist aber nichts zu sehen und zu hören.
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