Ukraine-Flüchtlinge kommen in der Arbeitslosen-Statistik an
Die Arbeitslosigkeit steigt, nachdem viele Neuankömmlinge aus der Ukraine in die Grundsicherung übergehen. Im Hohenlohekreis steigt die Quote besonders stark und liegt jetzt über dem Niveau des Landkreises Heilbronn.
Ukraine-Flüchtlinge haben sich im Juni erstmals in der Arbeitslosenstatistik bemerkbar gemacht. Obwohl der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg grundsätzlich stabil blieb, gab es einen ungewöhnlichen Anstieg, teilte die Regionaldirektion der Arbeitsagentur in Stuttgart mit. Ähnlich sah es in der Region aus.
Jobcenter und Agenturen vor größeren Herausforderungen
Seit dem 1. Juni haben geflüchtete Ukrainer Anspruch auf SGB-II-Leistungen. Damit sind sie in der Zuordnung aus dem Asylbewerberleistungsgesetz in die Grundsicherung - sprich Hartz IV - übernommen worden.
So waren im Juni 14 768 Menschen mehr arbeitslos gemeldet in Baden-Württemberg als im Mai. Im Bereich der Grundsicherung waren sogar 16.400 Menschen mehr gemeldet als im Vormonat.
Die Arbeitslosenquote stieg im Südwesten im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Punkte auf nun 3,5 Prozent, was noch deutlich unter den 3,9 Prozent im Juni 2021 liegt. Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg, erklärte dazu: "Der Arbeitsmarkt ist gut durch die Pandemie gekommen." Die Betreuung der geflüchteten Menschen aus der Ukraine stelle nun aber eine besondere Herausforderung dar.
Es gibt weiterhin viele Stellenangebote
Obwohl die Arbeitsagenturen in Baden-Württemberg 2351 weniger neue Stellenangebote von den Arbeitgebern gemeldet bekamen, bleibt der Bestand der gemeldeten Stellen bei 116 580 sehr hoch. "Die Arbeitsnachfrage ist trotz der wirtschaftlichen und politischen Unwägbarkeiten auf einem hohen Niveau", resümierte Rauch. Wenig Hoffnung hat er allerdings, dass Flüchtlinge diesen Fachkräfteengpass ausgleichen können.
Keine Überraschung in Stadt und Landkreis Heilbronn
Im Raum Heilbronn ist die Arbeitslosenquote leicht auf 3,3 Prozent angestiegen. "Damit haben wir allerdings gerechnet", kommentierte Alexandra Neukam, Operative Geschäftsführerin der Heilbronner Agentur, die Lage.
"Wir gehen davon aus, dass auch in den kommenden Monaten sich dieser Effekt in den Zahlen zum Arbeitsmarkt niederschlägt." So nahm die Zahl der Arbeitslosen in Stadt- und Landkreis Heilbronn um 261 auf 9208 zu. Im Vorjahresvergleich bleibt allerdings ein erfreuliches Minus von 1672. Im Bezirk Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim ist die Zahl innerhalb der Monatsfrist sogar um 647 gestiegen. 214 davon stehen im Hohenlohekreis zu Buche. Der Bestand an offenen Stellenangeboten liegt hier bei 1355. Die Arbeitslosenquote liegt im Hohenlohekreis noch immer bei niedrigen 2,9 Prozent - erstmals seit langer Zeit ist sie aber höher als im Landkreis Heilbronn.
Unternehmer fordern einfachere Anerkennungsverfahren
Der Wirtschaftsverband Unternehmer Baden-Württemberg forderte die Bundesregierung dazu auf, angesichts des Fachkräftemangels zu handeln: "Die komplexen Anerkennungsverfahren in Deutschland sind für ausländische Fachkräfte oft nur schwer zu bewältigen."
Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Kurzarbeit sind bislang moderat. Die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit anzeigen, ist im Südwesten im Vergleich zum Vormonat erneut gesunken. Dennoch begründet ein großer Teil der Unternehmen die Anmeldung mit den Folgen des Ukrainekrieges. Die tatsächlich realisierte Kurzarbeit kann aufgrund der statistischen Erfassungslogik nur bis Dezember 2021 ausgewiesen werden.
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