Essstäbchen aus Gochsener Buche
Die Gochsener Sägerei Häberlein verkauft heimisches Holz in die ganze Welt - für Möbel, Türrahmen, Musikinstrumente und Essstäbchen. Nur in Deutschland ist massives Holz kaum noch gefragt.

Bretter, gestapelt, so weit das Auge reicht. Wer von Neuenstadt nach Gochsen fährt, dürfte das Holz der Firma Häberlein kaum übersehen - und dabei sieht man hier nur einen kleinen Teil des Lagers. "Da steckt unser Kapital drin", sagt Ulrich Scheuber-Häberlein.
Dass die Umsätze in der Corona-Krise um knapp ein Viertel eingebrochen sind, nimmt er gerade deshalb gelassen hin. "Es haut uns nicht um. Wir haben eben ein kapitalintensives Unternehmen, kein personalintensives." Was heute nicht verkauft wird, das finde eben morgen einen Abnehmer. In Europa, Afrika oder Asien. Das war nicht immer so.
Beim Nadelholz geht es nur um Geschwindigkeit
Scheuber-Häberlein betont, es gebe einen großen Unterschied zwischen Nadel- und Laubholzsägewerken. "Beim Nadelholz geht es um Geschwindigkeit. Bei uns um die Qualität."
Doch diese Qualität sei in Deutschland kaum noch gefragt. Weder Holzhändler noch Möbelfabriken haben Interesse an Massivholz. Leimholz vielleicht, hier und da ein bisschen Furnier, Parkett, doch all das komme nicht mehr von hier. Allenfalls in Bayern gebe es noch eine Holz-Tradition.
Vor dem Einstieg in die Firma Erfahrung gesammelt
Als er und seine Frau Meike Häberlein das Werk 2003 übernahmen, sahen sie diese Entwicklung voraus. "Mein Schwiegervater hatte Kunden im Umkreis von 100 Kilometern, die bestellten einmal im Jahr ihr Holz. Heute macht der deutsche Markt noch zwei bis drei Prozent unseres Umsatzes aus."

Gleichzeitig stieg der Umsatz, verzehnfachte sich auf einen "unteren zweistelligen Millionenbetrag". Das Unternehmerpaar hatte vor dem Einstieg ins Sägewerk Erfahrung im Ausland gesammelt. Ulrich Scheuber-Häberlein war geschäftsführender Gesellschafter eines Holzhandelsunternehmens und wusste, was im Ausland gefragt war.
Beim Klavier kommt es auf das richtige Holz an
So werden heute Yamaha- oder Kawai-Instrumente mit Holz aus Gochsen produziert, ebenso wie japanische Essstäbchen. "Wir liefern nach Indonesien, dort werden die Stäbchen aus unserer Buche oder Hainbuche gefertigt, die Japaner verschenken sie dann für umgerechnet 35 oder auch 70 Euro", erzählt der 60-Jährige. Besonders wichtig sei dabei die Nachhaltigkeit. "Bei uns ist alles PEFC- oder FSC-zertifiziert." Das sei ausländischen Kunden wichtiger als den deutschen.

Dazu sei etwa für Instrumente natürlich die Qualität entscheidend, ebenso wie für Türrahmen, die im arabischen Raum noch aus Massivholz hergestellt werden. Bei der Auswahl der Hölzer bietet Häberlein alles, was hier wächst: 97 Prozent des Holzes kommen aus Baden-Württemberg. Eiche und Esche sind das Hauptgeschäft, doch auch Edelkastanie und Buntlaubholz wie Ahorn, Elsbeere oder Linde sind im Programm.
Die nächste Generation ist schon dabei
Noch fünf Jahre will die inzwischen ältere Generation am Ruder bleiben, die nächste steht bereit. Alle drei Töchter sind im Betrieb aktiv. Rieke Clauß ist eine von ihnen und erläutert in der Sägerei, worauf es ankommt. "Manche Stämme hier kosten 5000 Euro und mehr."
Sie werden als sogenanntes Submissionsholz gezielt ersteigert. "Gerade für Fassholz sind Sondereinschnitte nötig. Das Holz darf nicht reißen", es seien "stehende Jahresringe" gefragt, somit können nur wenige Bretter aus der Mitte des Stamms verwendet werden, erklärt Clauß. Nach ihrem dualen BWL-Studium hat sie den Holzbearbeitungsmechaniker draufgesetzt.
Heizenergie aus Holz

Nicht zuletzt kommt es beim Holz, abhängig vom Einsatzzweck, auf die richtige Trocknung an. Ahorn muss überdacht gelagert werden, Eiche langsam unter freiem Himmel trocknen - oder auch in der Trocknungsanlage. Die wird mit Hackschnitzel aus minderwertigem Holz, das nicht vermarktet werden kann, beheizt.
Fachkräfte dringend gesucht
Spezieller Markt Fachkräfte zu bekommen, ist für Häberlein nicht leicht. 26 Mitarbeiter beschäftigt die Firma, 20 davon in Gochsen. "Wir suchen Leute, die etwas von BWL und von Holz verstehen", sagt Scheuber-Häberlein. Der Markt funktioniere nicht wie andere. "Der Forst richtet sich nicht nach uns. Wir kriegen gesagt, was wir kaufen können." So sei das bei der nachhaltigen Waldbewirtschaftung.
WSt Ausgabe 29.9.20
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