Erfolgreich mit einem gewissen Ethos
Ingelfinger Firma Bürkert erläutert Ministerpräsident Kretschmann, wie sich die Geschäfte in der Corona-Krise verändert haben. Jetzt baut der Ventilhersteller plötzlich komplette Beatmungsgeräte.

Am Ende eines Tages mit mehreren Besuchsterminen in Hohenlohe steht für Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Freitag noch der Ventilhersteller Bürkert in Ingelfingen-Criesbach auf dem Programm. Insbesondere diese letzte Station habe ihm gezeigt: "Das Ethos, das Sie hier haben, darauf ruht die Prosperität und das soziale Miteinander unseres Landes", sagt Kretschmann.
Das Ethos, das Kretschmann so beeindruckt, wird schon in der Rede von Bürkert-Chef Heribert Rohrbeck thematisiert. Für mehr als 300 Branchen stellt Bürkert Ventile und verwandte Komponenten her. "Ausgeschlossen sind die Rüstungsindustrie und die Kernkraft-Branche", das hätten die Gesellschafter vor rund 30 Jahren so beschlossen.
Nachfrage nach Ventilen für Beatmungsgeräte explodiert
Die Corona-Krise wurde für Bürkert nun zu einer besonderen Herausforderung. Umsatzrückgänge gab es auf der einen Seite. Auf der anderen aber wurde das Know-how von Bürkert plötzlich zu einem entscheidenden Schlüssel in der Behandlung von Corona-Patienten. Innerhalb weniger Tage explodierte die Nachfrage nach Ventilen für Beatmungsgeräte und der dazugehörigen Regeltechnik.
Im Auftrag eines Herstellers habe Bürkert sogar komplette Beatmungssgeräte gefertigt - "innerhalb von anderthalb Wochen hatten wir die Montage in Dresden eingerichtet", erzählt Rohrbeck. "So konnten und können wir ohne Reduzierung der Belegeschaft weiterarbeiten, und das im Drei-Schicht-Betrieb", erzählt Andreas Bürkert, Sprecher der Gesellschafter.
Dieselabgas-Reinigung und Medizintechnik hier nah beieinander
Entscheidende Fortschritte hatte Bürkert gemacht, als es darum ging, die Stickoxide in den Abgasen von Dieselmotoren mit der Einspritzung von Harnstoff zu reduzieren. "Das ist nicht einfach, denn Harnstoff kristallisiert an Luft aus. Wir haben das Problem gelöst, und eine vergleichbare Technik kommt auch bei medizinischen Geräten zum Einsatz", erklärt Rohrbeck. Die Produktion der dafür eingesetzten "Proportionalventile" hatte sich bei Bürkert in der Corona-Krise vervierfacht.
Die Ingelfinger hatten in dieser Phase auch Anfragen aus Ländern bekommen, die - teils über Strohmänner - ganze Produktionslose für sich reservieren lassen wollten. Ohne Erfolg. "Es gehört auch zum Ethos unseres Unternehmens, dass wir Geschäfte nicht um jeden Preis machen", sagt Rohrbeck. "Unsere Gesellschafter denken langfristig."
Kretschmann: In Baden-Württemberg gibt es keine Provinz
Das war ganz nach dem Geschmack des Grünen-Politikers Kretschmann. Der erzählte auch, wie in der Krise die guten Beziehungen von Global Players wie Bürkert in alle Welt genutzt werden konnten. Stolz sagt er: "Wir sind ein Land mit vielen ländlichen Räumen. Aber auch hier zeigt sich, dass es keine Provinz gibt." Das mache den Charme Baden-Württembergs aus.
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