Bei Knorr in Heilbronn wird wieder investiert
Zwei Jahre nach der drohenden Schließung stehen beim Traditionsstandort in Heilbronn Modernisierungen auf dem Programm. Und sie werden sich wohl nicht nur auf den Maschinenpark beschränken.

Am Ende hatte sich Heilbronn doch durchgesetzt: Statt des Traditionswerks der Marke Knorr schloss der Unilever-Konzern vergangenes Jahr seinen französischen Standort für trockene Lebensmittel. Nun haben die Mitarbeiter in der Heilbronner Südstadt dies quasi täglich vor Augen - denn zurzeit wird eine Produktionslinie eingebaut, die zuvor in Frankreich ihren Dienst getan hat.
Neuer Werksleiter im Amt
Für Heilbronn ein wichtiger Schritt in eine neue Zukunft: Nach Jahren des Schrumpfens, des Abgebens von Aufgaben an zentrale Standorte in Hamburg oder den Niederlanden, nach dem Verkauf des markanten Bürokomplexes an der Ecke Sontheimer Straße/Knorrstraße stehen nun wieder Investitionen auf der Tagesordnung. Und mit Julius Mannherz ist seit April ein neuer Werksleiter im Amt, der für den nötigen Schwung sorgen will. Mit dem Betriebsratsvorsitzenden Thilo Fischer hat er einen engagierten Kämpfer für den Standort an seiner Seite.
Dabei räumt der langjährige Arbeitnehmervertreter ein: "2019 waren wir angezählt. Zeitweise war klar, dass Heilbronn geschlossen wird." Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen, vor allem aber in langen Verhandlungen über mehrere Tarifverträge, sei es gelungen, eine Standortsicherung bis 2030 zu vereinbaren. Mannherz und Fischer ist aber klar, dass das nur ein erster Schritt gewesen ist. "Wir müssen die Zeit bis dahin nutzen, um nicht noch einmal in diese Situation zu kommen", sagt Fischer. "Wir müssen mit unserem Werk am Markt konkurrieren können."
1015 verschiedene Produkte
Zum Unilever-Netzwerk der Werke für trockene Lebensmittel gehören vier weitere Standorte - in Ostdeutschland, Ungarn, Rumänien und der Schweiz. Das Heilbronner Werk zählt 412 Mitarbeiter und stellt im Jahr 574 Millionen Produkte her - Tütensuppen machen davon nur 23 Prozent aus. Der Rest reicht von Vorprodukten und Großgebinden für Gewerbekunden bis zu Soßenbindern und Salatwürze - insgesamt 1015 verschiedene Artikel. Damit erzielte der Standort Heilbronn zuletzt etwa 315 Millionen Euro Umsatz. Hinzu kommen die Außendienstler sowie das Logistikzentrum auf der anderen Seite der Besigheimer Straße, so dass insgesamt 720 Beschäftigte bei Unilever Heilbronn arbeiten.
Nach dem Schrumpfkurs der vergangenen Jahre sucht Mannherz nun wieder Personal - sowohl als Auszubildende als auch im Werk. Mehrere Stellen sind derzeit ausgeschrieben. "Wir würden auch gerne mehr ausbilden."
Heilbronn soll die günstigste Fabrik werden
Um den Standort über 2030 hinaus zu sichern, ist nun ein Effizienzprogramm aufgelegt worden. Es umfasst nicht nur automatische Staplerfahrzeuge und digitale Maschinensteuerung, um die Produktion zu steigern, sondern soll auch in Investitionen auf dem Werksgelände sichtbar werden. Auf einer Betriebsversammlung im Mai kündigte der Werksleiter als Strategie eine Neuausrichtung der Standortlogistik an.
Dabei sollen die baulichen Gegebenheiten des Werks, was sich vor allem in sehr hohen und voneinander getrennten Gebäude zeigt, ausgeglichen werden, sagte er. Eine entsprechende Studie dazu läuft gerade. Ausgespart bleibt lediglich das stillgelegte Mühlengebäude auf dem Gelände: Der imposante Backsteinbau muss erhalten bleiben - er steht nämlich unter Denkmalschutz. "Wir wollen die Fabrik sein, die am günstigsten liefern kann", erklärt Mannherz. "Und da bewegen wir uns bereits hin."
Die Corona-Pandemie hat unterdessen für einen gewissen Schub im Knorr-Werk gesorgt: Im Homeoffice haben sich offensichtlich viele Arbeitnehmer nur ein Fertiggericht auf die Schnelle zubereitet, vermutet der Werksleiter. Die Produktion sei jedenfalls 2020 und 2021 gestiegen. Der mittelfristige Trend gehe hingegen eher von einer leicht nachlassenden Nachfrage aus - auch ein Grund, warum Unilever einen seiner einst sechs Standorte geschlossen hat.
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Stimme.de
Kommentare
Rainer Haseneder am 03.06.2022 20:23 Uhr
Es wäre interessant zu erfahren, welches Werk in Frankreich geschlossen worden ist.