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Heilbronn

Wie beim Heilbronner Gründer Waldemar Koch Leiden und Schaffen zu Leidenschaft wird

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Waldemar Koch hat selbst gegründet, andere Gründer unterstützt und will nun Schülern helfen. Das ist nicht immer einfach.

Bei Waldemar Koch den Überblick zu behalten, ist gar nicht so einfach. Als Student gründet der Heilbronner sein erstes Startup und vertreibt eine Software, mit der Unternehmen ihre Ressourcen planen können. Damit ist er so erfolgreich, dass er andere Menschen ebenfalls ermutigen will, zu gründen.

Noch hält Waldemar Koch an seinem Projekt Lernsoftware fest.
Foto: privat
Noch hält Waldemar Koch an seinem Projekt Lernsoftware fest. Foto: privat

Er startet das Förderprogramm Startup Edu, bei dem Referenten und Investoren auf junge Studenten der Hochschule Heilbronn treffen. "Alle wollten wissen, wie das geht. Irgendwann waren wir so erfolgreich, dass wir keinen Raum mehr gefunden haben", erzählt der 31-Jährige heute.

Doch als die Nachwuchsförderung, die Koch gestartet hat, neu ausgerichtet werden soll, zieht er sich zurück. "Das war nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte." Er gründet das Unternehmen Concept Hero und berät fortan Mittelständler und Kleinunternehmen mit einem kleinen Team. "Für viele war ich mit 26 Jahren aber zu jung", erzählt Koch. "Ich hatte nicht das Gefühl, ernstgenommen zu werden."

Davon lässt sich Waldemar Koch nicht entmutigen. Die Firma fokussiert sich auf den IT-Bereich und Softwareentwicklung. Während der Corona-Pandemie entdeckt Koch das Thema Bildung für sich. Aus einer Software, die für Rechtsanwälte im Homeoffice gebaut wurde, entsteht eine Lernplattform für Schüler. Sie können darin barrierefrei Aufgaben erledigen, sich in Video-Anrufen austauschen oder von zu Hause am Unterricht teilnehmen. "eKlassenraum" oder "eKlara", wie die Anwendung heute heißt, wird Waldemar Kochs Herzensprojekt. "Ich wollte immer etwas machen, womit ich die Gesellschaft weiterbringe und etwas zurückgebe", sagt der 31-Jährige.

Wegen Datenschutz-Bedenken vorerst auf Eis gelegt

Doch "eKlara" muss mit einigen Hürden kämpfen. 2019 schon kauft das CDU-geführte Kultusministerium eine Bildungsplattform für Schüler ein. Das Problem: Sie enthält Komponenten des US-Konzerns Microsoft. Die Plattform wird wegen Datenschutz-Bedenken vorerst auf Eis gelegt. Obwohl viele Schulen im Raum Heilbronn "eKlara" nutzen, für gut befinden und sogar von der Stadt unterstützt werden, obwohl sich Waldemar Koch mit Ex-Kultusministerin Susanne Eisenmann trifft, wird an der Bildungsplattform festgehalten. Dazu seien der Wahlkampf und im März der Personalwechsel bei der Regierungsbildung gekommen. Doch zuletzt wurde zunehmend deutlich: Die Risiken sind nach Meinung des Landesbeauftragte für Datenschutz, Stefan Brink, zu hoch, die Microsoft-Bestandteile sollten im Unterricht nicht genutzt werden.

Bald endet die Übergangsfrist, bis zu der eine Lösung gefunden werden muss. Waldemar Koch setzt nun darauf, dass "eKlara" eingebunden werden kann. Rund 150 Schulen in ganz Baden-Württemberg nutzen die Anwendung schon. Bisher schießen Koch und sein Unternehmen bis zu 90 Prozent der Kosten zu und finanzieren das aus anderen Aufträgen. "Wir kämpfen bis zum Schluss, bis gar nichts mehr geht." Sollten Kommunen sich jedoch für die vom Kultusministerium kostenlos zur Verfügung gestellte Plattform entscheiden, sei "eKlara" nicht mehr wettbewerbsfähig. "Dann bedeutet das wahrscheinlich das Aus."

Waldemar Koch, der viel über Worte nachdenkt, beschreibt es ein bisschen so: "Leidenschaft, das kommt ja von Leiden und Schaffen." Man stehe als Unternehmer immer im Verdacht, möglichst viel Geld verdienen zu wollen. "Darum ist es mir nie gegangen." Wohin es ihn als nächstes verschlägt, weiß er noch nicht, erzählt Koch. "Vielleicht werde ich bald mal die Zeit nachholen, die ich mir als Student nicht genommen habe, für die Familie und fürs Reisen."

 

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