Audi will in Neckarsulm Schichten streichen
Der Andrang war so groß, dass nicht alle Mitarbeiter bei der Audi-Betriebsversammlung Platz fanden. Die Anwesenden im Werk Neckarsulm hörten, wie Audi-Chef Stadler geplante Kürzungen bei der Produktion verkündete.
Die Absatzprobleme bei Audi wirken sich immer stärker auf den Standort Neckarsulm aus. Mit einzelnen freien Tagen wie in dieser Woche lassen sich Produktionskapazität und Nachfrage nicht mehr in Einklang bringen. Bei der Betriebsversammlung kündigte Vorstandschef Rupert Stadler am Donnerstag an, dass ab Januar bis zum Anlauf des Nachfolgers in der A6/A7-Fertigung die Nachtschicht entfällt. Im Herbst 2017 soll zudem eine Schicht in der Neckarsulmer A4-Produktion gestrichen werden.
Die schwache Nachfrage nach den Neckarsulmer Modellen und die Folgen des Dieselskandals lasten schwer auf dem Unternehmen. Wie schon bei der Betriebsversammlung in Ingolstadt am Mittwoch, in der sich Stadler erstmals bei einer solchen Veranstaltung mit Buhrufen und Pfiffen konfrontiert sah, war die Stimmung auch in Neckarsulm denkbar schlecht, obwohl die Betriebsversammlung eigentlich als Abschiedsgala für den bisherigen Betriebsratsvorsitzenden Norbert Rank gedacht war.
"Ich kann nachvollziehen, dass mancher von ihnen genervt ist, dass sie ein Aufräumen erwarten und dass nicht der kleine Mann alles lösen soll", sagte Stadler vor der Belegschaft. Im Zusammenhang mit der internen Aufarbeitung des Dieselskandals kritisierte er, dass vieles zu lange im Verborgenen geblieben sei − trotz aktiver Nachfragen und trotz mehrfacher Aufforderungen zu mehr Transparenz. "Auch wir sind enttäuscht worden."

Und es gibt weitere kritische Themen: "Der Wettbewerbsdruck steigt derzeit enorm", sagte Stadler zur Begründung seiner Pläne zum Abbau der Schichten. "Wir müssen handeln − und wir werden handeln."
Betriebsrat Michael Christ verwies in seiner Rede auf die "Diskrepanz zwischen Audi gesamt und Audi Neckarsulm", die immer größer werde. "Dieser Spagat treibt uns schier zur Verzweiflung." Vor rund 4000 Teilnehmern formulierte er die Sorge der Belegschaft um die Auslastung der Produktion in den kommenden Jahren. "Wo bleiben die Perspektiven für unsere Fachkräfte, Techniker und Ingenieure?"
Unterstützung bekam Christ vom VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh. Gemeinsam mit dem neu gewählten Neckarsulmer Betriebsratschef Rolf Klotz forderte Osterloh Rupert Stadler auf, seine Zusagen bezüglich der Auslastung der deutschen Standorte einzuhalten. Das A4-Segment sei in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen, während die SUV-Geländewagen an Bedeutung gewännen. "Dieser Trend war zur Q5-Entscheidung noch nicht erkennbar", sagte Stadler. Dieser Tage wurde in Mexiko ein Werk für den Q5 eingeweiht.
Christ griff die Forderung auf, die Norbert Rank bereits im Stimme-Interview formuliert hatte: "Wir brauchen ein Volumenmodell mit alternativem Antrieb und in unserem Standortportfolio muss sich künftig auch ein Q-Modell befinden." Der Q8, mit dem Audi die Modellpalette abrunden möchte, ist allerdings bereits fest nach Bratislava vergeben, wie die Stimme gestern erfuhr.
Auch der Autoexperte Willi Diez sieht das Problem: "Um den Standort Neckarsulm dauerhaft zu sichern, wird man ein Volumenmodell im Kompaktbereich brauchen." Die Marktbedingungen für den A6 und den A8 seien zu schwer, um nur auf sie zu bauen.
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Stimme.de
Kommentare
am 07.10.2016 18:17 Uhr
Nun es ist doch schön wenn man vor versammelter Belegschaft sagt man könne es nachvollziehen das der Mitarbeiter genervt ist wenn wie immer dieser das Missmanagement ausbaden muß. Sicher bekam Herr Stadler Standing Ovations für die Einsicht und alles ist wieder gut. Weiter so ist wohl die Devise.