Am Dienstag: Audi lässt Schichten ausfallen
Am Dienstag ruhte beim A4 und beim A6/A7 die Produktion. Hinter den Kulissen ist ein Tauziehen zwischen den Standorten entbrannt.

Die Begeisterung über das noch länger verlängerte erste Oktoberwochenende dürfte sich bei den Audi-Mitarbeitern in Grenzen halten: Nach den um zwei Tage ausgedehnten Sommerferien in der A6-Produktion stehen die Bänder beim A4 und beim A6/A7 am heutigen Dienstag, 4. Oktober. Nur A8 und R8 sollen produziert werden. In Ingolstadt wird am 31. Oktober die Produktion der Modelle A3 und A4 ruhen.
Die Extra-Sommerferien waren die Folge von durch den Dieselskandal bedingten Verkaufsstopps in Korea, das aktuelle A6-Modell kommt zudem in die Jahre. Im ersten Halbjahr hatte Audi allerdings noch Sonderschichten fahren müssen, um die Nachfrage zu befriedigen.
Auch beim A4, der relativ neu auf dem Markt ist, tritt das Unternehmen jetzt auf die Bremse. Offenbar nicht nur in Neckarsulm: In Ingolstadt gab es laut "Donaukurier" Gespräche des Unternehmens mit dem Betriebsrat über eine mögliche Streichung der Dauernachtschicht in der B-Linie, auf der neben dem A4 auch der A5 und − noch − der Q5 montiert werden.
Beim Q5, der sich wie viele sogenannte Sports Utility Vehicles oder SUV gut verkauft, steht nicht nur ein Modell- sondern auch ein Fabrikwechsel an: Der Nachfolger, das ist lange bekannt, wird exklusiv im neuen Werk Mexiko vom Band laufen, was natürlich eine Lücke ins Ingolstädter Produktionsprogramm reißt. Audi gab im Zusammenhang mit dieser Standortentscheidung aber Beschäftigungsgarantien − bis Ende 2018 sind betriebsbedingte Kündigungen an den deutschen Standorten auf alle Fälle ausgeschlossen.
Der Q2, der die Lücke im Ingolstädter Produktionsprogramm teilweise ausgleichen soll, rollt erst im Spätherbst zu den Händlern. In Neckarsulm wird indes keines der wachstumsträchtigen Q-Modelle gebaut: Der Q7 entsteht in Bratislawa, der Q3 im spanischen Seat-Werk Martorell.
Tauziehen
Hinter den Kulissen ist damit ein Tauziehen zwischen den Standorten entbrannt: Über die Produktionsdrehscheibe beim A4 kann die Auslastung der beiden deutschen Werke angeglichen werden. Die klassische Logik: Rückläufige Stückzahlen beim A6 und A8, die etwa im Lebenszyklus der Modelle begründet sind, werden durch eine Erhöhung der A4-Produktion in Neckarsulm ausgeglichen. Angesichts der Gesamtsituation wird jetzt heftig über Stückzahlen und Standorte diskutiert. Ausgestanden dürfte das Thema mit dem einen produktionsfreien Tag noch nicht sein.
Unmut in der Belegschaft über eine Benachteiligung gegenüber Ingolstadt wurde diese Woche auch bei einer Veranstaltung des Betriebsrats mit Personalvorstand Thomas Sigi im Neckarsulmer Audi-Forum deutlich − nicht nur im Zusammenhang mit Stückzahlen.
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