Geschäftszahlen 2023: Audi verdient weiter gut – Rekordbonus für Mitarbeiter
Audi hat am Dienstag seine Geschäftszahlen für 2023 präsentiert. Der Umsatz ist einmal mehr gewachsen, der Gewinn hingegen deutlich gesunken. Für die Beschäftigten gibt es eine Prämie, die so hoch ist wie nie zuvor.

Ingolstadt am Dienstagvormittag. Mitten in der Produktionshalle, in der das neue Audi-SUV Q6 E-Tron produziert wird, hat Audi seine Jahrespressekonferenz durchgeführt. Dabei ging es allerdings nicht nur um die Marke mit den vier Ringen: Der Umsatz der Markengruppe Progressive im VW-Konzern (Audi, Lamborghini, Bentley, Ducati) ist im vergangenen Jahr auf 69,9 Milliarden Euro gestiegen. Das ist ein Plus von 13 Prozent. Allerdings sank der Gewinn von 7,6 auf 6,3 Milliarden Euro.
Der Rückgang resultiert fast ausschließlich aus sogenannten Rohstoffsicherungsgeschäften. Damit wappnet sich der Konzern gegen hohe Preisschwankungen auf dem Rohstoffmarkt. Die Umsatzrendite lag bei neun Prozent. Wie jedes Jahr schüttet Audi an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Gewinnbeteiligung aus. Für 2023 erhält jeder Beschäftigte 8840 Euro zusätzlich – so viel wie nie zuvor. Grundlage dafür ist die im Tarifvertrag festgelegte Berechnungsformel, die sich unter anderem am operativen Ergebnis orientiert.
"Audi steht robust da", sagte Audi-Chef Gernot Döllner bei der Bilanzvorlage. "2024 wird ein Jahr des Übergangs. Die Wirtschaft schwächelt, die Versorgungslage mit Bauteilen bleibt weiter schwierig, neue Wettbewerber fordern die etablierten Hersteller heraus." Zudem sei der Generationswechsel bei drei Kernbaureihen im laufenden Jahr schwierig. In Neckarsulm kommen A5 und A7 neu, in Mexiko startet der nächste Q5. „Wirtschaftlich, technologisch und strategisch stellen wir uns zukunftsfähig auf und bringen unsere neuen Produkte sukzessive auf die Straße“, so Döllner. Der Standort Neckarsulm sei "sehr flexibel aufgestellt", so Döllner. Nach den Verbrenner-Modellen A5 und A7 würden in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts sukzessive E-Autos für das Werk kommen.
Performance-Programm bei Audi: Rendite soll langfristig steigen
„Für das laufende Jahr erwarten wir einen Umsatz in der Größenordnung von 63 bis 68 Milliarden Euro“, sagt Finanzvorstand Jürgen Rittersberger. Die Umsatzrendite soll im Bereich von acht bis zehn Euro liegen. Damit dürfte der Gewinn in der Größenordnung des vergangenen Jahres liegen. Langfristig, so Rittersberger, soll die Rendite auf 14 Prozent steigen. Dafür habe der Konzern ein Performance-Programm gestartet, um weitere Kostenvorteile zu heben. Vor allem im Bereich der E-Autos sieht Rittersberger großes Potenzial, da über viele Marken des Konzerns hinweg dieselben Plattformen genutzt werden.

Bis 2028 investiert das Unternehmen 41 Milliarden Euro, vor allem für den Ausbau der Modellpalette. Zu den Absatzplanungen für 2024 macht Audi keine Angaben. Da aber die wichtigsten neuen Modelle erste in der zweiten Jahreshälfte voll verfügbar sein werden, dürfte die Zahl der Auslieferungen eher rückläufig sein oder stagnieren statt weiter zu wachsen.
Audi mit Absatzrekord – auch beim Tochterunternehmen in Neckarsulm
Der Absatz der Markengruppe Progressive ist im vergangenen Jahr um 17,1 Prozent auf 1,919 Millionen Fahrzeuge gestiegen. Audi hat 2023 weltweit etwas mehr als 1,895 Millionen Autos an Kundinnen und Kunden ausgeliefert. Damit feierte der Autobauer einen Absatzrekord. Die alte Höchstmarke aus dem Jahr 2017 lag bei 1,88 Millionen Autos. Größter Einzelmarkt für Audi war im vergangenen Jahr einmal mehr China mit knapp über 729.000 ausgelieferten Autos (+ 13,5 Prozent).
In Europa stieg die Zahl der Auslieferungen um fast 20 Prozent auf rund 748.000 Einheiten. Auf den Heimatmarkt Deutschland entfallen davon rund 252.100 Autos (+ 17,4 Prozent). Auch die Audi Sport GmbH mit Sitz in Neckarsulm verzeichnete für 2023 einen Absatzrekord. Das Tochterunternehmen, das für die besonders sportlichen Modelle zuständig ist, hat im vergangenen Jahr rund 48.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Das ist eine Steigerung von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Audi-Chef Döllner: "Zukunft des Autos ist ganz klar elektrisch"
„Uns ist bewusst, dass 2024 angesichts eines verschärften Wettbewerbs und weltwirtschaftlicher Unsicherheiten anspruchsvoll wird“, sagt Audi-Chef Gernot Döllner. „Umso wichtiger ist es, dass wir den Fokus auf die Profitabilität unserer Fahrzeuge legen.“ Nachdem in den vergangenen Jahren kaum ein neues Fahrzeug vorgestellt wurde, startet nun die größte Modelloffensive in der Geschichte des Unternehmens.
2024 und 2025 verjünge man das Portfolio mit zahlreichen neuen Modellen, blickt Audi-Chef Döllner in die Zukunft. „Im Mittelpunkt stehen unsere zukunftsweisenden Elektroautos“, so Döllner. Den Anfang hat der Q6 E-Tron gemacht, der am Montagabend seine Weltpremiere gefeiert hat. Im Sommer folgt der A6 E-Tron, den es als Limousine und Kombi geben wird. „Wir dürfen uns durch die Diskussionen, die derzeit geführt werden, nicht verunsichern lassen“, sagt der 55-Jährige. „Die Zukunft des Autos ist ganz klar elektrisch.“ Audi werde an dem Plan festhalten, 2026 seinen letzten Verbrenner vorzustellen und sich bis 2033 komplett von konventionellen Antrieben zu verabschieden.
Fokus auf China und USA
Besonderes Augenmerk will Audi künftig noch stärker auf den größten Einzelmarkt China und die USA legen. Zusammen mit dem chinesischen Partner SAIC will der Hersteller eigens für das Reich der Mitte entwickelte E-Autos auf den Markt bringen. Zudem eröffnet zum Jahreswechsel in Changchun das erste Werk in China, in dem nur vollelektrische Fahrzeuge produziert werden - den Q6 E-Tron und den A6 E-Tron. Viel Potenzial sieht das Unternehmen in den USA, "sowohl bei E-Autos als auch bei Verbrennern", so Döllner. Die Entscheidung für ein eigenes Werk in den Staaten sei aber noch nicht gefallen. "Wir bewerten verschiedene Szenarien, auch und vor allem auch im gesamten VW-Konzern." Vom Wahlausgang der US-Präsidentenwahl wolle man sich bei der Entscheidung nicht beeinflussen lassen. Nach Inforationen unser Zeitung soll auf einer Plattform der VW-Marke Scout ein kerniger Geländewagen im Stil der Mercedes G-Klasse entstehen. Das Fahrzeug mit dem Projektnamen "Hardqore" wird derzeit entwickelt.
Audi-Chef Döllner will technologische Leuchttürme
Die Zahl der ausgelieferten E-Autos mit den vier Ringen stieg 2023 um 51 Prozent auf rund 178.000 Einheiten. Der Anteil am Gesamtabsatz lag damit bei 9,4 Prozent. Nach Informationen der Heilbronner Stimme soll der Wert bis 2025 auf mindestens 15 Prozent steigen. Bis 2027, so Döllner, werde Audi in jedem Kernsegment ein E-Auto anbieten. Kommt unter anderem A4 E-Tron für die gehobene Mittelklasse. Zudem werden dann in Neckarsulm zwei luxuriöse E-Autos als Nachfolger des A8 produziert. Mehr noch: Mit einem Auto in Größe des heutigen A3 wird es ein elektrisches Einstiegsmodell geben.
„Ich wünsche mir zwei technologische Leuchttürme“, hat Audi-CEO vor einigen Wochen vor seinen Topmanagern gesagt. „Ein SUV und einen Sportwagen.“ Dem Vernehmen nach könnte sich bei dem SUV um das Modell mit dem Projektnamen Landjet handeln – einer der beiden Luxusstromer aus Neckarsulm. Zudem könnte es einen vollelektrischen Zweisitzer geben. Der könnte in ein paar Jahren am Standort Böllinger Höfe die Lücke schließen, die nun nach dem Produktionsende des R8 entsteht.
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