Audi baut ab Frühjahr 2024 keine neuen Kundensportautos mehr
Bei Audi stehen umfassende Änderungen beim Kundensport-Bereich bevor. Das hat auch Auswirkungen auf die 35 Beschäftigen in Heilbronn-Biberach, wo die Kundensportfahrzeuge derzeit aufgebaut werden. Wir haben die Hintergründe exklusiv recherchiert.

In den vergangenen Monaten ist viel über die Zukunft des Kundensports bei Audi spekuliert worden. In einigen Magazinen war gar von einem kompletten Aus die Rede. „Der Kundensport bleibt auch in Zukunft bestehen“, sagt Rolf Michl, Geschäftsführer der zuständigen Audi Sport GmbH und Motorsportchef der Marke mit den vier Ringen, im Gespräch mit der Heilbronner Stimme.
Allerdings werde es ab 2024 keine strategischen, vom Werk finanziell unterstützten Einsätze mehr bei 24-Stunden-Rennen wie auf dem Nürburgring oder in Spa geben. Zudem werden Bestellungen von Kundenteams für die Rennversionen der Audi-Modelle R8 und RS3 nur noch bis zum ersten Quartal 2024 abgearbeitet. Danach sind keine Neubestellungen mehr möglich. Diese Entscheidung hat der Audi-Vorstand am Montag (11.07.) getroffen.
Neues Betätigungsfeld für einen Teil der Beschäftigten

Das hat Auswirkungen für Audis Kundensport-Mannschaft, die in Heilbronn-Biberach die Fahrzeuge aufbaut. Da nach dem ersten Quartal 2024 die Fertigung der Rennfahrzeuge auf Basis des R8 und RS3 wegfällt, muss für einen Teil der rund 35 Beschäftigten ein anderes Betätigungsfeld gesucht werden. „Wir sind hier bereits in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat, um die Kolleginnen und Kollegen in neuen, motorsportnahen Projekten einsetzen zu können“, so Michl.
Vorstand will zeitnah über neue Projekte entscheiden
„Da wir weiterhin die technische Betreuung für unsere Kunden übernehmen und die Ersatzteilversorgung gewährleisten, werden einige Funktionen direkt in Biberach erhalten bleiben“, so Michl. Ziel sei es, die größtmögliche Zahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dort zu halten. „Zudem haben wir aktuell einige Projekte in der Bewertung, zu denen zeitnah eine Entscheidung des Vorstands geplant ist“, erzählt Michl.
Mit den Teams von der Audi Tradition und dem Motorsport-Marketing arbeitet man nach Informationen der Heilbronner Stimme an einem Konzept, um ab 2024 Rennfahrzeuge aus der Langstrecken-Ära von Audi in Le Mans und der DTM an Sammler zu verkaufen und diese Fahrzeuge in der Folge zu betreuen.
Kundenteams erhalten weiterhin Unterstützung
Am Dienstag hat Audi seine Teams, Partner, Fahrer und Sponsoren über die Veränderungen in Kenntnis gesetzt. „Der Fokus von Audi liegt in Zukunft klar auf der Formel 1. Da mussten wir uns mit dem Vorstand auch Gedanken um die gesamte Motorsport-Strategie machen und Projekte wie den Kundensport bewerten“, erklärt Rolf Michl. „Wir haben uns die Entscheidung definitiv nicht leicht gemacht. Angesichts der Fokussierung auf den Einstieg in die Formel 1 und dem Auslaufen der Serienversion des R8 im Frühjahr 2024 kann ich die Entscheidung nachvollziehen, persönlich stimmt es mich dennoch wehmütig.“
Der Sportwagen R8, der am Standort Böllinger Höfe in Heilbronn gebaut wird, erhält keinen direkten Nachfolger. „Wir werden Teams, die einen R8 LMS oder einen RS3 LMS einsetzen, aber weiterhin mit einem umfassenden Kundenservice versorgen“, stellt Motorsportchef Michl klar. „Sie erhalten neben den Ersatzteilen auch in Zukunft weiterhin technische Unterstützung vor Ort bei ihren Renneinsätzen durch unsere Kundenbetreuer und Ingenieure.“
Blick zurück auf die Anfänge
Das Kundensport-Programm von Audi startete im Jahr 2009. Zunächst konzentrierte sich Audi Sport Customer Racing mit dem R8 LMS auf den weltweit wachsenden GT3-Rennsport. Ende 2016 konnten die Teams erstmals den Audi RS3 LMS für die Tourenwagen-Klasse TCR erwerben. Seit Ende 2017 bildet der Audi R8 LMS GT4 ein weiteres Standbein im Programm. 2019 präsentierte Audi Sport den R8 LMS GT2. „Wir haben 15 spannende Jahre mit unzähligen Rennsiegen, Meistertiteln und Erfolgen rund um den Globus bei den großen Langstreckenrennen hinter uns“, sagt Chris Reinke, Leiter Audi Sport Customer Racing.
Zum 40. Geburtstag der Audi Sport GmbH war die Mannschaft bei den 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und zuletzt in Spa im Einsatz. „Am nächsten Wochenende geht es schon wieder weiter bei der GT World Challenge in Misano, Anfang August gastiert die DTM auf dem Nürburgring“, so Reinke. „2023 ist eine sehr betreuungsintensive Saison mit einem umfangreichen Rennprogramm unserer Kundenteams auf fünf Kontinenten.“
Wie geht es mit den Fahrern weiter?
Was aus den Audi-Werksfahrern wird, die bei verschiedenen Kundenteams auf der ganzen Welt zum Einsatz kommen, sei noch offen. „Wir werden jetzt mit allen ausführlich sprechen und individuell prüfen, welche Möglichkeiten es gibt“, sagt Reinke. Frank Stippler zum Beispiel ist auch in die Entwicklung der R- und RS-Modelle für die Serie eingebunden. Der Routinier ist dafür regelmäßig mit Prototypen für Testfahrten auf der Nordschleife des Nürburgrings unterwegs.
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