Audi definiert Luxus mit Offroad-Coupé neu
Audi hat am Donnerstagabend mit dem Activesphere Concept die Studie eines höhergelegten Luxus-Coupés enthüllt. Die Elektro-Plattform und die Ladetechnik sollen bald in Serienmodellen zum Einsatz kommen. Der Wagen überrascht mit vielen aufwendigen Details und Spielereien.

Elektrischer, digitaler, effizienter: Die Automobilindustrie steht vor der größten Transformation ihrer Geschichte. Audi wird ab 2026 nur noch vollelektrische Fahrzeuge auf den Markt bringen. Das hat zur Folge, dass das Unternehmen auch in der Oberklasse neue Wege geht. Wie das aussehen soll, hat die Marke mit den vier Ringen bereits mit drei "Sphere"-Studien gezeigt. Nun bricht Audi einmal mehr in neue Spähren auf und zeigt Nummer vier: Mit dem Activesphere Concept hat der Autobauer die Vision eines höhergelegten Luxus-Coupés enthüllt.
Vier Einzelsitze und viel Platz
Der 4,98 Meter lange, 2,07 Meter breite, aber nur 1,60 Meter hohe Wagen wurde ganz bewusst von innen nach außen gestaltet. Oberstes Ziel war, ein möglichst großzügiges Raumangebot zu schaffen für vier Passagiere, die auf Einzelsitzen Platz nehmen, deren Bezüge aus recycelten Materialien stammen. Das Raumgefühl ist in der Tat sehr luftig, auch dank drei Metern Radstand. Der Fahrer hat im Prinzip nichts vor sich, da der Wagen automatisiert fährt und das Lenkrad nur auf Wunsch per Knopfdruck filmreif nach oben ausfährt.
Analoge und digitale Welt verschwimmen

Ausprobieren konnten wir im Rahmen der Vorabpremiere auch eine spezielle Brille, mit der analoge und digitale Welt miteinander verschwimmen. Wer die Brille trägt, sieht während der Fahrt die reale Umgebung, die zum Beispiel um 3D-Grafiken für die Navigation erweitert wird. Selbst echte Drehregler für die Klimaanlage braucht es nicht mehr. Sie erscheinen vor dem virtuellen Auge - per Drehen wird es kälter oder wärmer. Die Brille lässt sich mitnehmen aus dem Auto und kann zum Beispiel bei der Fahrt auf einem Mountainbike-Trail für Zusatzinfos genutzt werden.
Elegante und kernige Optik
Von außen betrachtet haben die Designer die Eleganz eines Coupés mit rustikalen Elementen eines Offroaders kombiniert. Zur schwungvollen Seitenlinie gibt es mächtige 22-Zoller und fast 21 Zentimeter Bodenfreiheit. Und Türen, die wie von Geisterhand nach außen aufschwingen. Eine witzige Spielerei ist, wenn sich auf Knopfdruck beim Anheben des Wagens die schwarzen Planken entlang an der Seite wie grob verzahnte Kiefer öffnen. Beim Blick aufs Heck muss der Betrachter kurz nachdenken, die Augen schließen und alsbald kommt ihm der legendäre Porsche 928 in den Sinn.

Per Knopfdruck eine riesige Ladefläche
Apropos Heck. Ein Knopfdruck genügt, das Glasdach fährt nach oben und eine klappe nach unten und schon gibt der Wagen eine große, offen Ladefläche für Skier oder gar Fahrräder frei. Aber wie das Cockpit ist das erstmal eine Fingerübung der Designer und Techniker, um zu zeigen was zumindest theoretisch möglich wäre.
Plattform wird 2024 beim Q6 E-Tron verwendet
Denn während sicher nicht alle Designelemente in die Serie einfließen werden, gibt die Technik der Studie einen konkreten Ausblick auf die Zukunft. Die Basis für den Wagen bildet die gemeinsam mit der Konzernschwester Porsche entwickelte Plattform PPE (Premium Platform Electric). Sie kommt in der Serie erstmals zum Jahreswechsel beim Elektro-Macan von Porsche zum Einsatz, 2024 folgt das AUV-Modell Q6 E-Tron von Audi. Für 2025 stehen dann auf der PPE die beiden Stromer A4 E-Tron und A6 E-Tron auf dem Modellplan.
Mit bis zu 270 kW den Akku laden
Der elektrische Antrieb kommt auf 325 kW, also knapp 442 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 720 Newtonmetern. Kraft im Überfluss. Ein 100 kWh-Akku soll im Activesphere Concept für mehr als 600 Kilometer Reichweite sorgen. Angepeilt ist eher noch mehr. Geladen wird wie wie bei allen künftigen PPE-Fahrzeuge mit bis zu 270 kW. Die 800-Volt-Ladetechnik kommt bereits beim vollelektrischen Sportwagen E-Tron GT zum Einsatz, er wird am Standort Böllinger Höfe in Heilbronn produziert. Bei der jetzt vorgestellten Studie sollen zehn Minuten genügen, um Energie für mehr als 300 Kilometer Strecke aufzuladen. Um den Akkustand von fünf auf 80 Prozent zu bringen, sollen nach Angaben von Audi weniger als 25 Minuten vergehen.
Vorbote für elektrischen Audi A8

Der Activesphere Concept ist mittlerweile die vierte Sphere-Studie. Ein Luxus-Roadster ist der Skysphere, der Urbansphere ein riesiger Van. Mit die größten Serienchancen hat der Grandsphere: Er gilt als Vorbote für einen elektrischen Nachfolger des Topmodells A8 aus Neckarsulm. Eine Entscheidung über den Wagen und den Produktionsstandort soll noch im Frühjahr fallen. Derzeit wird das Auto unter dem Projektnamen Landyacht entwickelt. "Das ist ein Fahrzeug, das sicher sehr gut zu Neckarsulm passen würden", sagt Audi-Chef Markus Duesmann.
Optisch bricht das Auto mit allem, was man in diesem Segment seither gewohnt war. Klassische Limousine war einmal. Der 5,35 Meter lange, zwei Meter breite, aber nur 1,39 Meter hohe und mit ganz wenigen Linien gezeichnete Luxusliner verbindet Elemente von Limousine und Coupé. Einer der führenden Köpfe hinter dem Projekt ist Marc Lichte. "Audi war immer dann erfolgreich, wenn wir mutig waren", sagt der Designchef und verspricht, dass mindestens 80 Prozent des Designs des Grandsphere in die Serie übergehen sollen.


Stimme.de
Kommentare