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R. Stahl verlässt Arbeitgeberverband und treibt Neuausrichtung voran

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Wenige Wochen nach Amtsantritt präsentiert Vorstandschef Claus Bischoff sein Zukunftsprogramm für den Explosionsschutzspezialisten R. Stahl. Dazu gehört auch der Austritt aus der Südwestmetall. Das sorgt für Kritik.


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Der Hohenloher Explosionsschutzspezialist R. Stahl steht vor einer der größten Veränderungen seiner jüngeren Unternehmensgeschichte: Wenige Wochen nach seinem offiziellen Amtsantritt hat der neue Vorstandsvorsitzende Claus Bischoff der Belegschaft in Waldenburg am Donnerstag sein Zukunftsentwicklungsprogramm vorgestellt und zugleich den Austritt des Unternehmens aus dem Arbeitgeberverband bekanntgegeben.

Den Schritt begründete Bischoff damit, dass das börsennotierte Unternehmen in einer hochspezialisierten Nische sei, in der sich eine abrupte Gewichtsverschiebung in Richtung Asien und Amerika ergeben habe. „Damit wir weiter  erfolgreich sind, brauchen wir spezielle Lösungen für uns, die sehr stark im internationalen Kontext zu treffen sind“, erklärte Bischof in einem Gespräch mit Medienvertretern. Das Thema Personalwesen werde das Unternehmen auf dem neuen Weg „gemeinsam mit unseren Partnern vom Betriebsrat in die eigene Hand nehmen“.

Der neue Vorstandschef Claus Bischoff hat den noch etwa 900 Mitarbeitern am Standort in Waldenburg am Donnerstag sein Zukunftsprogramm vorgestellt.
Der neue Vorstandschef Claus Bischoff hat den noch etwa 900 Mitarbeitern am Standort in Waldenburg am Donnerstag sein Zukunftsprogramm vorgestellt.  Foto: R.Stahl

R. Stahl verlässt Südwestmetall: 2025 haben Tarifparteien erst den Zukunftstarifvertrag erneuert 

Bischoff, der die Mitarbeitenden als wichtigste Säule des Unternehmens bezeichnet, möchte nach eigenen Worten eine wertschätzende Leistungskultur etablieren. „Wir haben die Entscheidung jetzt auf dem Tisch – und müssen alle schauen, wie wir damit zurechtkommen“, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Nikolaus Simeonidis zu der Entwicklung. Er erinnerte auch daran, dass R. Stahl schon einmal aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten war, später aber zur Südwestmetall zurückkehrte.

Personalleiter Holger Angrick wies in dem Zuge aber auch darauf hin, dass der Explosionsschutzspezialist schon in der Vergangenheit mit dem Flächentarifvertrag seine Schwierigkeiten hatte. Entsprechend hatte das Unternehmen einen Zukunftstarifvertrag mit Betriebsrat und IG Metall ausgearbeitet, dem die Belegschaft zugestimmt hat. „Die Belegschaft arbeitet zwei Stunden länger, also 37 Stunden, und wird für 35 Stunden bezahlt“, sagte er.

IG Metall kritisiert den Schritt als Tarifflucht – Bischoff widerspricht 

Die Vereinbarung hatten die Parteien im Zuge des Abbauprogramms, bei dem im vergangenen Jahr 82 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen hatten, erneuert. Der Zukunftstarifvertrag gilt demnach bis 2030 – die Verantwortlichen wollen daran auch festhalten, machten Bischoff und Angrick deutlich. Allerdings bestehe die Möglichkeit, dass die Gewerkschaft von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch macht.

Die IG Metall verurteilt den Austritt aus der Südwestmetall aufs Schärfste, sagte Betriebsbetreuer Stefan Horny der Heilbronner Stimme auf Anfrage. „Für uns ist das klar Tarifflucht und eine Flucht aus der Verantwortung, dafür habe ich kein Verständnis“, sagt Horny, der auch politischer Sekretär der IG Metall Schwäbisch Hall ist. Genau das soll es nach Angaben von Claus Bischoff aber nicht sein – selbst wenn der Blick auf die Geschäftszahlen von R. Stahl auch einen gewissen Kostendruck des Unternehmens erkennen lassen.

Seit Anfang des Jahres ist Dr. Claus Bischoff Vorstandsvorsitzender, er soll das Unternehmen transformieren und in eine erfolgreiche Zukunft führen.
Seit Anfang des Jahres ist Dr. Claus Bischoff Vorstandsvorsitzender, er soll das Unternehmen transformieren und in eine erfolgreiche Zukunft führen.  Foto: R. Stahl

Bischoff betont aber: „Wir werden Leistung wertschätzen, die das Unternehmen nach vorne bringt, und wollen das noch verstärken“. Eine gewisse Beinfreiheit sei bei der Neuausrichtung aber wichtig, sagt der Vorstandsvorsitzende. Wie der gesamte deutsche Mittelstand müsse sich auch R. Stahl den strukturellen Herausforderungen und einer stärker werdenden internationalen Konkurrenz stellen.

Explosionsschutzspezialist ist in absolutem Wachstumsmarkt unterwegs

„Wir müssen das Unternehmen in die Lage versetzen, von den attraktiven internationalen Märkten zu profitieren“, sagt Bischoff. Der Vorstandsvorsitzende plant eine dezentrale Positionierung des Hohenloher Unternehmens. Der Explosionsschutz bleibe das Herz von R. Stahl, Waldenburg das Hauptquartier, das einen Rahmen vorgibt und die Skalierung, Exzellenz und Stabilität sicherstelle.

Ende vergangener Woche hatte der Hohenloher Explosionsschutzspezialist mitgeteilt, dass der Aufsichtsrat den Vorsitzenden Peter Leischner von seinen Aufgaben als Vorsitzenden des Kontrollgremiums entbunden hat. Grund seien „unterschiedliche Sichtweisen über die zukünftige Arbeit des Aufsichtsrats“ gewesen, hieß es in einer kurzen  Mitteilung nach der Sitzung. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender ist der bisherige Stellvertreter Peter Hofmann, neuer Stellvertreter ist Dennis Stahl aus der Gründerfamilie des Unternehmens.

Eigenständige Tochtergesellschaften sollen erfolgversprechende Märkte selbstständig bearbeiten. „Die Märkte sind da, wo wir nicht sind“, sagt Bischoff mit Blick auf die Chancen des Unternehmens in Asien und Amerika. Angefeuert von Megatrends wie Digitalisierung, Automatisierung und kritischer Infrastruktur habe R. Stahl jedoch das Glück, in einem Wachstumsmarkt unterwegs zu sein, der sich bis 2030 verdoppeln dürfte. „Wo gibt es das schon“, fragt Claus Bischoff. Er will das Unternehmen als Lösungsanbieter für Mechatronik-Produkte positionieren.

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