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USB-C-Stecker ab jetzt Pflicht: Mulfinger EU-Abgeordnete erklärt die Vorteile

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Handys, Kameras und Lautsprecher müssen ab 28. Dezember einen USB-C-Anschluss haben. Was eine EU-Abgeordnete aus Mulfingen damit zu tun hat und was Nutzer wissen müssen.


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Viele Geräte haben ihn schon, ab Samstag (28. Dezember) ist er offiziell Pflicht: Der USB-C-Anschluss. So regelt es eine Verordnung der EU, die dann gilt. Egal ob Handy, Tablet, Kamera, Kopfhörer, Videokonsole, tragbarer Lautsprecher, E-Reader, Navi, Tastatur oder Maus, sie alle müssen künftig den gleichen Anschluss haben.

Bis dahin war es ein langer Weg mit vielen Wendungen. Schon 2009 plante die EU-Kommission, ein einheitliches Ladekabel vorzuschreiben. Doch die Verhandlungen mit den Herstellern zogen sich. Ausgerechnet Apple soll damals laut dem Tech-Journalisten John Gruber maßgeblich an der Entwicklung von USB-C beteiligt gewesen sein. Letztlich entschied sich Apple aber, auf seinen hauseigenen Lightning-Stecker zu setzen und blockierte somit jahrelang das Einheitskabel. 

Mulfinger EU-Abgeordnete Evelyne Gebhardt kämpfte jahrelang für USB-C-Pflicht

Die langjährige SPD-Europaabgeordnete Evelyne Gebhardt aus Mulfingen ließ das nicht gelten. Sie kämpfte als Berichterstatterin im Binnenmarktausschuss jahrelang für die USB-C-Pflicht, bis zu ihrem Rückzug im Jahr 2022. „Es war für die Bürgerinnen und Bürger immer ein Kreuz, so viele unterschiedliche Kabel in der Schublade zu haben“, sagt Gebhardt heute im Gespräch mit unserer Redaktion. Für die Umwelt sei es wichtig, dass künftig weniger Elektroschrott anfällt. „Wir müssen alles unternehmen, dass die Welt für unsere Kinder und Enkelkinder lebenswert bleibt.“

Dass es mehr als ein Jahrzehnt gedauert hat, zeigt für die SPD-Politikerin, dass Selbstverpflichtungen der Industrie nichts bringen. „Das war mir immer klar.“ Trotz vieler Gespräche und Überzeugungsarbeit sei letztlich die EU-Verordnung nötig gewesen. „Aber jetzt gilt sie und das freut mich sehr!“

Schluss mit dem Kabelsalat: Künftig funktionieren die allermeisten Elektrogeräte in der EU mit demselben Stecker, dem USB-C-Standard.
Schluss mit dem Kabelsalat: Künftig funktionieren die allermeisten Elektrogeräte in der EU mit demselben Stecker, dem USB-C-Standard.  Foto: Jens Büttner

Apple nimmt ältere iPhone-Modelle wegen USB-C-Pflicht vom Markt

Verbrauchern dürfte kaum auffallen, dass USB-C künftig per Gesetz verpflichtend ist. Die allermeisten Hersteller setzen schon lange auf das Kabel, bei dem es egal ist, wie rum man es in die Buchse steckt. Nur Apple wartete beim iPhone bis zuletzt, erst das im vergangenen Jahr erschienene 15er-Modell hat den neuen Anschluss verbaut.

Am Freitag (27. Dezember) kündigte der Konzern zudem an, die nicht allzu alten Modelle iPhone 14, 14 Plus und iPhone SE vom Markt zu nehmen, weil sie noch mit Lightning-Kabeln funktionieren.

Heilbronner erklärt, warum USB-C nützlich ist

Doch USB-C ist nicht gleich USB-C, auch wenn es so aussieht. Das weiß Armin Feucht, Vorstand des Heilbronner Vereins Computer Club 86. Der Verein versammelt rund 30 technikbegeisterte Mitglieder, die sich zwei Mal die Woche treffen. „Man kann jedes Gerät über das gleiche Kabel laden. Das macht es einfacher“, sagt Feucht. Unterschiede gebe es jedoch beim Übertragen von Daten. Ein Kabel, das Geräte schnell auflädt, könnte bei der Datenübertragung langsamer sein, erklärt Feucht - oder umgekehrt. 

Dass Hersteller inzwischen nur noch selten ein Ladegerät mitliefern, ist laut Feucht ein Vorteil. „Die mitgelieferten Ladegeräte sind oft nicht die besten.“ Wer noch keinen Ladestecker hat, könne sich so den passenden aussuchen und zum Beispiel auf den Stromverbrauch achten. Das gleiche gelte für Kabel zur Datenübertragung, hier gebe es schnellere und langsamere.  

Tipp: Alte Kabel nicht mehr ersetzen, sondern USB-C-Adapter zulegen

Nutzer müssten sich aber keine Sorgen machen, etwas falsch zu machen: Kabel verschiedener Geräte können getauscht werden, ohne dass etwas passiert. Die im USB-C-Kabel verbaute Technik sorge dafür, dass eben langsamer aufgeladen oder Daten übertragen werden. „Das Kabel weiß, was es kann“, fasst es Armin Feucht zusammen. Insgesamt sei USB-C flexibler als bisherige Standards. Für Laptops ist USB-C ab April 2026 Pflicht.

Falls das Ladekabel eines alten Geräts kaputt geht, empfiehlt Feucht einen Adapter von USB-A (der herkömmliche breite USB-Anschluss) auf USB-C. Dieser sei meist günstiger und auch vielseitiger einsetzbar, als wenn man das alte Kabel ersetzt.

Das EU-Parlament begründet die USB-C-Pflicht damit, dass tonnenweise Elektroschrott vermieden wird, weil die Kabel universell einsetzbar sind. Haushalte in der EU würden dadurch rund 250 Millionen Euro im Jahr sparen. Kritik kommt vom Digitalverband Bitkom. Er befürchtet, dass durch den politisch vorgeschriebenen Standard die Entwicklung schnellerer Ladetechniken blockiert werden könnte.

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