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Magna-Werk Rosenberg: Verkauf statt Schließung? IG Metall warnt vor Unsicherheit

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Das Magna-Werk in Rosenberg (Neckar-Odenwald-Kreis) soll möglicherweise verkauft statt geschlossen werden. Für die rund 230 Beschäftigten bedeutet das Hoffnung – aber auch große Verunsicherung. Verhandlungen starten am 2. Dezember.


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Eigentlich war das Aus des Werks von Magna Powertrain beschlossene Sache. Doch nun steht plötzlich ein Verkauf des Standorts im Raum. Die Unsicherheit in der Belegschaft und bei der IG Metall ist groß.

Im Oktober 2024 hatte die Geschäftsführung des österreichisch-kanadischen Autozulieferers der Belegschaft in Rosenberg verkündet, dass das Powertrain-Werk bis Ende 2026 aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wird. Rund 350 Menschen waren damals noch im Magna-Werk im Neckar-Odenwald-Kreis beschäftigt. In der Folge wurde ein Sozialplan ausgehandelt und ein Freiwilligenprogramm vereinbart. „Damit konnten die Beschäftigten privat planen“, auch wenn es nicht schön gewesen sei, teilt die IG Metall Tauberbischofsheim mit. Der Arbeitgeber habe einen Teil der Beschäftigten gebeten, bis zur Schließung Ende 2026 zu bleiben, um Restaufträge abzuarbeiten.

Es besteht die Chance auf ein Fortbestehen des Magna-Standorts Rosenberg

Nun aber stellt sich die Situation anders dar. „Der Arbeitgeber Magna Powertrain hat den Beschäftigten am Standort Rosenberg am Donnerstag, den 13.11.2025 in einer Versammlung mitgeteilt, dass es Chancen auf das Fortbestehen des Unternehmens gibt“, teilt die Gewerkschaft mit. Verschiedene Szenarien seien erläutert worden. „Der IG Metall ist nicht bekannt, inwiefern diese Pläne Bestand haben“, heißt es. „Ständig erfährt man etwas Neues. Es ist schwer zu sagen, so oder so wird es kommen. Das weiß nur der Arbeitgeber selbst“, sagt die zuständige Gewerkschaftssekretärin Birgit Adam.

Es gebe Hoffnung bei vielen der aktuell noch rund 230 Beschäftigten, aber auch große Ungewissheit. „Es treibt sie die Sorge um, ob dieses nur eine kleine Atempause ist und man anschließend doch auf der Straße steht“, sagt Birgit Adam. Es gebe viele Beschäftigte, deren Frust und Enttäuschung so groß seien, dass sie für sich persönlich keine weitere Zusammenarbeit in Rosenberg sehen, sagt die Gewerkschafterin. 

Angeblich hat das Beteiligungsunternehmen Mutares Interesse am Magna-Werk in Rosenberg

Der Magna-Konzern teilt auf Stimme-Anfrage mit: „Die Geschäftsleitung in Rosenberg analysiert und bewertet derzeit mögliche Szenarien, um die Zukunft des Werks zu sichern.“ Weitere Aussagen könnten zum jetzigen Zeitpunkt nicht getätigt werden, sagte der Sprecher. Wie die „Fränkischen Nachrichten“ berichten, soll das Beteiligungsunternehmen Mutares aus München Interesse an einer Übernahme des Magna-Standorts in Rosenberg haben.

Das Private-Equity-Unternehmen ist spezialisiert auf die Übernahme und Restrukturierungen von Abspaltungen von Industrieunternehmen und hat bereits 2021 und 2023 vier Magna-Werke gekauft. Eine offizielle Bestätigung für das Interesse von Mutares gibt es nicht. Wie die „Fränkischen Nachrichten“ weiter berichten, seien die Maschinen im Rosenberger Magna-Werk zum Teil veraltet, zudem seien Hallendächer undicht.

Das Hin und Her der Magna-Führung verärgert die Mitarbeiter

Was Betriebsrat und IG Metall besonders ärgert: Die verbliebenden Mitarbeiter hatten darauf vertraut, dass sie Ende 2026 mit der Sozialplanabfindung gehen können. Später sei ihnen von der Geschäftsleitung dann mitgeteilt worden, dass sie keine Abfindung bekämen, weil man den Betrieb nun verkaufe und doch nicht schließe. „Darüber haben sich viele Betroffene sehr geärgert“, sagt Birgit Adam.

Bei der Versammlung am 13. November sei zudem deutlich geworden, dass das Management keine erkennbare Zukunftsstrategie für den Standort habe. „Ganz im Gegenteil, in aller Offenheit wurde den Menschen erklärt, dass man Ideen habe, aber keine Aufträge sicher erkennbar sind“, teilt die Gewerkschaft mit. Die IG Metall erkennt grundsätzlich die Chance auf eine Zukunft in Rosenberg an. 

„Die Chance ist nicht bezifferbar und nicht unterlegt, aber es ist eine Chance. Und das gilt es doch zunächst einmal anzuerkennen“, sagt Birgit Adam. IG Metall und Betriebsrat seien der Meinung, dass die Beschäftigten ein berechtigtes Interesse an der Chance-Risiko-Abwägung hätten und Magna die Risiken für die Beschäftigten minimieren müsse, damit das Konzept insgesamt tragfähig sei.

Ab 2. Dezember wird über die Zukunft des Magna-Standorts Rosenberg verhandelt

Die Arbeitgeberseite habe Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IG Metall zugestimmt, die Gespräche sollen am 2. Dezember beginnen. Dabei geht es den Arbeitnehmervertretern vor allem um Sicherheit für die Beschäftigten, eine faire Behandlung jener Mitarbeiter, die nicht ein neues Unternehmen gehen wollen, und Klarheit über die künftigen Arbeitsbedingungen, insbesondere die Bindung an den Flächentarifvertrag.

„Wir sind froh, dass der Arbeitgeber erklärt hat, zu Verhandlungen aller drei Punkte bereit zu sein“, sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jürgen Art. Das sei die einzige Möglichkeit, Ruhe in den Betrieb zu bekommen. Um dies zu gewährleisten, dürfe ein großer Konzern wie Magna nicht mit spitzem Bleistift rechnen, sagt Art.

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