Schwarz übernimmt Handelskette in Rumänien – was die Neckarsulmer planen
Die Schwarz-Gruppe startet eine dritte Handelssparte: Die Neckarsulmer haben die Mehrheit an La Cocos in Rumänien übernommen. Anders als in allen früheren Fällen bleibt der Namen bestehen.
Die Schwarz-Gruppe hat die Mehrheit am rumänischen Handelsunternehmen La Cocos übernommen. Das teilte der Neckarsulmer Handelsriese am Dienstag mit.
Das 2014 gegründete Unternehmen betreibt derzeit sieben Filialen im Balkanland mit 1400 Mitarbeitern und erzielte vergangenes Jahr den stolzen Umsatz von 300 Millionen Euro.
Schwarz-Gruppe übernimmt La Cocos und stärkt Präsenz im rumänischen Einzelhandel
Das Besondere an La Cocos ist sein Konzept: Der Händler ist ein Anbieter im Hypercash-Segment. Dieses zeichnet sich durch große Verkaufsflächen und ein gestrafftes Produktsortiment von rund 12.000 Artikeln aus. Die einfache Warenpräsentation ermögliche es La Cocos, Betriebskosten zu minimieren und diese Einsparungen in Form niedrigerer Preise an die Kunden weiterzugeben, heißt es in der Mitteilung.
Das mache das Angebot sowohl für private Haushalte als auch für Kleinunternehmen attraktiv. Durch gestaffelte Rabatte je nach Abnahmemenge spreche das Konzept besonders preissensible Kunden an.
Was Schwarz mit dem Hypercash-Konzept plant
Das Hypercash-Modell solle gemeinsam mit dem aktuellen Management innerhalb Rumäniens ausgebaut werden. Auch die Filialmitarbeiter werden nach der Übernahme im Unternehmen beschäftigt bleiben, kündigt die Schwarz-Gruppe an.

Christian Groh, Vorstandsvorsitzender Schwarz Corporate Solutions, geht aber noch weiter: „Darüber hinaus haben wir auch die internationale Expansion mit dem Hypercash-Geschäftsmodell im Blick.“ Dieses Konzept biete großes Potenzial für andere europäische Märkte und solle daher auch in anderen Ländern etabliert werden.
„Es handelt sich um ein strategisches Marktinvestment.“
Daher werde La Cocos als eigenständiges Unternehmen weitergeführt, wird angekündigt. „Das ist neu“, sagt der Handelsexperte Carsten Kortum, Professor an der DHBW Heilbronn. „Bislang wurden übernommene Handelsketten immer auf Kaufland oder Lidl umgeflaggt.“ So sei es zuletzt in großem Umfang mit Real-Märkten geschehen. „Es handelt sich weniger um eine reine Marktanteilsakquisition, sondern vielmehr um ein strategisches Formatinvestment – mit Potenzial, die Wettbewerbsarchitektur in mehreren europäischen Märkten nachhaltig zu beeinflussen“, meint der Handelsprofessor.
Mögliche Antwort auf einen US-Wettbewerber
„Innerhalb des Ökosystems der Schwarz-Gruppe ergänzt La Cocos die bestehenden Formate strategisch sinnvoll“, erklärt Kortum weiter: „Lidl steht für maximale Effizienz auf begrenzter Fläche, Kaufland für Vollsortiment und große Angebotsbreite. La Cocos positioniert sich dazwischen – großflächig, aber sortimentsfokussiert; preisaggressiv, aber volumengetrieben.“ Ein ähnliches Konzept verfolgt der US-Handelskonzern Costco. Die Investition der Schwarz-Gruppe sei auch als eine Antwort auf deren Investitionen in Europa zu bewerten, meint der Handelsexperte: „Die Schwarz-Gruppe hätte für eine weitere Europaexpansion von Costco eine Antwort im Köcher.“
„Die Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Schwarz-Gruppe eröffnet uns neue Perspektiven für Wachstum und Weiterentwicklung“, sagt Iulian Nica, Geschäftsführer von La Cocos. „Gemeinsam können wir die Expansion von La Cocos beschleunigen.“ Noch in diesem Jahr sollen die nächsten Filialen eröffnen.
Kaufland ist in Rumänien bereits stark vertreten
Damit tritt La Cocos vor allem gegen Kaufland an: Die Großflächensparte der Schwarz-Gruppe betreibt nach eigenen Angaben etwa 190 Märkte in Rumänien. Das Land zählt somit zu den wichtigsten Auslandsgesellschaften von Kaufland. „Eine mögliche Kannibalisierung von Kaufland-Standorten in Rumänien muss sorgfältig beachtet werden“, warnt daher Carsten Kortum. Langfristig wird entscheidend sein, ob das Hypercash-Modell in anderen Ländern adaptiert werden kann oder ob es stark an die rumänischen Marktgegebenheiten gebunden bleibt. Eine Lösung nur für den Markt in Rumänien ohne Skalierung würde dauerhaft keinen Bestand haben.“ Studien hätten gezeigt, dass eher eine Anpassung einer Handelslinie an regionale Gegebenheiten funktioniert als eine Erweiterung um weitere Betriebstypen.
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