Kampagne in Zuckerfabrik Offenau endet – Enttäuschung bei Rübenbauern
Die Zuckerfabrik Offenau hatte die kürzeste Kampagne aller deutschen Südzucker-Standorte. Dabei sah es im Juni noch gut aus. Doch die Hoffnungen wurden enttäuscht.
Am Ende waren es gerade einmal 97 Tage: Vom 17. September bis zum 23. Dezember dauerte die Rübenkampagne in der Zuckerfabrik Offenau – und war damit die kürzeste aller sieben deutschen Fabriken. Im gesamten Südzucker-Konzern war es die drittkürzeste nach Fabriken in Polen und Moldawien.
Dabei läuft die Kampagne in Deutschland noch in den Fabriken in Zeitz, Wabern und Plattling, berichtete Rainer Schechter, Leiter der Division Zucker, bei der Winterversammlung des Verbands baden-württembergischer Zuckerrübenanbauer. Und der Rückblick fiel eher ernüchternd aus: Die Zuckerpreise sind gesunken, während Schädlinge und Krankheiten den Rüben auf dem Feld zusetzten.

„Insgesamt kann ich Zufriedenheit bei den Zuckerrübenbauern feststellen“, erklärte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Es habe gute Erträge gegeben, teilweise mehr als 100 Tonnen pro Hektar. „In Baden-Württemberg sieht es aber anders aus“, schränkt er ein. Das erneute Auftreten der Schilfglasflügel-Zikade habe zu massiven Ernteeinbrüchen geführt, gerade rund um Ludwigsburg und Heilbronn. „Bei den meisten Betrieben war die Enttäuschung groß.“ Im Schnitt gab es nur 68 Tonnen je Hektar mit unterdurchschnittlichen Zuckergehalten. „Es war eine kurze Kampagne, die wir schnell abhaken müssen.“
„SBR hat wieder brutal zugeschlagen.“
„Im Juni hatte jeder das Gefühl, es könnte ein Spitzenjahr werden“, ergänzte Schechter. „Aber dann hat SBR wieder brutal zugeschlagen.“ Das Kürzel steht für „syndrom baisse richesse“ und beschreibt das Phänomen, dass in den Zuckerrüben nur wenig Zucker eingelagert wird. Die Folge: Im gesamten Konzern werden in dieser Kampagne zwar voraussichtlich 78 Tonnen Rüben pro Hektar geerntet, ein Prozent mehr als im Vorjahr, aber der Zuckergehalt geht um fünf Prozent auf 15,6 Prozent im Schnitt zurück, wie Schechter der Versammlung zeigte. Daher werde die Zuckererzeugung im Konzern nach vorläufigen Zahlen bei 3,8 Millionen Tonnen stagnieren, obwohl die Anbaufläche im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 373 000 Hektar zunahm. „Es war wieder ein besonderes Anbaujahr mit extrem hohen Erträgen und niedrigen Zuckergehalten“, fasste er zusammen.
Rote Zahlen in der Zuckersparte
Und nicht nur die Krankheiten setzten der Rübe zu. Auch der Preis auf dem Weltmarkt spielte nicht mit. „Wir hatten viel Zucker erzeugt, aber konnten ihn nicht vollständig absetzen“, berichtete Schechter. Denn der Markt sei gut versorgt gewesen, so dass Kunden auf sinkende Preise setzten – und Recht behielten: Seit Mai 2023 gingen die Kurse zurück und erreichten erst diesen November einen Tiefpunkt, von dem es nun allmählich wieder aufwärts geht. Gleichzeitig sorgten steigende Energiekosten für mehr Belastungen. Die Folge: Nach einem Rekordjahr wird für das laufende Jahr mit roten Zahlen in der Zuckersparte gerechnet. Das hatte Südzucker bereits mit den Zahlen für das dritte Quartal bekanntgegeben.
Anbaufläche wird verringert
„Weltweit wächst der Zuckerverbrauch, aber in Europa stagniert er“, sagte Schechter weiter. Elf europäische Staaten haben inzwischen eine Zuckersteuer eingeführt, Verbraucher verzichteten ohnehin häufiger auf Zucker, Hersteller senken den Anteil in ihren Rezepturen. „Das einzige, was wir da tun können, ist die Menge zu beeinflussen“, so der Divisionsleiter. „Nur eine geringere Zuckermenge wird dazu führen, dass wir mit Zucker Geld verdienen. Unsere Produktion muss runtergehen.“
Innerhalb der Landesgesellschaften von Südzucker läuft auch schon alles darauf hinaus. Wie Schechter ankündigte, werden für das neue Jahr sowohl in Deutschland als auch in Belgien und in Frankreich die Flächen um 15 Prozent reduziert, in Polen wird sogar ein Minus von 20 Prozent angestrebt.
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