Schwarz-Digits-Chef bei IHK Heilbronn – ein Nerd mischt die Wirtschaftsbosse auf

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Schwarz-Digits-Chef Rolf Schumann erzählt beim IHK-Frühjahrsempfang, welche Entwicklungen KI momentan nimmt und wie er die Zukunft sieht. Und das alles unter besonderen Begleitumständen.


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Der Mann ist wichtig. So wichtig, dass schon vor seinem Eintreffen Personenschützer das Umfeld scannen, die Anfahrt mit Limousine und Begleitfahrzeug erfolgt und kein Fotograf es wagt, seine Kamera zu heben. Wo Rolf Schumann auftritt, herrscht Sicherheitsstufe: Der Co-Chef von Schwarz Digits ist nicht nur einer der höchstrangigen Manager der Schwarz-Gruppe, sondern arbeitet eng mit der Bundesregierung, der Bundeswehr und zahlreichen Firmen und Organisationen der sogenannten kritischen Infrastruktur in Fragen von Cybersicherheit und Hackerabwehr zusammen.

Kein Wunder also, dass er beim Frühjahrsempfang der IHK Heilbronn-Franken einen launigen, kurzweiligen Vortrag über Datensicherheit und KI hält, der wie aus dem Stegreif wirkt. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Kammer verschwindet Schumann gleich wieder, eng eskortiert von seinen bulligen Personenschützern. 

Rolf Schumann bei IHK Heilbronn: „Die wichtigste Ressource der Welt ist nicht mehr Öl, sondern es sind die Daten“

Dabei sieht der 52-Jährige das Thema an sich durchaus locker. „Ich versuche, Mut zu machen, aber auch die realistische Sicht zu schildern und zum Nachdenken anzuregen“, fasst er es zusammen. Es geht dabei nicht nur um Künstliche Intelligenz – denn die sei ja nur das Tool, also das Werkzeug, meint der IT-Experte, der schon beim Softwarekonzern SAP als eine Art Trendscout dem Vorstand zuarbeitete. „Die wichtigste Ressource der Welt ist nicht mehr Öl, sondern es sind die Daten“, sagt er. „Aus Daten erzielt man Erkenntnisse.“

Rolf Schumann, Chef von Schwarz Digits, erläuterte seine Sicht auf die Entwicklung bei Künstlicher Intelligenz.
Rolf Schumann, Chef von Schwarz Digits, erläuterte seine Sicht auf die Entwicklung bei Künstlicher Intelligenz.  Foto: Heiko Fritze

Das laufe ja auch in der Schwarz-Gruppe, etwa mit der Lidl-App. „Wir haben von Tag 1 an den Daten-Deal gemacht“, erzählt Schumann: „Der Kunde gibt uns seine Daten und bekommt etwas dafür. Und irgendwann finden wir heraus, warum jemand etwas nicht bei uns kauft.“

Warum Schwarz von Microsoft zu Google wechselte

Dass gerade Deutschland da sehr empfindlich sei, kann der Schwarz-Manager nur schwer nachvollziehen – einerseits. Schließlich blockiere das Land sich dadurch immer wieder selbst. „Wir brauchen den Mut, nicht immer alle Risiken ausschließen zu wollen“, mahnt er mehrfach. Doch da sind andererseits die Daten der Schwarz-Gruppe selbst – und da zieht Schumann doch die Zugbrücke hoch.

Dass die Handelsgruppe von Microsoft zu Google gewechselt sei, hänge unmittelbar damit zusammen – nur Google wollte akzeptieren, dass alle Daten in Europa bleiben, verschlüsselt bleiben und Zugriffe von Externen blockiert werden, berichtet er. „Ich arbeite nur mit denen zusammen, mit denen wir bei unseren Wertvorstellungen übereinstimmen“, stellt er klar.

Warum Deutschland noch Chancen hat

Doch inwieweit sind Daten überhaupt noch sicher? Dass Anthropic seine neueste KI-Version zurückgezogen habe, nachdem klar war, dass damit alle Verschlüsselungen in wenigen Minuten geknackt werden können, quittiert Schumann mit einem Lächeln. „So weit ist KI eben schon“, meint er. „Und wir verstehen oft nicht, was hier gerade passiert.“ 

Also alles schon gelaufen? Dem widerspricht Schumann. Deutschland habe Talente, sei stark in IT-Technologie. „Das ist der Grund, warum wir bei Schwarz in Deutschland Geld verbuddeln“, spielt er auf das Milliarden-Projekt des Rechenzentrums in Brandenburg an. „Wir müssen an uns glauben. Wir haben alles in der Hand, und wir werden, wenn wir unsere Tugenden ausspielen, nicht als Verlierer untergehen.“

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