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Gebrauchtwagen stark nachgefragt: Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge immer beliebter

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Der Handel mit gebrauchten Fahrzeugen ist ein wichtiges Standbein für Kfz-Betriebe. Stationärer Vertrieb und Angebote übers Internet werden immer mehr verzahnt. Ein Blick in die Branche.


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Ein Entkommen ist so gut wie unmöglich, wenn man viel im Internet surft, man Filme oder Serien streamt. Fast jeder hat die Werbung schon gesehen. Mit einem freudigen „Hey“ kommt der Mann im orangefarbenem Pullover ins Bild gelaufen. Sein Gegenüber blickt erstaunt auf: „Ralf Schumacher?“, fragt der andere Mann erstaunt. Und schon holt der ehemalige Formel-1-Rennfahrer sein Handy aus. „Du willst wissen, wie viel dein Auto wert ist?“, fragt er. Sein Gegenüber ist sofort begeistert und antwortet deutlich: „Jaaaaa.“

Wer dieser Tage auf der Plattform Youtube ein Video startet oder eine Serie bei Amazon Prime Video schaut oder durchs lineare Privatfernsehen zappt, der dürfte am Werbespot mit Ralf Schumacher gar nicht mehr vorbeikommen. Der frühere Rennfahrer ist seit mehr als zwei Jahren das bekannte Werbegesicht für die Gebrauchtwagenplattform „Wir kaufen dein Auto“. Insbesondere in den vergangenen Monaten jedoch scheint das Unternehmen fast jeden freien Werbeplatz aufgekauft zu haben, den es im Internet gibt. Das Thema Autohandel ist damit quasi omnipräsent.

2025: Mehr als 6,5 Millionen Besitzumschreibungen von Gebrauchtwagen

Dank eines extrem starken Dezembers ist die Zahl der neu zugelassenen Pkw in Deutschland 2025 leicht gestiegen. Immer beliebter werden Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge. Insgesamt lag die Zahl der Neuzulassungen mit rund 2,9 Millionen Autos 1,4 Prozent über dem Vorjahr. Deutlich höher sind indes die Zahlen des Gebrauchtwagenmarktes.

Im vergangenen Jahr verzeichneten Branchenexperten ein solides Volumen mit mehr als 6,5 Millionen Besitzumschreibungen. Der Markt zeigte sich stabil und verzeichnete besonders im Jahresverlauf leichte Zuwächse bei den verkauften Pkw, wobei die Standzeiten der Fahrzeuge zum Jahresende hin leicht abnahmen.

Assenheimer + Mulfinger: Nachfrage nach Gebrauchten „äußerst robust“

„Der Gebrauchtwagenhandel bleibt auch in Zukunft ein wichtiges Standbein für uns“, sagt Marcel Stadtmüller, Geschäftsführer des Autohauses Assenheimer + Mulfinger mit Stammsitz in Heilbronn. Seit Jahresbeginn verzeichnet Stadtmüller auch im Vergleich zu 2025 ein sehr stabiles Geschäft. Die Nachfrage sei „äußerst robust“. Eine Entwicklung, die für den Handelsexperten nicht überraschend kommt und die auch Kollegen aus der Region bestätigen. „Über alle Marken hinweg sind die Neuwagenpreise in den vergangenen Jahren gestiegen“, sagt Stadtmüller. „Das beflügelt natürlich auch den Handel mit gebrauchten Modellen.“ Sowohl Neu- als auch Gebrauchtwagen würden letztlich das wichtige Werkstattgeschäft der Autohäuser auslasten, erklärt Geschäftsführer Stadtmüller.

Bei Assenheimer + Mulfinger kommen 50 Prozent der Interessenten für Gebrauchtwagen über das Internet, sowohl über die großen Plattformen wie „Autoscout24“ oder „Mobile.de“, aber auch die firmeneigene Internetpräsenz, wie Marcel Stadtmüller berichtet. Die andere Hälfte komme direkt zum stationären Handel. „Das Internet spielt natürlich eine immer wichtigere Rolle“, sagt er. „Dort werden vor allem Preise verglichen, die Interessenten verschaffen sich einen ersten Eindruck. Der Verkauf findet aber in aller Regel direkt beim Händler statt. Die Kundinnen und Kunden wollen ihr künftiges Fahrzeug selbstverständlich in Augenschein nehmen und eine Probefahrt unternehmen.“

Autoexperte: „Ohne Onlinebörsen geht heutzutage nichts mehr“

Trotz der eigenen Internetpräsenz käme man als Händler um die großen, nationalen Plattformen nicht herum, meint Stadtmüller. Marktführer in Deutschland ist derzeit  „Mobile.de“ mit rund 1,5 Millionen Fahrzeugen auf der Seite, mit 1,2 Millionen Fahrzeugen folgt dahinter „Autroscout24“. „Das Gebrauchtwagengeschäft bleibt in der Zukunft ein wichtiger Baustein für die Händler“, sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

„Ohne Onlinebörsen geht heutzutage nichts mehr, ungeachtet der Größe des Händlers. Das gehört zu einem guten Gebrauchtwagen-Management dazu.“ In Zukunft gelte es, den stationären Handel mit den Angeboten im Internet noch stärker zu verzahnen, so der Autoexperte. „Jeder Standtag eines Autos kostet Geld. Professionell betrieben mit der richtigen Platzierung im Internet gehen Fahrzeuge in der Regel schneller vom Hof“, sagt Bratzel. Der Direktor des CAM sieht aktuell eine starke Konsolidierung unter den Händlern – es entstehen immer mehr große Autohausgruppen, den kleinen Händler mit einem Betrieb gibt es kaum noch.

Preise für Gebrauchtwagen sind 2025 in Deutschland leicht gesunken

Die Preise für Gebrauchtwagen sind 2025 in Deutschland leicht gesunken. Im vierten Quartal lag der durchschnittliche Angebotspreis mit 27.626 Euro zwar wieder leicht über dem Niveau der Vormonate, insgesamt aber rund 0,2 Prozent unter dem Vorjahr, wie der Online-Marktplatz „Autoscout24“ anhand von Nutzerdaten ermittelt hat.

Deutlich stärker ist der Preis bei E-Autos gefallen. Für gebrauchte Stromer wurden im Dezember im Schnitt 33.503 Euro aufgerufen, rund fünf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bei vielen beliebten Modellen sanken die Preise im Jahresvergleich deutlich. Trotzdem bleiben E-Autos im Durchschnitt etwa 5900 Euro oder 23 Prozent teurer als der Durchschnitt der Fahrzeuge aller Antriebsarten.

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