R. Stahl hat ein strukturelles Problem
Durch Stellenabbau plant R. Stahl in Waldenburg, Kosten zu sparen. Hohe Personalkosten sind nur eines von vielen Problemen in der Firma, findet unser Autor.
Die Auftragslage schwach, die Personalkosten hoch: Mit dem Abbau von etwas mehr als 80 Stellen will der Explosionsschutzspezialist R. Stahl bis Mitte 2026 zehn Millionen Euro einsparen. Die Maßnahme allein mit einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld zu begründen, greift allerdings zu kurz. Das Unternehmen hätte die personelle Restrukturierung aufgrund seiner Struktur früher angehen müssen.
An seinen Kosten hat der Explosionsschutzspezialist in den vergangen Jahren geschraubt – durchaus mit Erfolg. Die Materialkosten hat das Unternehmen inzwischen im Griff. Doch der geschaffene Puffer reicht in diesen Zeiten nicht aus, es rächt sich, dass die Geschäftsleitung sich bisher nicht an die Personalkosten getraut hat. Dabei war auch dem Vorstand immer klar, dass diese einen großen Einsparhebel bedeuten. Für einen Stellenabbau aber fehlte in der Vergangenheit schlicht das Geld – ein chronisches Leiden des Konzerns.
Im Aufsichtsrat sehen die Aktionäre den Hauptschuldigen für die Misere
Dahinter steckt ein strukturelles Problem, das auch den Aktienkurs in Mitleidenschaft zieht, der sich erst halbierte und inzwischen auf einem bescheidenen Niveau dahindümpelt. Dividenden schüttet das schon chronisch klamme Unternehmen schon lange keine mehr aus. Im Aufsichtsrat, in dem nur die Gründerfamilien vertreten sind, hatten die Aktionäre zuletzt den Schuldigen für die jahrlange Misere gefunden. Sie warfen dem Gremium fehlende Expertise, Investitionsdefizite und Strategielosigkeit vor. Die Gründerfamilien halten die Minderheit der Aktien, weshalb die Mehrheit der Aktionäre sich nicht repräsentiert fühlt.
Vor über zehn Jahren verhinderte das Gremium eine Übernahme des Explosionsspezialisten, auch die späteren Rufe nach einer Kapitalerhöhung verhallten im Nichts. Ohne frisches Geld aber wird R. Stahl nur in Minischritten vorankommen. Dem Vorstand um Mathias Hallmann sind die Hände gebunden, Expansionspläne lassen sich oft nur in homöopathischen Dosen umsetzen. Das wiegt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten doppelt schwer.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare