Magna schließt Werk in Rosenberg endgültig – 220 Mitarbeiter verlieren Job
Der geplante Verkauf des Powertrain-Werks von Magna in Rosenberg ist gescheitert. Nun kündigt der Autozulieferer die Schließung des Werks mit rund 220 Mitarbeiter an. IG Metall und Betriebsrat kritisieren die Geschäftsführung scharf.
Das Aus für den Magna-Standort Rosenberg ist besiegelt. Wie die IG Metall Tauberbischofsheim am Donnerstag mitteilte, wurde die Belegschaft am Mittwoch über die endgültige Schließung des Magna-Powertrain-Werks im Neckar-Odenwald-Kreis informiert. Rund 220 Mitarbeiter verlieren damit ihren Job. Die Gewerkschaft kritisiert das Magna-Management scharf.
Die Verkaufsgespräche mit einem Investor für das Magna-Werk sind gescheitert
Bis zuletzt hatte das der kanadisch-österreichische Autozulieferer über einen Verkauf des schwächelnden Werks verhandelt. Dem Vernehmen nach hatte die Beteiligungsgesellschaft Mutares aus München Interesse an einer Übernahme des Standorts. Dieser sei jedoch abgesprungen, berichtet die IG Metall mit Verweis auf die Informationsveranstaltung am Mittwoch. Über die Gründe für den gescheiterten Verkauf nach langen Verhandlungen ist nichts bekannt.

Magna bestätigte auf Stimme-Anfrage, „dass das Unternehmen den Mitarbeitenden am Standort Rosenberg die schwierige Entscheidung mitgeteilt hat, den Betrieb einzustellen und den Standort zu schließen“. Diese Entscheidung sei nach einer umfassenden Überprüfung der langfristigen Zukunftsfähigkeit des Werkes vor dem Hintergrund schwankender Branchendynamiken und der allgemeinen Geschäftsaussichten erfolgt, teilt Magna mit.
Im Rosenberger Powertrain-Werk werden Schaltgetriebe für Verbrenner produziert
Magna hatte die Schließung des Werks in Rosenberg bis spätestens Ende 2026 bereits Ende 2024 beschlossen und bekanntgegeben. Am Standort werden Schaltgetriebe für diverse Automobilhersteller produziert. Aufgrund der schwachen Marktlage für Verbrennerautos – erst recht solchen mit Schaltgetrieben – war das Werk schwach ausgelastet und hatte kaum eine Zukunftsperspektive.
Wie die IG Metall Tauberbischofsheim mitteilt, habe man vor diesem Hintergrund bereits vor rund fünf Jahren gemeinsam mit dem Betriebsrat einen Transformationsprozess angestoßen. „Aus unserer Sicht wäre es frühzeitig notwendig gewesen, neue Märkte mit neuen Produkten zu erobern“, sagt die zuständige Gewerkschafterin Birgit Adam. Es habe aber bereits damals schon den Anschein gehabt, dass der Magna-Konzern kein großes Interesse an einem solchen Prozess habe, berichtet sie.
Magna Rosenberg: 100 Mitarbeiter sind bereits über ein Freiwilligenprogramm ausgeschieden
Nach der Verkündung der Schließungspläne Ende 2024 wurde zwischen Unternehmen und Betriebsrat ein Interessenausgleich und ein Sozialplan vereinbart. Im Zuge eines Freiwilligenprogramms waren damals rund 100 Beschäftigte aus dem Betrieb ausgeschieden. In der Folge hatte Magna einen Verkauf des Werks geprüft. Nach Angaben der IG Metall mit dem Ziel, dass ein Verkauf für den Konzern günstiger sei als die Schließung, die mit hohen Kosten etwa für Abfindungen und eine Transfergesellschaft verbunden ist.
Wie Magna mitteilt hätten die Verkaufsgespräche mit potenziellen Investoren nicht zu einer „tragfähigen Alternative“ geführt. Gewerkschafterin Birgit Adam kritisiert das Vorgehen des Konzerns scharf. „Uns hat das notwendige Maß an sozialer Verantwortung für die Menschen, die diesen Arbeitsplatz behalten wollten, und für die Region, gefehlt.“ Die Stimmung am Standort sei unterschiedlich. Es gebe Mitarbeiter, die froh seien, dass sie nun mit einer Abfindung ausscheiden könne, die es bei einem Verkauf nicht gegeben hätte. Es gebe aber auch viele Beschäftigte, die gerne am Standort Rosenberg weitergearbeitet hätten, betont die Gewerkschafterin.
IG Metall und Betriebsrat: Konzern hatte kein Interesse an konstruktiven Lösungen
IG Metall und Betriebsrat hätten bis zuletzt versucht, konstruktive Lösungen zu finden, der Arbeitgeber habe sich diesen Gesprächen jedoch verschlossen. Dieses Verhalten des Konzerns und die unsichere Situation habe zu hoher Unruhe in der Belegschaft gesorgt, sagt der Betriebsratsvorsitzende Thomas Schmitt. „Wir bedauern, dass Magna sich scheinbar mit dem Kaufinteressenten nicht auf einen Kaufvertrag einigen konnte und somit wohl endgültig die Schließung des Standorts folgen wird“, sagt er. Die Schließung sei nicht nur bedauerlich für die rund 220 betroffenen Beschäftigten, sondern für die ganze Region.
Das Magna-Werk in Rosenberg wird in den nächsten zwei Jahren abgewickelt
Wie Magna mitteilt, werden die Aktivitäten in Rosenberg in den kommenden zwei Jahren schrittweise heruntergefahren. Der Schließungstermin werde mit allen Beteiligten abgestimmt. „Magna verpflichtet sich zu größtmöglicher Transparenz während dieses gesamten Prozesses und wird gemeinsam daran arbeiten, wo immer möglich Unterstützung zu leisten“, heißt es vom Konzern. „Wir werden weiterhin die Interessen der Beschäftigten über die gesamte anstehende Phase vertreten, werden Beratungen auch sozialrechtlicher Natur anbieten und auch den Betriebsrat bei seiner weiteren Tätigkeitunterstützen“, kündigt Gewerkschafterin Birgit Adam an.
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