Wie lokale Kreislaufwirtschaft Unternehmen den Weg aus der Rohstoff-Falle bereitet
Was wie ein kompaktes Industrieprodukt aussieht, trägt eine schwere unsichtbare Last: 177 Kilogramm CO₂. EBM-Papst zeigt beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer, wie Kreislaufwirtschaft Industrieprodukte radikal verändern kann.
Der kompakte Radial-Ventilator, den Tomas Smetana zum Gipfeltreffen der Weltmarktführer nach Schwäbisch Hall mitgebracht hat, ist in Wahrheit ein Riese. Das knappe Zentner Eigengewicht hat das Produkt aus dem Hause EBM-Papst gut kaschiert – doch der weit größere Gewichtsanteil ist nicht einmal ansatzweise zu erkennen. Der steckt in einem unsichtbaren Rucksack und ist von besonderer Bedeutung.
„Wir haben dem Ventilator 177 Kilogramm CO₂. in den Rucksack gelegt“, sagt der Technikvorstand des Hohenloher Herstellers von Ventilatoren und Motoren. „Ich wiege 80 Kilo, das sind mehr als zwei Tomas Smetanas“, verdeutlicht Smetana auf der Bühne der Bausparkasse, auf der er mit Niclas-Alexander Mauß, einem der Gründer des Start-ups Circular Republic steht. Zusammen sprechen sie über die lokale Kreislaufwirtschaft als Antwort auf globale Krisen.

Chinas verschärfte Exportbeschränkungen legen Abhängigkeit offen
Diese sowie die zunehmende Verknappung kritischer Rohstoffe haben die Verletzlichkeit internationaler Lieferketten zuletzt deutlicher denn je gemacht. Die von China Mitte 2025 verschärften Exportbeschränkungen für seltene Erden haben die Abhängigkeit vieler Industriezweige offengelegt. Ein Warnsignal nicht nur für EBM-Papst, sondern für die gesamte deutsche Wirtschaft. „Rohstoffknappheit hat mit jedem Unternehmen zu tun“, macht Mauß deutlich.
Eine gute Nachricht hat der Co-Founder für die Unternehmen aber auch im Gepäck: „Die Kreislaufwirtschaft ist ein ganz massiver Hebel.“ Der Recyclinganteil von wichtigen Rohstoffen liege mitunter bei null Prozent – erste Projekte bei Siemens und BMW wirken dem entgegen. Und bei EBM-Papst. Es geht um den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft, die Materialien und Produkte möglichst lange im Umlauf behält und sowohl Ressourcenverbrauch als auch Abfälle deutlich reduziert. Der unscheinbare Ventilator auf der Bühne verdeutlicht, wie das gehen kann.
„Die Kreislaufwirtschaft ist ein ganz massiver Hebel.“
Niclas-Alexander Mauß
Nachhaltiges Wirtschaften beginne bereits bei der Entwicklung neuer Produkte, Weichen für die Kreislaufwirtschaft stelle das Produktdesign, nicht der Recyclingprozess. „Daher betrachten wir den kompletten Lebenszyklus von der Entwicklung bis zur Wiederverwendung und setzen dabei auf die konsequente Nutzung der Digitalisierung“, sagt Tomas Smetana in Schwäbisch Hall. So ließen sich bereits in der frühen Phase Materialabhängigkeiten reduzieren und Reparatur- sowie Wiederverwendungsfähigkeit systematisch mitdenken.
EBM-Papst senkt Fußabdruck um mehr als 90 Prozent – Steigerung noch möglich
Ein besonders wirksamer Ansatz ist die Aufbereitung von Produkten, die bereits im Feld eingesetzt wurden. Durch diesen Schritt könne der CO₂.-Fußabdruck eines Ventilators um mehr als 90 Prozent gesenkt werden. „Wir tauschen nur Lagerung und Elektronik aus“, sagt Smetana. In der Peripherie seien viele Komponenten nicht beansprucht und bleiben erhalten. Zwar weise der kleine aufbereitete Riese auf der Bühne vielleicht äußerlich leichte Spuren auf – im Inneren aber sei er auf neu und auf neuestem Stand.
„Die nächste Stufe ist, dass wir Teile der Elektronik wiederverwenden“, sagt Smetana. Doch auch ohne diesen Schritt ist der Gewinn immens: für die Natur, den Standort und neue Geschäftsfelder. Die Kreislaufwirtschaft, betont Mauß, sei auch für Kunden sinnstiftend. Er fordert die Unternehmer mit den Worten „just do it“ entsprechend auf, einfach mit der Kreislaufwirtschaft loszulegen und sich entsprechende Partner zu suchen.
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