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Wie die Heilbronner Firma Knorr zur Weltmarke wurde und dann zu Unilever kam

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Die Traditionsmarke Knorr aus Heilbronn steht vor einem möglichen Verkauf durch Unilever. Bereits in der Vergangenheit prägten Übernahmen, Umbau und strategische Entscheidungen die Entwicklung des Standorts. Ein Rückblick.


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Die Heilbronner Traditionsmarke Knorr könnte bald wieder einen neuen Besitzer bekommen. Der Unilever-Konzern bestätigte am vergangenen Freitag, dass Verkaufsgespräche über seine Lebensmittelsparte laufen

Knorr in Heilbronn: Von der Erbswurst zum Brühwürfel

Heilbronn und Knorr – das ist eine nahezu untrennbare Geschichte. Hier hat Carl Heinrich Theodor Knorr am 29. August 1838 sein „Specereiwaaren-Geschäft“ eröffnet und damit den Grundstein für die Marke gelegt. Anfang der 1870er Jahre experimentierte er mit gewürzten Mehlen aus Grünkern, Erbsen, Linsen, Bohnen und Tapioka und bot sie – verpackt und gebrauchsfertig – unter der Schutzmarke „Bienenkorb“ an, dem ersten Knorr-Warenzeichen. Sie waren die Vorläufer der heutigen Fertigsuppe.


Den großen Durchbruch brachten in den 1880er Jahren schließlich Fertigsuppen wie die „Patent-Sparsuppe Victoria“ und vor allem die legendäre Erbswurst. Mit der gut zu lagernden und bestens transportierbaren Erbswurst läutete Knorr das Zeitalter des Fertiggerichts ein. Das Unternehmen expandierte im In- und Ausland. Vertriebsstellen, Lager und Fabriken entstanden unter anderem in Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz und später auch in New York. 1911 wird der Brühwürfel ins Sortiment aufgenommen, zu dem damals auch Hafermehl und Nudeln gehören. Der Erste Weltkrieg sorgt dann gleich für Großaufträge: Knorr liefert bis zu 200.000 Feldrationen pro Tag aus.

Unilever und Knorr: Übernahmen seit Maizena prägen Standort Heilbronn

Der amerikanische Maizena-Konzern kaufte sich ab den 1920er Jahren schrittweise bei Knorr ein und übernahm die C. H. Knorr AG Ende der 1950er Jahre komplett. Aus Maizena wurde CPC und schließlich Bestfoods. Im Jahr 2000 verleibte sich schließlich der britisch-niederländische Unilever-Konzern das Unternehmen ein – mehr als 20 Milliarden Euro legte der Konsumgüterhersteller dafür auf den Tisch. Der damalige Unilever-Deutschland-Chef Johann Lindenberg gehörte hinter den Kulissen zu den Befürwortern des Kaufs: Die Marke und das Heilbronner Entwicklungszentrum waren das Ziel seiner Begierde.

Dass Unilever aber nicht unbedingt an seinen Marken hängt, wurde schon 2006 klar, als die Tiefkühlmarke Iglo an den Finanzinvestor Permira verkauft wurde. 2017 wurden die Margarinemarken Rama und Lätta abgegeben.

Suppenwürfel-Herstellung bei Knorr in den 1950er Jahren.
Suppenwürfel-Herstellung bei Knorr in den 1950er Jahren.  Foto: Unilever

Nach Knorr-Übernahme: Schleichende Demontage des Standorts Heilbronn

Mit der Übernahme von Knorr begann dann auch die schleichende Demontage des Standorts Heilbronn: Der Deutschlandsitz wurde nach dem Kauf rasch zu Unilever nach Hamburg verlagert. Suppenfabrik, Entwicklung und Großverbrauchersparte blieben noch lange vor Ort, noch 2008 wurden sechs Millionen Euro in die Versuchsküche investiert. Zum 175. Firmengeburtstag 2013 zählte der Standort 1200 Mitarbeiter, davon 600 im Werk, 240 im Großkundengeschäft, 120 im Logistikzentrum und 240 in der Versuchsküche.

Doch ein Jahr später begannen die harten Einschnitte. Als erstes traf es die Großverbrauchersparte, in der 70 Stellen wegfielen. 2015 sorgte höhere Automatisierung für den Wegfall von 65 Stellen im Werk. 2017 wurde gleich die gesamte Großküche geschlossen – 220 Jobs fielen damals weg, sie wurden in die Niederlande verlagert. Der separate Gebäudekomplex auf der anderen Seite der Knorrstraße wird seitdem nicht mehr genutzt. 2018 zog auch die Großverbrauchersparte mit damals noch 80 Beschäftigten ab, 2019 stellte Unilever die Verwaltungsgebäude an Knorr- und Sontheimer Straße zum Verkauf. Ende 2019 stand schließlich die komplette Fabrik vor der Schließung. Nur dank gemeinsamer Anstrengungen von Belegschaft, Gewerkschaften und Stadtgesellschaft gelang es 2020, das Ende abzuwenden.

Ende 2019 stand die Knorr-Fabrik vor der Schließung. Nur dank gemeinsamer Anstrengungen und Demonstrationen von Belegschaft, Gewerkschaften und Stadtgesellschaft gelang es 2020, das Ende abzuwenden.
Ende 2019 stand die Knorr-Fabrik vor der Schließung. Nur dank gemeinsamer Anstrengungen und Demonstrationen von Belegschaft, Gewerkschaften und Stadtgesellschaft gelang es 2020, das Ende abzuwenden.  Foto: Veigel, Andreas

Knorr in Heilbronn: Wende nach 2020

Seitdem tut sich wieder was auf dem Gelände: Es wird investiert, die Anlagen werden modernisiert, freiwerdende Gebäude finden neue Mieter. Inzwischen können sogar Anwohner in der öffentlichen Werkskantine Mittag essen. Nur eine hat nicht überlebt: Die Produktion der Erbswurst endete 2018.

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