Kaufland zentralisiert den Vertrieb – „operatives Erdbeben“
Das Handelsunternehmen will schneller und schlanker werden und schafft deshalb die Regionen ab. Zahlreiche Top-Manager sind von der Umstrukturierung bei Kaufland betroffen.
Kaufland stellt sich neu auf, um den Herausforderungen des Marktes gerecht zu werden. Wie mehrere Medien berichten, steuert das Handelsunternehmen den Vertrieb und die Logistik ab sofort zentral aus Neckarsulm. Die Regionen wurden demnach abgeschafft.
Bereits im Sommer 2025 hatte Kaufland aus den sechs Vertriebsregionen Nord, Ost, Mitte, Süd-Ost, Süd-West und West die drei Regionen West, Ost und Süd gemacht. Nun stellt sich die Großflächen-Sparte der Schwarz-Gruppe unter dem Motto „Kaufland macht sich schlank“ neu auf. Kaufland bestätigte auf Stimme-Anfrage die Veränderungen im Unternehmen.
Ex-Kaufland-Chef spricht von einem „operativen Erdbeben“
Der frühere Kaufland-Chef Frank Lehmann schreibt auf seinem Linked-in-Kanal von einer der „radikalsten Umstrukturierungen in der Unternehmensgeschichte“. Mit dem Schritt soll Kaufland mit seinen mehr als 780 Filialen in Deutschland schneller, effizienter und kundennäher werden. Dem „Kahlschlag“, wie Lehmann es bezeichnet, fallen auch Top-Manager zum Opfer.
So haben die Chefs der drei Vertriebsgebiete Nicole Krauss (Süd), Ralph Zill (Ost) und Martin Pralow (West) das Unternehmen bereits verlassen – in beiderseitigem Einvernehmen, wie es heißt. Der Abgang der drei Manager, die in der Branche einen ausgezeichneten Ruf genießen, ist für den Ex-Kaufland-Chef ein „operatives Erdbeben“, fällt damit doch eine komplette Hierarchieebene weg. Diese Top-Personalien hätten intern und extern für Erstaunen gesorgt, schreiben Lehmann und auch die „Lebensmittelzeitung“.
Kaufland ordnet weitere Vertriebsbereiche und die Logistik neu
Doch dabei bleibt es nicht. Kaufland streicht auch die Ebene der Vertriebsgeschäftsführer zusammen. Künftig wird es nur noch neun statt wie bisher 16 Vertriebsgeschäftsführer geben. Und in der Logistik berichten die Leiter der sechs regionalen Kaufland-Logistikzentren in Möckmühl, Geisenfeld, Osterfeld, Lübbenau, Barsinghausen und Dortmund und des Nonfood-Lagers in Donnersdorf nach Angaben der „Lebensmittelzeitung“ an den neuen Logistik-Geschäftsführer Gerhard Kunkel in Neckarsulm. Kunkel kam erst im Herbst 2025 von Fressnapf zu Kaufland.
Mit der umfassenden Umstrukturierung erhofft sich Stefan Hoppe, seit 2025 Geschäftsleitungsvorsitzender von Kaufland Deutschland, mehr Tempo und Durchgriff sowie eindeutige Verantwortlichkeiten. „Mit den Veränderungen im operativen Vertriebsgeschäft stärken wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Verkaufsflächen, die sich so noch mehr auf das Filialgeschäft und die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden fokussieren können. Die Verantwortlichkeiten sind jetzt klarer geregelt, unsere Strukturen schlanker und Arbeits- und Entscheidungsprozesse einfacher gestaltet. Wir schaffen damit flache Hierarchien und kurze Kommunikationswege zwischen unserer Zentrale und den Filialen”, sagt Heiko Koch, Geschäftsleiter Vertrieb, Logistik und SCM bei Kaufland Deutschland.
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