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Nachfolger-Sorgen im Mittelstand: Katastrophe für die Volkswirtschaft

  
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Kaum jemand ist mehr bereit, unternehmerischen Mut aufzubringen. Das gefährdet den deutschen Mittelstand, meint unser Autor.

Selbstständigkeit? Nein Danke! Immer weniger Menschen in Deutschland wollen ein eigenes Unternehmen führen.
Selbstständigkeit? Nein Danke! Immer weniger Menschen in Deutschland wollen ein eigenes Unternehmen führen.  Foto: Arne Dedert

Eine Zahl genügt, um die Dramatik deutlich zu machen: 231.000 Unternehmen in Deutschland droht das Aus, weil kein Nachfolger da ist – und zwar nur in diesem Jahr. Es trifft in erster Linie den Mittelstand, der zu Recht das Rückgrat der deutschen Wirtschaft genannt wird. Wohl jeder kennt einen Bäcker, Metzger, Maler- oder Baubetrieb, bei dem die Licht ausgingen, weil der Inhaber altersbedingt aufhörte und keinen Nachfolger fand.

Der Mittelstand droht wegzubrechen

Ganz abgesehen von der Tragik des Einzelfalls, wo ganze Lebenswerke in sich zusammenfallen und unzählige Mitarbeiter vor der Arbeitslosigkeit stehen, ist diese Entwicklung eine Katastrophe für die deutsche Volkswirtschaft. Denn ohne die kleinen und mittleren Betriebe, die sich mehrheitlich durch Heimattreue und besondere Loyalität gegenüber ihren Mitarbeitern auszeichnen, wäre Deutschland nicht die drittstärkste Volkswirtschaft der Welt.

Überraschend ist diese nicht neue Entwicklung freilich nicht. Unternehmertum, Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind in unserem Land selten geworden. Die meisten jungen Menschen wählen lieber sichere Jobs im öffentlichen Dienst oder in einem Großunternehmen statt mit einer eigenen Firma selbst ins Risiko zu gehen. Der Staat fördert diese Tendenz durch immer höhere bürokratische Auflagen, die Unternehmern das Leben schwer machen. Unternehmerischer Mut wird dadurch ausgebremst statt unterstützt.

Start-ups sind wichtig, können die Lücke aber nicht schließen

Klar, es gibt ein reges Gründungsgeschehen in Deutschland, wie die Campus Founders in Heilbronn exemplarisch zeigen. Doch hier entstehen vor allem Technologieunternehmen, die in Zukunft eine immer größere Rolle spielen werden. Das klassische Handwerk, den mittelständischen Maschinenbauer oder Einzelhändler können sie nicht ersetzen. Die Lücke wird größer, und sie wird die Struktur unserer Wirtschaft verändern.

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