Deep Racer Cup Heilbronn: Schüler und Studenten programmieren KI-Fahrzeuge
Beim Deep Racer Cup bei Audi in den Böllinger Höfen treten Teams um die schnellste Rennrunde eines Modellautos an, das sie mit ihrer KI gefüttert haben. Hinter dem Spiel stecken aber auch handfeste Interessen.
Der kleine rote Flitzer ist ein bisschen widerspenstig. Die Gerade rollt er in Schlangenlinien runter, biegt dann wie gewünscht scharf nach links ab, beschleunigt aber und kracht in die Bande. Damit hat er die Fahrbahn verlassen: Der Wagen wird wieder auf die Strecke gesetzt, zuckelt los und hält einigermaßen die Spur. Erkennbar orientiert sich das Gefährt an den gelb-orangenen Linien des Mittelstreifens. Und schafft es durch alle Schikanen hindurch über die Ziellinie.
Was so spielerisch aussieht und an Rennen mit ferngesteuerten Autos erinnert, ist Hightech in Aktion: Beim Deep Racer Cup treten Teams nicht mit selbstgebauten Fahrzeugen an, sondern mit selbst programmierter Künstlicher Intelligenz. Die Aufgabe: Ihr Programm soll live lernen, das vom Veranstalter gestellte Fahrzeug so zu lenken, dass es in der Spur bleibt. Drei Minuten hat jedes Team Zeit, dann wird die schnellste der absolvierten Runden in die Wertung aufgenommen.
Künstliche Intelligenz lernt Rennfahren: Schüler und Studenten beim Deep Racer Cup von Audi
Ein Studentenspaß? Ein Treffen von Nerds? Felix Spitznagel weist das weit von sich. „Ziel ist, KI erlebbar zu machen“, erklärt der Geschäftsführer von XL2, einer gemeinsamen Beratungsgesellschaft von Audi und Capgemini. Hierzu haben sich Audi, XL2 sowie AWS, die Cloudsparte von Amazon, zusammengeschlossen. Schließlich richtet der US-Handelsgigant schon seit einigen Jahren einen Deep Racer Cup in den USA aus. Die Heilbronner Variante, die zum zweiten Mal stattfindet, richtet sich aber vor allem an Schüler und Studenten – und heißt folglich ganz korrekt Deep Racer Students Cup.
Audi stellte dazu wieder die Räumlichkeiten auf den Böllinger Höfen zur Verfügung: Während es im Foyer und in einigen anderen Räumen Vorträge und Diskussionen gibt, flitzen die kleinen Autos auf den beiden Rundkursen in der Produktionshalle. Die Strecken sind vorgegeben und entsprechen den Trainingsstrecken, auf denen die Bewerber zuvor online trainieren konnten. Von den rund 100 Interessenten qualifizierten sich auf diesem Weg 42 je zweiköpfige Teams, darunter fünf Schülergruppen.

KI erlebbar machen: Veranstalter wollen Technikinteresse bei jungen Menschen wecken
Beworben wurde das Rennen altersgruppengemäß – in Schulen und Hochschulen, auf Portalen wie Linkedin, über die Campus Founders und die Programmierschule 42. „Das Gute ist: Man muss kein Autoexperte sein, sondern bloß Interesse am Machine Learning haben“, sagt Spitznagel. „Der Algorithmus versucht dann, die Fahrtstrecke zu optimieren.“
In der Halle zeigt sich aber rasch: Virtuelle Tests und das wahre Leben sind zwei verschiedene Welten. Streulicht kann die Kameras verwirren, kurz nach Rennbeginn versagt eines der beiden Fahrzeuge völlig den Dienst. Der XL2-Chef hofft, dass sich die Teams davon nicht entmutigen lassen und den Spaß an diesem speziellen Programmieren behalten. „Wir werden dies brauchen. Autonomes Fahren funktioniert ganz ähnlich.“
In den Fachvorträgen geht es aber nicht nur um das Fahren. Amir Bechedli und Daniel Holl berichten von den ersten Erfahrungen von Audi mit dem Thema AI-Robotics. „Wir stehen noch ganz, ganz am Anfang“, erzählt Bechedli. „Die Systeme funktionieren, sind aber noch sehr fehleranfällig.“ Die Böllinger Höfe seien hier für Audi das Reallabor für Konzepttauglichkeit. Innerhalb der Kleinserienproduktion seien Versuche möglich, bei denen es auch mal Fehler geben dürfe, um daraus zu lernen. Von einer Pilotanlage sollen die Systeme dann hochskaliert werden, auch in die anderen Marken des VW-Konzerns.
Audi will jungen Talenten mehr Möglichkeiten bieten: „Man muss den Leuten ein Ventil bieten“
Noch aber dämpft der Programm-Manager bei Audi die Erwartungen. „Wir befinden uns noch vor dem Tal der Enttäuschungen“, warnt er mit Verweis auf einen vom Computeranalysten Gartner entwickelten Innovationsverlauf. „Die Erwartungen sind hoch, aber die Technologien haben noch nicht ihre Reife erreicht.“ Die Projekte sollen aber weitergehen, bekräftigt Alexander Müller, Leiter Logistik bei Audi Sport. „Man spürt: Wir haben im Land viele Leute, die wollen, aber sich blockiert fühlen. Denen muss man ein Ventil bieten.“
Was sich auch auf der Rennstrecke beobachten lässt. Immer wieder streiken die Fahrzeuge, die Dauer des Veranstaltung verdoppelt sich glatt. Die Teilnehmer nehmen es gelassen. Die Sieger kommen am Ende auf die Bestzeit von etwas mehr als 10,4 Sekunden. Als Hauptpreis gewinnen sie die Teilnahme an einem Testprogramm von Audi auf einem zugefrorenen See in Österreich. Und die wird definitiv länger dauern.
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