Handwerkskammer Heilbronn-Franken fordert Entlastung – Kritik an Bundesregierung
Die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Heilbronn-Franken zum dritten Quartal zeigt: echte Impulse und Dynamik fehlen weiterhin. Die Kammerspitze sieht die Bundesregierung in der Pflicht.
Im regionalen Handwerk zeichnet sich eine leichte konjunkturelle Erholung ab. Die erhofften Impulse für eine echte Trendwende bleiben jedoch aus. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Heilbronn-Franken für das zweite Quartal 2025. Demnach schätzen 56 Prozent der Betriebe im Kammerbezirk ihre aktuelle Geschäftslage als gut ein. Das entspricht einem Rückgang von fünf Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahresquartal und einem Anstieg von acht Prozentpunkten gegenüber dem ersten Quartal 2025. Zwölf Prozent der Betriebe bezeichnen ihre aktuelle Lage als schlecht – im zweiten Quartal 2024 waren es elf Prozent.
HWK-Präsident Ralf Rothenburger kritisiert die neue Bundesregierung
„Der Start der neuen Bundesregierung hat in Bezug auf die Wirtschaftspolitik erst einmal keine Aufbruchstimmung erzeugt“, ordnet Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, die Umfrage ein. „Das ist bedauerlich, weil es genau das ist, was unsere Betriebe jetzt brauchen – nämlich wirksame Impulse durch Investitionen und Entlastungen für den Mittelstand.“ Rothenburger kritisierte die jüngste Entscheidung der Koalition, die Stromsteuer nicht für alle umzusetzen. Dies sei für energieintensive Handwerksbetriebe, die nicht dem produzierenden Gewerbe zugerechnet werden, ein harter Schlag, sagte der Kammerpräsident.
HWK-Hauptgeschäftsführer Schnörr bemängelt fehlende Dynamik
Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr weist darauf hin, dass sich die weiterhin angespannte Lage der Gesamtwirtschaft auch auf die Situation im Handwerk niederschlage. „Auf unsere Handwerksbetriebe ist Verlass, sie verrichten Tag für Tag gewissenhaft ihre Arbeit. Es fehlt allerdings die Dynamik, die einen wirtschaftlichen Aufschwung herbeiführt“, betont Schnörr.
Mit Blick auf das kommende Quartal erwarten 64 Prozent der befragten Betriebe eine unveränderte Geschäftslage. Wie im Vorjahresquartal erwarten 17 Prozent eine Verbesserung, 19 Prozent (Vorquartal: 23 Prozent) rechnen mit einer Verschlechterung der Lage. Stagnation herrscht auch bei der Auftragslage. Bei 53 Prozent der Betriebe ist die Auftragslage unverändert. 24 Prozent berichten von steigenden Aufträgen, 23 Prozent von gesunkenen Auftragszahlen. Daran dürfte sich kurzfristig wenig ändern. 63 Prozent der Betriebe rechnen mit gleichbleibenden Auftragseingängen, 17 Prozent mit steigenden Zahlen und 20 Prozent mit weniger Aufträgen.

Handwerk in Heilbronn-Franken: Bei Umsatz und Beschäftigung tut sich wenig
Auch beim Umsatz tut sich wenig. 50 Prozent der Handwerker berichten von gleichbleibenden Umsätzen im zweiten Quartal, 23 Prozent haben mehr Umsatz gemacht, 27 Prozent weniger. Zwei Drittel der Betriebe geht davon aus, dass sich ihre Umsätze in den nächsten drei Monaten nicht verändern werden. 18 Prozent rechnen mit steigenden Umsätzen, 15 Prozent mit sinkenden Erlösen.
Die Zahl der Beschäftigten im regionalen Handwerk ist bei 80 Prozent der Betriebe konstant geblieben. Fünf Prozent der Handwerker haben Personal aufgebaut, 15 Prozent haben ihre Belegschaften reduziert. Für das dritte Quartal rechnen 83 Prozent der Betriebe mit einer gleichbleibenden Beschäftigtenzahl. Zwölf Prozent erwarten einen Mitarbeiteraufbau, sechs Prozent eine sinkende Mitarbeiterzahl.
Handwerker im Raum Heilbronn-Franken sind zurückhaltend bei Investitionen
Wenig Dynamik zeigt sich auch bei der Investitionstätigkeit. Im zweiten Quartal haben neun Prozent mehr investiert als im Vorquartal, zwölf Prozent haben weniger investiert – bei 79 Prozent ist die Investitionstätigkeit unverändert geblieben. Für das kommende Quartal rechnen 75 Prozent hier mit keiner Veränderung. Sieben Prozent der Handwerker wollen mehr investieren, 18 Prozent weniger.
Stabile Situation im baden-württembergischen Handwerk
Auch im Land ist derzeit wenig Bewegung im Handwerk. Die Betriebe in Baden-Württemberg zeigen sich auch im Frühjahr 2025 in der Mehrheit wirtschaftlich stabil. Von echter Dynamik ist jedoch nichts zu spüren. Laut aktuellem Konjunkturbericht von Handwerk BW bewerten 60 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 29 Prozent als befriedigend, elf Prozent als schlecht. Damit liegt das Ergebnis fast exakt auf Vorjahresniveau. Auch bei den Aufträgen melden 28 Prozent der Betriebe ein Plus, 25 Prozent ein Minus. Die Umsätze entwickelten sich ähnlich knapp positiv, bei gleichzeitig konstanter Auslastung von 81 Prozent.
„Aufschwung fühlt sich anders an“, sagt Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW. „Aber das Handwerk im Land lässt sich weiter nicht ins Bockshorn jagen. Die Betriebe arbeiten zuverlässig, jedoch auf einem konstanten Niveau ohne nennenswerte Dynamik.“ Es brauche wieder mehr Schwung aus der Gesamtwirtschaft, Die Betriebe warteten darauf, dass Investitionen spürbar anziehen.
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