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Nachwuchsmangel im Handwerk: Wie ein Inder in eine Metzgerei in Affaltrach kommt

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Naved Khan macht bei der Metzgerei Hohl eine Ausbildung zum Fleischereifachverkäufer. Das Beispiel zeigt, wie Handwerksbetriebe dem Nachwuchsmangel erfolgreich begegnen können. Doch es waren viele bürokratische Hürden zu überwinden.


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Die Personalnot im Handwerk ist groß. Zwar sind die Ausbildungszahlen in der Region zuletzt wieder leicht gestiegen. Dennoch klagen viele Betriebe über Nachwuchsmangel. Betroffen ist vor allem das Nahrungsmittelhandwerk. Daher strecken viele Betriebe mittlerweile ihre Fühler im Ausland aus. Es laufen einige Projekte, um junge Menschen aus Indien, Nepal oder Usbekistan für eine Ausbildung im regionalen Handwerk zu gewinnen.

Wie es gehen kann, zeigt das Beispiel von Naved Khan. Der 21-jährige Inder macht seit Oktober 2024 eine Ausbildung zum Fleischereifachverkäufer bei der Metzgerei Hohl in Obersulm-Affaltrach (Landkreis Heilbronn). „Das Bedienen macht mir sehr viel Spaß“, sagt Khan. „Er wird von der Kundschaft gelobt und anerkannt“, berichtet sein Chef Harald Hohl. Der Obermeister der Fleischer-Innung Heilbronn-Hohenlohe-Schwäbisch Hall lernte Khan vor knapp zwei Jahren über eine Agentur kennen, die indische Fachkräfte und Auszubildende an deutsche Betriebe vermittelt. 

Obermeister der Fleischer-Innung Heilbronn-Hohenlohe-Schwäbisch Hall: Wir müssen neue Wege gehen

„Wir finden hierzulande kaum noch junge Menschen, die im Fleischerhandwerk arbeiten möchten“, sagt Hohl. „Daher sind wir gezwungen, kreativ zu sein und neue Wege zu gehen.“ Über ein Pilotprojekt in Südbaden, das später auf weitere Regionen ausgeweitet wurde, knüpfte Hohl Kontakt nach Indien. Im Herbst 2022 kamen die ersten 13 indischen Auszubildende nach Südbaden, die zuvor in ihrer Heimat einen Deutschkurs absolviert und das Visum- und Bewerbungsverfahren durchlaufen hatten. 

Im Juli 2024 kam es zum ersten digitalen Bewerbungsgespräch zwischen Hohl und Naved Khan. Der Fleischermeister war begeistert, musste in der Folge jedoch einige bürokratische Hürden überwinden. „Von der Agentur für Arbeit bis zum Auswärtigen Amt standen zahlreiche Termine auf meiner Agenda“, berichtet Hohl. „Man muss zig Nachweise erbringen, bevor man das Ausbildungsverhältnis beginnen kann.“

Naved Khan aus Indien macht seine Ausbildung zum Fleischereifachverkäufer bei der Metzgerei Hohl in Obersulm viel Spaß.
Naved Khan aus Indien macht seine Ausbildung zum Fleischereifachverkäufer bei der Metzgerei Hohl in Obersulm viel Spaß.  Foto: Patrick Heckler

Obermeister Hohl kritisiert hohe Vermittlungsgebühren für ausländische Auszubildende

Zudem kritisiert Hohl die hohen Gebühren, die die Vermittlungsagentur von den jungen Indern kassiert. „Die 5000 Euro, die Naved der Agentur zahlen musste, sind schlichtweg unverhältnismäßig.“

Im Oktober 2024 konnte Hohl seinen neuen Auszubildenden schließlich am Frankfurt Flughafen abholen. Naved Khan ist in einer Wohnung direkt über der Metzgerei untergebracht, in der er sich sehr wohl fühlt. Aber der junge Inder brauchte eine Weile, um sich in dem neuen Land zurechtzufinden. „Alles war anders, es war Neuland für mich“, sagt Khan. Sein Deutsch verbesserte er durch wöchentliche Sprachkurse kontinuierlich, zudem unterstützen ihn die Familie Hohl und seine Kollegen, wo immer es geht. Hilfreich ist auch der Kontakt zu den fünf indischen Mitschülern in der Berufsschule. „Wir haben uns erst hier kennengelernt, sind aber inzwischen Freunde geworden und verbringen auch gerne unser Freizeit miteinander“, sagt Khan. 

In der Region Heilbronn-Franken gibt es nach Angaben der Handwerkskammer zum Jahresende 2025 70 Fleischer-Auszubildende – 20 mehr als im Jahr zuvor. Auch bei den Fleischereifachverkäufern haben sich die Zahlen positiv entwickelt auf insgesamt 54 Auszubildende Ende 2025. Laut Innungs-Obermeister Harald Hohl ist diese Entwicklung auch auf erfolgreiche Partnerschaften mit Ländern wie Indien, Marokko, Nepal und Vietnam zurückzuführen.

Naved Khan will nach seiner Ausbildung als Geselle bei der Metzgerei Hohl einsteigen

In der Metzgerei kümmert sich Naved Khan um alles, was mit dem Verkauf zu tun hat: Er richtet die Theke her, bereitet Fleischspieße zu, betreut die Wärmetheke und berät die Kunden. Wenn er seine dreijährige Ausbildung abgeschlossen hat, möchte Khan als Geselle bei der Metzgerei Hohl einsteigen. 

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