Mannheimer Brauerei Eichbaum gerettet – aber massiver Stellenabbau
Investoren wollen die insolvente Mannheimer Traditionsbrauerei Eichbaum fortführen. Zwei Drittel der 290 Arbeitsplätze werden abgebaut. Steigt die Brauerei Park & Bellheimer ein?
Die insolvente Brauerei Eichbaum ist gerettet. Die Gläubigerversammlung hat sich am Dienstag der Entscheidung des Gläubigerausschusses zur Fortführung des Traditionsunternehmens angeschlossen. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Investoren wollen bei Eichbaum einsteigen und damit den Betrieb in Mannheim fortführen. Allerdings ist damit der Abbau von zwei Drittel der rund 290 Mitarbeiter verbunden.
Gewerkschafter zwischen Erleichterung und Enttäuschung
„Die Entscheidung der Gläubigerversammlung für eine mögliche Fortführung der Geschäfte bietet nun eine reelle Chance auf Rettung des Brauereistandorts Mannheim und führt damit zum Erhalt von knapp 100 Arbeitsplätzen bei Eichbaum“, sagt NGG-Landesbezirksvorsitzender Hakan Ulucay. „Zwar ist es sehr bitter, dass nur rund ein Drittel der Arbeitsplätze bei der Traditionsbrauerei erhalten werden sollen, trotzdem bietet sich durch den angekündigten Investor für die verbleibenden Beschäftigten bei Eichbaum hiermit eine Chance für die Zukunft“, sagt der Gewerkschafter.

Wie die „Rheinpfalz“ berichtet, handelt es sich bei einem der Investoren um die Brauerei Park & Bellheimer aus Pirmasens. Park & Bellheimer soll demnach das Inlandsgeschäft von Eichbaum übernehmen. Der zweite Investor soll nach Informationen des „Mannheimer Morgen“ ein größerer Finanzinvestor sein, der bereits zum 1. Mai bei Eichbaum einsteigen soll.
Stellenabbau soll Wettbewerbsfähigkeit von Eichbaum sichern
Der Generalbevollmächtigte Christoph Glatt verteidigte den massiven Stellenabbau bei Eichbaum. Dieser sei erforderlich, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Brauerei zu sichern. „Die dafür erforderlichen Schritte werden in enger Abstimmung mit den Beteiligten in den kommenden Wochen eingeleitet“, sagt Glatt, ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Es gehe nun darum, durch strukturelle Änderungen und Änderungen im Tagesgeschäft die wirtschaftliche Stabilisierung des Unternehmens zu erreichen.
Darauf hofft auch Gewerkschafter Ulucay. „Es ist gut, dass eine Entscheidung für das traditionsreiche Werk in Mannheim getroffen wurde. Jetzt geht es darum, dass es für die verbleibenden Beschäftigten weitergeht und sie wieder auf sichere Arbeitsplätze bauen können“, sagt er und fordert ein tragfähiges Zukunftskonzept für Eichbaum in Mannheim.
Gewerkschaft und Betriebsrat kämpfen für Transfergesellschaft
„Der geplante Abbau von rund zwei Dritteln der Stellen ist ein harter Einschnitt für die Belegschaft“, sagt Stephanie Albicker, NGG-Sekretärin für die Region Mannheim-Heidelberg. „Wir werden darauf achten, dass der Arbeitsplatzabbau sozial verantwortungsvoll gestaltet wird, denn hinter jeder Kündigung stehen Einzelschicksale, stehen Menschen und deren Familien, stehen ganze Existenzen“, betont Albicker. Die NGG werde sich gemeinsam mit dem Betriebsrat weiter für die Einrichtung einer Transfergesellschaft einsetzen. „Denn die Beschäftigten dürfen nicht von einem Tag auf den anderen ohne Perspektive dastehen“, sagt Stephanie Albicker.
Die Brauerei Eichbaum hatte im Oktober 2025 Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Ursachen waren ein Umsatzrückgang im Exportgeschäft und eine sinkende Nachfrage im Inland. Künftig will sich die Brauerei, die erst vor einigen Monaten ihre Marke Karamalz an Veltins verkauft hatte, mit alkoholhaltigen Mixgetränken breiter aufstellen.
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