Insolvente Brauerei Eichbaum baut 100 Stellen ab – Gewerkschaft fordert Perspektiven
Die insolvente Mannheimer Privatbrauerei Eichbaum streicht ein Drittel der Arbeitsplätze, um das Unternehmen zu retten. Gespräche mit potenziellen Investoren laufen. Die Gewerkschaft NGG fordert Perspektiven für Standort und Mitarbeiter.
Bei der insolventen Traditionsbrauerei Eichbaum steht ein harter Einschnitt bevor. Wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am Mittwoch mitteilte, will das Mannheimer Unternehmen rund ein Drittel der zuletzt knapp 290 Stellen streichen. Damit wolle die Geschäftsführung die Brauerei retten und attraktiv für potenzielle Investoren machen, hieß es. Von den betriebsbedingten Kündigungen, die in den nächsten Wochen ausgesprochen werden sollen, seien vor allem Mitarbeiter in der Produktion betroffen, hieß es. Aber auch in der Verwaltung könnten Jobs wegfallen.
„Auch für uns ist das ein sehr schmerzhafter Schritt. Aber nur so erhalten wir uns eine Chance, den Rest der Brauerei zu retten“, sagte Geschäftsführer Uwe Aichele, einer der beiden aktuellen Eichbaum- Geschäftsführer dem „Mannheimer Morgen“. „Für alle verbleibenden Interessenten ist aber auch die Bedingung, dass die Personalstruktur an das aktuelle Produktionsvolumen angepasst wird“, sagte Co- Geschäftsführer Frank Reifel.
Verkauf von Karamalz reichte nicht zur Rettung von Eichbaum
Eichbaum hatte am 30. Oktober 2025 Insolvenzantrag gestellt, damals beschäftigte das Unternehmen noch rund 300 Mitarbeiter. Das 1679 gegründete Unternehmen leidet seit längerer Zeit unter schwacher Auslastung. Im Oktober 2025 hatten die Mannheimer daher ihre Marke Karamalz an den Wettbewerber Veltins verkauft. Zur Zukunftssicherung reichte das Geld aus diesem Verkauf aber nicht, weshalb das Unternehmen nun härtere Maßnahmen ergreift. Parallel zum Jobabbau laufen Gespräche mit möglichen Investoren.
Gewerkschaft NGG fordert Zukunft für den Brauereistandort Mannheim
In der Belegschaft und bei der Gewerkschaft wächst angesichts des angekündigten Stellenabbaus die Sorge um die Zukunft der Brauerei. „Es muss eine Zukunft für die Beschäftigten von Eichbaum geben“, fordert NGG-Landesvorsitzender Hakan Ulucay. Es bedürfe einer echten Rettung des Brauereistandorts Mannheim.
„Eichbaum gehört zu Mannheim, ohne wenn und aber“, sagt der Gewerkschafter. Statt das traditionsreiche Werk in Mannheim aufzugeben, solle das Potenzial des Brauereibetriebs voll ausgeschöpft werden, verlangt Ulucay. „Jedem potenziellen Investor sagen wir daher, dass er auf eine engagierte und hochqualifizierte Belegschaft zurückgreifen kann.“ Der Standort und seine Beschäftigten hätten eine Chance verdient. Nun gehe es darum, den verbleibenden Mitarbeitern eine Perspektive und sichere Arbeitsplätze zu bieten.

Eichbaum-Betriebsrat: Es geht ums nackte Überleben
Wie der Betriebsrat von Eichbaum mitteilte, habe man leider keine andere Wahl und müsse diesen Weg jetzt so gehen. Aktuell gehe es „ums nackte Überleben“, sagte Betriebsrat Umut As dem „SWR“.
„Wir bedauern den nun angekündigten Stellenabbau sehr“, sagt Stephanie Albicker, Gewerkschaftssekretärin in der NGG-Region Mannheim-Heidelberg. Dieser Arbeitsplatzabbau müsse sozial verantwortungsvoll gestaltet werden, betont sie. „Wir teilen daher die Einschätzung des Betriebsrats, dass für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen eine Transfergesellschaft eingerichtet werden sollte“, sagt Albicker. Die Beschäftigten dürften nicht von einem Tag auf den anderen ohne Perspektive dastehen.
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