„Wir sind ratlos“ – wenn Kinder und Jugendliche regelmäßig Drogen konsumieren
Viele Eltern und Angehörige wissen nicht weiter, wenn Kinder oder Geschwister Drogen nehmen. Ein Expertenteam des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit hat bei einer Telefonaktion Fragen beantwortet.
Die Sorgen von Drogenkonsumenten um ihre Gesundheit, aber auch die Ängste von Eltern und Großeltern um ihre Kinder und Enkelkinder spiegelten sich in unserer Telefonaktion wider. Gesprächspartner war ein Expertenteam des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Es folgen Auszüge:
Expertenteam beantwortet Fragen: Wege aus der Drogenabhängigkeit
Zu ihrem 16. Geburtstag im Januar sagte meine Tochter, dass sie nicht mehr kiffen will. Sie tut es aber weiter. Wie kann ich ihr helfen, damit aufzuhören?
Loben Sie sie auf jeden Fall dafür, dass sie sich zu einem drogenfreien Leben entschlossen hat. Zwischen dem Entschluss und der Verhaltensänderung liegt aber oft noch ein ganzer Schritt. Hilfreich könnte vielleicht die Frage sein, wie genau sie den Cannabis-Konsum einstellen, was sie stattdessen tun möchte oder wie sie künftig reagieren will, wenn Freunde ihr einen Joint anbieten.
Unser Sohn (15) kifft sehr oft. Seine Zensuren werden schlechter. Wenn wir darauf zu sprechen kommen, verlässt er sofort den Raum. Wir sind ratlos.
Sprechen Sie das Problem in einer ruhigen Minute wieder sachlich an. Bleiben Sie dabei in der Ich-Form. Sagen Sie ihm, dass Sie sich um ihn Sorgen machen. Lassen Sie ihm Zeit, sich dazu zu äußern. Unterstützung finden Sie bei Erziehung- oder Suchtberatungsstellen vor Ort, Adressen unter www.dhs.de/service/suchthilfeverzeichnis
„Wir sind ratlos“ – Wenn Kinder und Jugendliche regelmäßig Drogen konsumieren
Mein Bruder (14) schwört, dass Chrystal Meth besser verträglich ist, wenn man es inhaliert. Ich kann mir das nicht vorstellen.
Chrystal Meth ist extrem gefährlich, auch wenn man es inhaliert. Langfristig können Gedächtnisleistung, Koordination, Entscheidungsfindung und Impulskontrolle stark beeinträchtigt werden. Außerdem steigen die Risiken für schwere Herzschäden und Schlaganfälle. Sprechen Sie unbedingt mit ihm darüber. Hinweise dazu unter www.drugcom.de/beratung-finden/hilfe-fuer-familie-und-freunde
Unser Sohn (16) müsste sich eine Ausbildungsstelle suchen. Stattdessen hockt er in seinem Zimmer und gibt sein Taschengeld für Joints aus. Was können wir dagegen tun?
Entscheiden Sie in aller Ruhe, ob Sie weiterhin seinen Drogenkonsum mit dem Taschengeld finanzieren und ob Sie ihn weiter unter Ihrem Dach Drogen konsumieren lassen. Teilen Sie Ihrem Sohn dann Ihre Entscheidung sachlich mit. Wenn Sie etwas verändern - vielleicht verändert sich dann auch Ihr Sohn.
Kann ein Haartest zeigen, ob jemand Drogen nimmt? Unser Sohn (19) behauptet, dass er keine nimmt. Aber ich traue ihm nicht.
Tests werden das Problem nicht lösen. Selbst wenn ihm Drogenkonsum nachgewiesen würde– deshalb wird er nicht damit aufhören. Sagen Sie Ihrem Sohn lieber ganz offen, warum Sie vermuten, dass er Drogen nimmt und dass Sie das sorgt. Miteinander reden ist die einzige Möglichkeit, eine Veränderung herbeizuführen. Ihr Sohn ist volljährig und damit für sein Leben selbst verantwortlich.
Hilflos bei Suchtproblemen: Was Eltern und Freunde tun können
Meine Tochter (24) verlässt kaum noch die Wohnung. Ich weiß, dass sie starke Drogen nimmt. Eine Therapie will sie nicht. Könnte man sie zwangsweise in die Psychiatrie einweisen lassen?
Nein, zwangsweise Einweisungen sind in Deutschland nur möglich, wenn die Betroffenen selbst in Gefahr sind, beispielsweise selbstmordgefährdet, oder wenn sie Dritte bedrohen. Ich rate Ihnen, sich Hilfe bei Suchtberatungsstellen zu holen oder bei Beratungsstellen für Angehörige. Diese finden Sie unter www.dajeb.de/beratungsfuehrer-online.
Welche Strategien haben sich beim Drogenausstieg als effektiv erwiesen?
Besonders erfolgreich waren jene Ausstiegswilligen, die ihren Alltag radikal umgebaut haben. Viele zogen in eine andere Wohngegend, um vom alten Leben wegzukommen. Andere konzentrierten sich verstärkt auf die Arbeit, um denjenigen Personen aus dem Wege zu gehen, mit denen sie früher Drogen genommen hatten. Professionelle Hilfe erhöhte die Chance auf einen erfolgreichen Ausstieg entscheidend.
Infotelefon zur Suchtvorbeugung vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): 0221/892031 (deutsches Festnetz), Mo.-Do. 10-22 Uhr, Fr.-So. 10-18 Uhr
Sucht & Drogen Hotline: 01806/313031 Mo.-So. 8-24 Uhr (20 Cent pro Anruf, auch aus Mobilfunknetz).
Online-Portale: www.cannabispraevention.de, www.drugcom.de
Programm für Ausstieg und Reduktion: www.quit-the-shit.net
Social-Media: www.youtube.com/channel/UC3HKTiEt5MebQKd0wxx4o1Q
Kostenloses Info-Material: per Mail: bestellung@bioeg.de, per Post: BIÖG, 50819 Köln, Online: www.shop.biög.de/ Fax: 0221/8992257

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